Mittwoch, 3. März 2010

Japan rockt!

Bereits vor meiner Abfahrt nach Japan habe ich beschlossen, auf jeden Fall auf ein Konzert einer Japanischen Band zu gehen. Doch dieses Vorhaben hat sich als eines der schwersten Überhaupt herausgestellt. In Japan werden die Eintrittskarten für ein Konzert nämlich bereits ein halbes Jahr im Voraus verkauft. Und dann auch nur zwei Wochen lang. Wenn man diese Frist verpasst (was bei mir aus offensichtlichen Gründen der Fall war) ist es schwierig überhaupt noch an Karten heranzukommen. Außerdem findet der durchschnittliche Europäer mit eher mäßigen Japanischkenntnissen im Internet keine Informationen zu Tourdaten (die Band war mir ja sogar weitestgehend egal :P). Zum Glück hatte ich jedoch Hong, die ebenfalls auf ein Konzert gehen wollte. Sie hat von Hiroya, ihrem japanischen Musikfanatischem Freund, erfahren, dass am 27.11.2009 ein Rockkonzert der Band UVERworld (sucht es einfach mal bei YouTube) in unserer Nachbarstadt Oita stattfand. Schnell durchforsteten wir also das Internet auf der Suche nach Karten. Durch das oben bereits erwähnte Ticket-Verkaufssystem, verbrachten wir jedoch Stunden vor dem PC. Vor allem, da wir gerne zwei zusammenhängende Plätze haben wollten. Schließlich haben wir Tickets gefunden. Recht weit vorne sogar. Allerdings kosteten sie statt dem regulärem Preis von 5.500 Yen bereits 7.500 Yen und der Preis stieg weiter an. Doch wann haben wir schon mal wieder die Chance eine japanische Rockband live zu sehen? Also haben wir schnell zugeschlagen. Können ja bestimmt mit Kreditkarte bezahlen und die schicken uns die Tickets dann per Mail zu, so dass wir sie nur noch ausdrucken müssen, dachten wir uns. Ist schließlich über all auf der Welt so. Zu mindestens in Singapur und Deutschland, da waren wir uns sicher :D Aber natürlich nicht in Japan. Hier mussten wir in einen kombini (convenience store, wie z.B. Seven Eleven) gehen, dort an der Kasse bezahlen und dann würden wir die Tickets erhalten. Was soll das denn? Das Konzert war schon am nächsten Wochenende und wir konnten unmöglich so schnell in einen kombini gehen (ehrlich gesagt habe ich die Gründe bereits vergessen, aber ich bin sicher, dass es uns unmöglich war, auch wenn das jetzt ein bisschen seltsam klingt :D). Zum Glück hatten wir bereits Yoko, meine Zimmernachbarin, um Hilfe gebeten, da die Homepage, wo wir die Tickets kaufen konnten nur auf Japanisch zur Verfügung stand. Yoko hat also kurzerhand ihre Mutter angerufen, die schnell (achja, jetzt fällt es mir wieder ein. Wir mussten noch am selben Abend die Tickets bezahlen, da das Konzert bereits am Wochenende war und es fuhr kein Bus mehr) in Kumamoto zum Seven Eleven gelaufen ist und unsere Tickets abgeholt und bezahlt hat. Yoko würde am nächsten Tag nach Kumamoto fahren (hatte sie eh vor. Ich hoffe, dass das auch der Fall war und sie das nicht nur aus der übertriebenen japanischen Höflichkeit heraus getan hat :D) und die Tickets bei ihrer Mutter abholen. Hat auch alles super geklappt und Hong und ich waren stolze UVERworld-Konzerttickets-Inhaber.

Den Freitag in Oita haben wir voll ausgenutzt und sind bereits etwas früher mit dem Zug gefahren, um dort shoppen zu können. Außerdem musste Hong unbedingt noch zum Friseur (ich habe mich tapfer zurück gehalten). Hiroya und eine Freundin von ihm sind erst später nach Oita gekommen und haben uns beim Friseur eingesammelt (Sie haben ihre Tickets natürlich bereits seit einem halbem Jahr und dementsprechend weniger bezahlt). Dann sind wir gemeinsam zur Konzerthalle gefahren, haben uns in eine ellenlange Schlange gestellt und darauf gewartet, dass die Tore geöffnet werden. In der Halle haben wir uns zunächst mit Fanartikeln (ich habe mir ein T-Shirt gekauft, obwohl ich die Band noch nie zuvor gehört habe und gar nicht wusste, ob sie mir gefallen würde). Aber was sein muss, muss sein. Und wer ein richtiger Japaner ist, kauft massenweise Souvenirs :D

