Sonntag, 20. Dezember 2009

Tenkusai und Welcome BBQ

Am 24. Oktober hatten wir endlich nach über einem Monat in Japan unser vom Academic Office organisiertes Welcome BBQ am Beppu Spa Beach. Allerdings frage ich mich wirklich, wer die Planung übernommen hat, denn genau an diesem Wochenende hatte unsere Uni auch ihr Tenkusai. Das Tenkusai ist ein Fest, oder besser gesagt ein Tag der offenen Tür, an dem sich jede Universität den Oberschul-Absolventen vorstellt. Dieses Fest geht das ganze Wochenende lang, es gibt sehr viele internationale Essensstände, lustige Events und Auftritte. Zum Abschluss gibt es dann noch ein sehr schönes Feuerwerk. Allerdings lässt es nicht jede Uni so knallen, wie unsere. Aber dafür müssen wir ja auch ordentlich Studiengebühren berappen.

Doch trotz der ganzen Mühen hat mich das Tenkusai nicht so sehr in den Bann gezogen und ich bin mit ein paar anderen Austauschstudenten zum Welcome BBQ gegangen. Das hat sich auch sehr gelohnt, denn gegrillt wurde auf Blechtonnen mit großen Gittern drüber gestülpt. Und auf diesem Grill landete eigentlich so alles Essbares (je nachdem wie man das definiert): Bananen, Mangos, Kartoffeln, Eier, Fleischstreifen (nicht so wie wir das kennen) und irgendwelche ekligen Meerestiere... Tintenfische und so. Na ja, ich habe mich auf jeden Fall an das Obst und Gemüse gehalten und wurde daraufhin von allen entsetzt gefragt, ob ich Vegetarierin sei. Ich glaube, dass ist hier noch eine richtige Sünde :D

Neben dem Gegrillten gab es aber auch Sushi, das super lecker war. Aber auch hier hielt ich mich wieder von denen mit Fisch fern. Roh ist einfach doch ein bisschen zu krass für mich. Dabei fällt mir auch gerade ein, dass meine liebe Zimmernachbarin Yoko mir einen Gefallen tun wollte und aus ihrer Heimatstadt Yokohama rohes Pferdefleisch mitgebracht hat, welches wohl ziemlich teuer ist und in ganz Japan berühmt. Hm... Dankeschön. Habe mich natürlich RIESIG darüber gefreut und weil ich eine so gute Gastgeberin bin, den ganzen neidischen Japanern großzügig was abgegeben. Hong hat es sogar probiert und sie war ganz begeistert davon, aber ich konnte es beim besten Willen nicht in den Mund nehmen.

Zurück zum Welcome BBQ. Natürlich haben wir ganz lustige Kennenlernspiele gespielt, bei denen man sich nach dem Motto „I pack my bag“ die Namen merken musste. Leider stand ich relativ weit hinten und wir hatten viele Koreanische und Chinesische Austauschstudenten, weswegen ich dauernd Namen aufzählen musste, die sich irgendwie alle sehr ähnlich anhörten. Aber ich habe es geschafft und mittlerweile kann ich sie sogar auch alle voneinander unterscheiden ;)

Meine Japanischlehrerin (auf dem Foto zusammen mit Peter, Timos Zimmernachbarn, der natürlich nicht Peter heißt, aber dessen richtigen Namen keiner Aussprechen kann. Er hat ihn mir mal gesagt, aber bitte fragt mich nicht danach) war übrigens auch da und ich musste die ganze Zeit mit ihr Japanisch sprechen, weswegen einer der japanischen Helfer dachte, ich bin perfekt. Sobald man hier nämlich nur „moshimoshi“ oder „sumimasen“ sagen kann, glauben die verehrten Japaner, man beherrsche ihre Sprache. Also textete mich der Japaner munter auf Japanisch zu, ich nickte brav und meine Japanischlehrerin hat sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Er hat einfach viel zu schnell gesprochen und derbste Umgangssprache benutzt, weswegen ich tatsächlich kein einziges Wort verstanden habe.

Zum Abschluss gab es noch ein schönes Foto auf dem wir alle bitte sehr viel Spaß haben sollten. Auf japanischen Fotos muss man immer sehr viel Spaß haben...

