Mittwoch, 16. Dezember 2009

Mt. Aso und Kumamoto Castle






Am 18. Oktober war es endlich soweit! Mein erster richtiger Ausflug außerhalb Beppus. Dieser Ausflug wurde vom AP-House organisiert und war somit nur an Studenten gerichtet, die auch hier wohnten. Zusammen mit Hong und Timo habe ich mich sofort dafür angemeldet, denn es gab nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, die frei nach dem Motto „Wer zu erst kommt mahlt zu erst“ vergeben wurden. Hastig füllten wir also die Anmeldeformulare aus (Was ist meine Motivation für diesen Trip?, Welche Sprachen kann ich sprechen?) und gaben sie sofort im Security Office ab. Eine Woche später erhielten wir alle drei eine Zusage und den Hinweis in den nächsten Tagen ein Certificate über 3.000 Yen abzugeben. Wie Certificate? Können wir das nicht einfach bar direkt vor Ort bezahlen? Was meinen die überhaupt mit Certificate? Sollen wir das Geld etwa überweisen? Aber sie haben keine Kontonummer angegeben. Fragen über Fragen stürzten auf uns ein und wir wussten keinen Rat. Zum Glück trafen wir Taiki auf dem Campus, der uns (selber ein bisschen überfordert) das Sytem mit dem Certificate erklärte.

Zunächst muss man in den Coop-Laden gehen und seine Coop-Karte mit dem gewünschten Betrag auffüllen. Dann muss man quer über den Campus zum Student Office. Dort steht ein Automat, in den man die Coop-Karte einführt und den gewünschten Betrag abbuchen kann. Daraufhin druckt der liebe Automat einem das Certificate aus, welches man dann wieder bei der gewünschten Stelle einreichen kann. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Mit Freuden habe ich übrigens festgestellt, dass dieses System der Bezahlung fest in den Unialltag integriert ist, weswegen ich es schon dreimal nutzen durfte. Es hat mich jedes Mal von Neuem aufgeregt :P

Naja, nach dem wir den Trip jedenfalls bezahlt hatten, durften wir am Sonntag, den 18. Oktober den Reisebus besteigen. Obwohl es eine relativ kurze Strecke von gerade mal zwei Stunden zu bewältigen galt, wurde natürlich ein Film während der Fahrt gezeigt. Und so hatten wir das Vergnügen (oder auch nicht, denn eigentlich wollte ich die Zeit nutzen und ein Buch lesen) uns Brad Pitt und John Malkovic in dem wunderschönen Streifen „Burn after Reading“ angucken. Ja, kannte ich schon und hat mich bereits beim ersten Mal nicht vom Hocker gehauen.

Beim Mt. Aso wurde wir jedoch für all unser Leiden entlohnt. Der Mt. Aso, oder eigentlich Aso-san, ist ein immer noch aktiver uns beeindruckender Vulkan auf Kyushu. Allerdings wären wir nicht in Japan, wenn wir nicht mehrmals darauf hingewiesen wurden wären, dass die Gase, die der Vulkan ausströmt giftig sind und dass für Menschen mit Asthma und Schwangere Lebensgefahr besteht. Ein bisschen hat es mich dann doch schon gegruselt, als wir in die Seilbahn zum Gipfel gestiegen sind. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es wie die meisten Warnungen in Japan, reine Panikmache war. Klar, die Gase haben ein wenig unangenehm gerochen, aber ehrlich gesagt war der Krater soweit abgesperrt, dass man eh nicht nah genug rankam, um irgendeine lebensbedrohliche oder auch gesundheitlich unangenehme Menge einzuatmen. Also haben wir die schöne Landschaft genutzt und sehr viele Fotos gemacht. Für den Abstieg haben wir uns auch eine Menge Zeit gelassen und haben die Kusasenri (im Grunde eine vulkanische Graslandschaft) bestaunt. Es war wirklich sehr schön und gemütlich. Abgesehen von dem eiskalten Wind, der allerdings immer weniger wurde, je mehr wir uns dem Fuß des Berges näherten.


Glücklich und erschöpft stiegen wir also wieder in unseren Reisebus ein und fuhren weiter nach Kumamoto. Zuvor machten wir jedoch einen kurzen Zwischenstop bei Aso Farm Land, um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Außerdem bot das Gelände eine zahlreiche Auswahl an seltsamen Attraktionen (zum Beispiel konnte man sich von kleinen Fischen tote Hautzellen abfressen lassen) und Geschäften bereit, die wir so gut wie möglich erkundigten. Uns blieb jedoch nicht viel Zeit, da unser Busfahrer uns nun doch endlich nach Kumamoto fahren wollte.


Die Stadt Kumamoto haben wir jedoch nur aus dem Busfenster heraus besichtigt (ist eben auch nur eine ganz normale Stadt), schließlich war unser Ziel das Schloss von Kumamoto. Und das ist wirklich sehenswert, sage ich euch. Wunderschön und eine sehr geräumige Anlage. Eigentlich genauso, wie man sich ein Japanisches Schloss vorstellt. Oder zumindest habe ich es mir immer so vorgestellt.

Vielleicht ein kurzer geschichtlicher Überblick: Also, das alte Kumamoto Castle wurde 1469 erbaut. 1588 bezieht Lord Kato Kiyomasa das Schloss, vergrößert seine Provinz durch den siegreichen Battle of Sekigahara im Jahre 1600 und erweitert daraufhin 1601 das Schloss (denn nun hatte er 540.000 koku Reis anstatt wie zuvor 195.000 koku zur Verfügung) zu dem heutigen Kumamoto Castle.1607 waren die Bauarbeiten schließlich beendet und zur Feier wurde ein Kanji-Charakter (das sind die aus China übernommenen Schriftzeichen) in dem Namen „Kumamoto“ geändert. 1611 stirbt der gut Kiyomasa auf Grund einer Krankheit und sein Sohn baut Mist, weshalb er aus der Provinz vertrieben wird. 1632 zieht schließlich Lord Hosokawa Tadatoshi. In den nächsten Jahren werden ein paar Revolten niedergemetzelt und sehr viele Samurais geehrt bis schließlich im Jahr 1871 die Herrschaft der Feudalherren durch ein neues Regierungssystem abgelöst wird. 1876 erfolgte wieder eine Revolte und 1877 kam es zum Seinan Bürgerkrieg. Drei Tage vor dem Kampf wurde jedoch das Hauptgebäude des Schlosses durch ein ungeklärtes Feuer zerstört.

1960 wurde das Hauptgebäude wieder aufgebaut und 1998 die ganze Restauration des Schlosses begonnen. Und heute erstrahlt es in wundervollem Glanze. Einige Nebengebäude sind allerdings komplett erhalten und geben dem Schloss dadurch seinen alten Charme. Wie gesagt, ich fand es echt super und empfehle es jedem weiter.

Außerdem hatten wir das Glück, dass an diesem Wochenende ein großes Fest in dem Schloss abgehalten wurde und es viele Traditionelle Tanzvorführungen (einige auch mit modernem Touch) und Damen und Herren in Kimonos zu bewundern gab.

Erschöpft und glücklich vielen wir am Abend in den Reisebus und ließen uns nach Hause fahren. Leider war die Autobahn (wenn man das so nennen kann :D ) verstopft und wir brauchten für die Rückfahrt doppelt so lange wie für die Hinfahrt. Allerdings hatten wir Glück im Unglück, denn die Organisatoren hatte genug Filme dabei, um uns zu unterhalten. Dennoch bin ich irgendwann weggenickt. Gute Nacht!

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