Die Band war überraschend gut und die Musik hat mir sehr gut gefallen. Allerdings waren Hong und ich ein wenig von dem japanischem Verständnis eines Rockkonzerts verwirrt. Es gab nummerierte Sitzplätze und viele Fans sind direkt nach der Schule in ihrer Schuluniform gekommen oder haben sich diese Hawaiiplastikblumenketten um den Hals gehängt. Manche sind sogar im Häschenkostüm gekommen. Richtig abgerockt wurde dann auch nicht. Zwar wurde aus vollem Hals so schrill geschrieen, dass mir fast das Trommelfell geplatzt wäre, allerdings hat sich das mehr wie auf ner Achterbahn angehört. Die Fans sind auch von ihren Sitzplätzen aufgestanden, aber sie haben sich alle im Einheitstakt bewegt und eine sehr langsame monotone Handbewegung vollzogen, die sich auch bei wechselndem Rhythmus der Lieder nicht geändert hat.

Alles in allem bin ich echt froh, dass ich das überteuerte Ticket gekauft habe und dass Hong mich begleitet hat. Ansonsten wäre ich mir vielleicht etwas einsam vorgekommen (auch gerade weil Hong und ich die einzigen Nicht-Japaner waren). Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und ich empfehle jedem, der auch mal das Japan neben den Touristenwegen kennen lernen möchte und nicht allzu empfindlich in Sachen Musikgeschmack ist, das gleiche zu tun!

Dienstag, 23. Februar 2010

African Safari

Quaterbreak! Endlich Entspannung und Ruhe. Die meisten Austauschstudenten haben kleinere Reisen in Japan geplant und auch ich überlegte, ob und wohin ich fahren könnte. Allerdings war ich auch ganz schön k.o. von den letzten Wochen und ein verlängertes Wochenende relativ einsam im AP House erschien mir auf einmal besonders reizvoll. Einfach mal die Seele baumeln lassen, ganz ohne gesellschaftlich verpflichtende Veranstaltungen :P

Am 23.11. hat es jedoch auch gereicht mit Seele baumeln lassen. Kurz entschlossen bin ich mit Hong, Hiroya und Timo nach Afrika gefahren.

Afrika, oh Afrika! Was zur Hölle machst du in Beppu? Seltsam, aber wahr. Nur ein paar Kilometer von meiner Uni entfernt, können reiselustige Japaner (und wir!) die wunderbare Tierwelt Afrikas bewundern. Früh morgens haben wir uns auf die weite Busreise (10 Minuten) nach Afrika begeben.

Die Safaritour haben wir in einem vergitterten Rhinozerosbus verbracht. Jeder hatte zu Beginn eine Boy mit Fleischbrocken und Trockenfutter, eine Schere zum Zerkleinern des Fleisches und eine Zange zum Füttern bekommen. Moment. Füttern? Muss ich dazu etwa die Handschuhe ausziehen? Nie im Leben! Meine Zehen konnte ich schon seit geschlagenen 10 Minuten nicht mehr spüren, meine Finger wollte ich allerdings gerne behalten. Ging aber zum Glück auch mit Handschuhen und ich konnte die Tiere mit weiterer Nahrung für ihr Winterfell versorgen. Das konnten sie hier nämlich tatsächlich gebrauchen.

Neben Bären, Löwen, Giraffen, Elefanten, Nashörnern und so weiter und so fort kamen wir dann auch tatsächlich in den Genuss eines bayrischen Gasthauses mit schallender Alpenmusik. Das Menü: Hot Dog, Hamburger, Pizza...

Also, ein bayrisches Gasthaus + Alpenmusik + amerikanisches Fastfood + afrikanische Tiere, das war uns dann doch ein bisschen zu viel. Schnell traten wir die Heimreise an. Hat sich aber gelohnt! ^^

Sonntag, 31. Januar 2010

Tokyo

Endlich war es soweit! Die kleine Eva erkundet die große Stadt!

Der DAAD hatte alle Stipendiaten zu einem Einführungsseminar in Tokyo geladen. Dort teilt sich der DAAD zusammen mit dem Goethe-Institut, dem deutschen Tourismusbüro und einem deutschen Arzt das Gebäude, weswegen wir sobald wir das Haus betraten von einer uns doch recht bekannten Sprache begrüßt wurden. Auch mal wieder ganz angenehm.