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Mt. Aso und Kumamoto Castle






Am 18. Oktober war es endlich soweit! Mein erster richtiger Ausflug außerhalb Beppus. Dieser Ausflug wurde vom AP-House organisiert und war somit nur an Studenten gerichtet, die auch hier wohnten. Zusammen mit Hong und Timo habe ich mich sofort dafür angemeldet, denn es gab nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, die frei nach dem Motto „Wer zu erst kommt mahlt zu erst“ vergeben wurden. Hastig füllten wir also die Anmeldeformulare aus (Was ist meine Motivation für diesen Trip?, Welche Sprachen kann ich sprechen?) und gaben sie sofort im Security Office ab. Eine Woche später erhielten wir alle drei eine Zusage und den Hinweis in den nächsten Tagen ein Certificate über 3.000 Yen abzugeben. Wie Certificate? Können wir das nicht einfach bar direkt vor Ort bezahlen? Was meinen die überhaupt mit Certificate? Sollen wir das Geld etwa überweisen? Aber sie haben keine Kontonummer angegeben. Fragen über Fragen stürzten auf uns ein und wir wussten keinen Rat. Zum Glück trafen wir Taiki auf dem Campus, der uns (selber ein bisschen überfordert) das Sytem mit dem Certificate erklärte.

Zunächst muss man in den Coop-Laden gehen und seine Coop-Karte mit dem gewünschten Betrag auffüllen. Dann muss man quer über den Campus zum Student Office. Dort steht ein Automat, in den man die Coop-Karte einführt und den gewünschten Betrag abbuchen kann. Daraufhin druckt der liebe Automat einem das Certificate aus, welches man dann wieder bei der gewünschten Stelle einreichen kann. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Mit Freuden habe ich übrigens festgestellt, dass dieses System der Bezahlung fest in den Unialltag integriert ist, weswegen ich es schon dreimal nutzen durfte. Es hat mich jedes Mal von Neuem aufgeregt :P

Naja, nach dem wir den Trip jedenfalls bezahlt hatten, durften wir am Sonntag, den 18. Oktober den Reisebus besteigen. Obwohl es eine relativ kurze Strecke von gerade mal zwei Stunden zu bewältigen galt, wurde natürlich ein Film während der Fahrt gezeigt. Und so hatten wir das Vergnügen (oder auch nicht, denn eigentlich wollte ich die Zeit nutzen und ein Buch lesen) uns Brad Pitt und John Malkovic in dem wunderschönen Streifen „Burn after Reading“ angucken. Ja, kannte ich schon und hat mich bereits beim ersten Mal nicht vom Hocker gehauen.

Beim Mt. Aso wurde wir jedoch für all unser Leiden entlohnt. Der Mt. Aso, oder eigentlich Aso-san, ist ein immer noch aktiver uns beeindruckender Vulkan auf Kyushu. Allerdings wären wir nicht in Japan, wenn wir nicht mehrmals darauf hingewiesen wurden wären, dass die Gase, die der Vulkan ausströmt giftig sind und dass für Menschen mit Asthma und Schwangere Lebensgefahr besteht. Ein bisschen hat es mich dann doch schon gegruselt, als wir in die Seilbahn zum Gipfel gestiegen sind. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es wie die meisten Warnungen in Japan, reine Panikmache war. Klar, die Gase haben ein wenig unangenehm gerochen, aber ehrlich gesagt war der Krater soweit abgesperrt, dass man eh nicht nah genug rankam, um irgendeine lebensbedrohliche oder auch gesundheitlich unangenehme Menge einzuatmen. Also haben wir die schöne Landschaft genutzt und sehr viele Fotos gemacht. Für den Abstieg haben wir uns auch eine Menge Zeit gelassen und haben die Kusasenri (im Grunde eine vulkanische Graslandschaft) bestaunt. Es war wirklich sehr schön und gemütlich. Abgesehen von dem eiskalten Wind, der allerdings immer weniger wurde, je mehr wir uns dem Fuß des Berges näherten.


Glücklich und erschöpft stiegen wir also wieder in unseren Reisebus ein und fuhren weiter nach Kumamoto. Zuvor machten wir jedoch einen kurzen Zwischenstop bei Aso Farm Land, um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Außerdem bot das Gelände eine zahlreiche Auswahl an seltsamen Attraktionen (zum Beispiel konnte man sich von kleinen Fischen tote Hautzellen abfressen lassen) und Geschäften bereit, die wir so gut wie möglich erkundigten. Uns blieb jedoch nicht viel Zeit, da unser Busfahrer uns nun doch endlich nach Kumamoto fahren wollte.