Am Freitag, den 30.10., wurde uns dort also Grundsätzliches beigebracht. Wir haben uns alle gegenseitig vorgestellt, haben ein bisschen was über den DAAD und seine Arbeit gelernt, haben noch mal die Regeln erklärt bekommen und uns bei der Deutschen Botschaft in die Deutschenliste eingetragen. Das beste war jedoch, dass es am Abend einen Empfang namens „Butterbrot und Bier“ gab. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wir uns alle auf das Brot gestürzt haben. Ja, richtiges Brot. Nicht dieses wabbelige Zeugs, was sie uns hier als Brot verkaufen wollen. Und Käse. Richtigen Käse. Und Wurst. Und kleine Gürkchen. Alles drum und dran also ein Schnittchenbuffet, welches ich in Deutschland als sehr spießig und ein bisschen geizig abgetan hätte. In Japan ist das allerdings alles andere als geizig, denn ein winziges Laib Brot kostet hier umgerechnet 7-8 Euro. Und glaubt mir, wir haben eine Menge verputzt. Wie die Mähdrescher sind wir darüber hergefallen und haben uns gegenseitig immer wieder erzählt, wie sehr wir das vermissen. Eigentlich kann ich froh sein, dass ich in Beppu gar nicht erst die Möglichkeit habe richtiges Brot zu kaufen. Würde ich in Tokyo wohne, hätte ich ein halbes Vermögen dafür ausgegeben. Nach einer gewissen Zeit ist es einem nämlich sch...egal wie teuer es ist. Genauso ging es mir nämlich mit Nutella, welches ich in der exotischen Abteilung des exquisitesten Supermarktes gefunden habe. Nachdem ich mehrere japanische Sorten ausprobiert habe, die man aber allesamt in die Tonne kloppen kann (und bei Nutella bin ich echt nicht pingelig), habe ich gar nicht erst auf den Preis geguckt. Ich musste es haben!

Gut, soviel zum Essen. Ich könnte euch jetzt noch mehrere Seite beschreiben, wie lecker eigentlich Brot ist und wie sehr ich mich darüber gefreut habe, aber dann würdet ihr mich wohl allesamt für verrückt erklären :D Also, wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, wenn ich wiederkomme. Schönes frisches Roggenbrot direkt vom Bäcker. Vollkornbrot bekomme ich ja glücklicherweise schon regelmäßig mit der Post (Danke Mama, Peke und Oma!), aber Roggenbrot... Hm... Da läuft mir glatt das Wasser im Mund zusammen.

Oh, mir ist gerade aufgefallen, dass ich schon wieder übers Essen schreibe. Wollte doch damit aufhören :D A

Also gut, Timo und ich nutzen die Gelegenheit des kostenlosen Tokyotrips und machten aus dem Freitag ein verlängertes Wochenende in Japans Hauptstadt. Akiko, eine Freundin von Timo, die ebenfalls ein Stipendium beim DAAD bekommen hat, hat sich netterweise den Samstag frei genommen und uns in Tokyo herumgeführt.

Wir begannen unsere kleine Tour in Shibuya, dem In-Viertel Tokyos. Shibuya wird auf sakariba (Partystadt) genannt und dementsprechend bunt ist dieses Stadtviertel auch. Besonders in Sachen Mode, Essen und Musik ist man hier genau richtig. Wir trafen uns mit Akiko vor der Statue von Hachinko. Hachinko ist ein Hund, der nach dem Tod seines Herrn zehn Jahre jeden Abend an der Haltestelle auf ihn wartete. Bekannt ist auch die große Kreuzung in Shibuya, die in mehreren Filmen über Tokyo vorkommt. Sie ist wirklich sehr interessant. Es gehen nicht nur Zebrastreifen von einer Straßenseite zur anderen, sondern auch quer über Straße. Aus diesem Grund werden alle Ampeln auf einmal rot und kein Auto kann die Kreuzung mehr befahren, wenn die Massen an Fußgängern erst mal loslegen. Es ist wirklich sehr beeindruckend und ich wäre am liebsten den ganzen Vormittag über diese Kreuzung gelaufen :D Jetzt verstehe ich auch, warum in Murakamis Büchern sich die Hauptdarsteller oft tagelang an die großen Kreuzungen in Shibuya, Shinjuku oder Ginza setzen, nur um dort Menschen zu beobachten. Es hat wirklich etwas sehr beruhigendes in einer Stadt, wo sich alles ständig bewegt und nichts still steht.