Die Stadt Kumamoto haben wir jedoch nur aus dem Busfenster heraus besichtigt (ist eben auch nur eine ganz normale Stadt), schließlich war unser Ziel das Schloss von Kumamoto. Und das ist wirklich sehenswert, sage ich euch. Wunderschön und eine sehr geräumige Anlage. Eigentlich genauso, wie man sich ein Japanisches Schloss vorstellt. Oder zumindest habe ich es mir immer so vorgestellt.

Vielleicht ein kurzer geschichtlicher Überblick: Also, das alte Kumamoto Castle wurde 1469 erbaut. 1588 bezieht Lord Kato Kiyomasa das Schloss, vergrößert seine Provinz durch den siegreichen Battle of Sekigahara im Jahre 1600 und erweitert daraufhin 1601 das Schloss (denn nun hatte er 540.000 koku Reis anstatt wie zuvor 195.000 koku zur Verfügung) zu dem heutigen Kumamoto Castle.1607 waren die Bauarbeiten schließlich beendet und zur Feier wurde ein Kanji-Charakter (das sind die aus China übernommenen Schriftzeichen) in dem Namen „Kumamoto“ geändert. 1611 stirbt der gut Kiyomasa auf Grund einer Krankheit und sein Sohn baut Mist, weshalb er aus der Provinz vertrieben wird. 1632 zieht schließlich Lord Hosokawa Tadatoshi. In den nächsten Jahren werden ein paar Revolten niedergemetzelt und sehr viele Samurais geehrt bis schließlich im Jahr 1871 die Herrschaft der Feudalherren durch ein neues Regierungssystem abgelöst wird. 1876 erfolgte wieder eine Revolte und 1877 kam es zum Seinan Bürgerkrieg. Drei Tage vor dem Kampf wurde jedoch das Hauptgebäude des Schlosses durch ein ungeklärtes Feuer zerstört.

1960 wurde das Hauptgebäude wieder aufgebaut und 1998 die ganze Restauration des Schlosses begonnen. Und heute erstrahlt es in wundervollem Glanze. Einige Nebengebäude sind allerdings komplett erhalten und geben dem Schloss dadurch seinen alten Charme. Wie gesagt, ich fand es echt super und empfehle es jedem weiter.

Außerdem hatten wir das Glück, dass an diesem Wochenende ein großes Fest in dem Schloss abgehalten wurde und es viele Traditionelle Tanzvorführungen (einige auch mit modernem Touch) und Damen und Herren in Kimonos zu bewundern gab.

Erschöpft und glücklich vielen wir am Abend in den Reisebus und ließen uns nach Hause fahren. Leider war die Autobahn (wenn man das so nennen kann :D ) verstopft und wir brauchten für die Rückfahrt doppelt so lange wie für die Hinfahrt. Allerdings hatten wir Glück im Unglück, denn die Organisatoren hatte genug Filme dabei, um uns zu unterhalten. Dennoch bin ich irgendwann weggenickt. Gute Nacht!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Beppu Beach Festival




Am 11. Oktober gab es hier in Beppu am Spa Beach ein Beach Festival mit Getränken, sportlichen Aktivitäten und Musik (Ich habe mich allerdings mehr an Bier und Musik gehalten und weniger an so seltsame Sportarten wie „Gehen“). Bei diesem Event des Jahres durfte ich natürlich auch nicht fehlen. Außerdem spielte auch die Band unserer Uni. Also habe ich mich in aller Frühe so um 12 Uhr mit Hong und Timo auf den Weg gemacht, um mir unsere Superrockband anzuschauen. Die Band war so lala, aber das Wetter war wunderschön und die Bühne war auf dem Sandstrand aufgebaut, so dass man hinter der Bühne das Sonne auf dem Meer glitzern sehen konnte. Sehr romantisch :D Da es Timo allerdings schon bald nach Hause gezogen hat, waren Hong und ich nur noch zu zweit. Es war trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ein sehr schöner Tag. Die nachfolgenden Bands waren alle sehr gut und es war alles dabei – von romantischen Gitarrengeplänkel a la Jack Johnson, über total abgedrehte Rockbands, die sich die Seele aus dem Hals geschrieen haben (und garantiert Ozzy Osbourne als Idol haben) und normale Rockbands bis hin zu HipHop. Gegen Abend, als die Sonne im Hintergrund unterging war die Stimmung besonders schön.

Auf dem Foto bin ich übrigens mit einer der Rockbands zu sehen. Sie heißen Qaren und ich habe mir eine CD von ihnen gekauft, woraufhin sie sehr sehr dankbar waren und mir mehrere Widmungen ins Cover gekritzelt haben :P