Achja, vielleicht sollte ich euch erst etwas über die Struktur Tokyos erzählen, bevor ich hier mit den Namen der Stadtvierteln um mich herum schmeiße :D

Man kann Tokyo grundsätzlich in drei Gebiete einteilen: Norden, Zentrum und Westen. Das Zentrum Tokyos ist Ginza, das Geschäftsviertel. Da es jedoch so groß ist, wird es in mehrere kleine Bezirke eingeteilt, wie zum Beispiel den Akihabara-Elektronik-Bezirk oder den Jinbocho-Buchhändler-Bezirk. In Ginza gibt es sehr viele Kaufhäuser (eher der edleren Sorte), Theater und Museen. Aus vielen Filmen sollte auch die Ginza-Yon-chome-Kreuzung mit dem San’ai-Gebäude (das mit der riesigen Cola-Werbung) bekannt sein.

Der Norden Tokyos wird hauptsächlich durch den riesigen Ueno-Park geprägt (das Stadtviertel wird auch Ueno genannt). Wie Ginza ist auch Ueno in mehrere Bezirke eingeteilt. In diesem Stadtviertel kann man sehr schöne Tempel und Schreine besichtigen und es beherbergt auch das Nationalmuseum Tokyos (sehr schön im Park gelegen).

Der Westen Tokyos besteht aus den beiden Vierteln Shinjuku und Shibuya. Von diesen Viertel wird oft behauptet, dass sie nur miteinander existieren können, was tatsächlich auch stimmt. Shinjuku ist tagsüber sehr belebt, da es viele Büros und Regierungsgebäude beherbergt. Nach Feierabend jedoch, ist es wie leer gefegt und die ganzen Geschäftsleute drängen nach Shibuya, um den Tag zu begießen ^^.

Im Westen liegen übrigens auch Roppongi, das Ausländerviertel, und Asakusa, wo wir unsere Nachstätte aufgeschlagen hatten ;).

So, zurück zu unserer Tour. Akiko hat uns in Shinjuku also die ganzen hippen Kaufhäuser gezeigt, einen sehr sehr großen Plattenladen und den Disney-Store :D

Von Shibuya aus sind wir nach Shinjuku gependelt, wo wir uns einige beeindruckende Shoppingstraßen angeschaut haben. Der eigentlich Grund, der uns jedoch in dieses Stadtviertel getrieben hat war der Meiji-Schrein (Meiji Jingu). Dies ist Tokyos wichtigster Shinto-Schrein und stammt aus dem Jahr 1920. Hier sind Kaiser Meiji und seine Frau bestattet. Der Schrein wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1958 mit Hilfe von Privatspenden wieder aufgebaut. An Neujahr pilgern über 3 Millionen Personen zum Meiji-Schrein, um dort zu beten und Glücksbringer für das neue Jahr zu kaufen. Der Schrein liegt in einem großen Park (oder besser gesagt, ein riesiges Waldgebiet). Es ist wirklich lustig, wie man von einer Sekunde zur nächsten auf einmal vom Trubel der Großstadt in die Stille des Waldes kommt. Wirklich sehr angenehm. In diesem Moment, habe ich übrigens beschlossen, dass wenn ich mal in einer Millionenmetropole leben muss, dann in Tokyo. In keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Waldflächen und Parkanlagen gesehen. Münchens „Englischer Garten“ oder Berlins „Zoologischer Garten“ sind nichts dagegen ;)

Nachdem wir die Stille am Schrein genossen haben, sind wir weiter in Richtung des Rathauses gegangen. Das Rathaus Tokyos ist sehr berühmt, da es aus zwei riesigen Zwillingstürmen besteht. Die obersten Stockwerke sind für Besucher geöffnet und ich habe versucht von hier aus den Stadtrand Tokyos auszumachen. Ein unmögliches Unternehmen. Außerdem heißt es, dass man bei schönem Wetter den Fuji-san von hier aus sehen kann, aber das ist nur sehr selten der Fall und wie die meisten Besucher, hatten auch wir Pech und konnten den Berg nirgendwo entdecken...

Am Abend sind wir durch Ginza zur Tokyo-Bay gefahren. Dort haben wir gegessen und den Tag ausklingen lassen. Die Tokyo-Bay ist wirklich einzigartig und sehr schwer zu beschreiben. Hier gibt es alles. Von der Freiheitsstatue, über einen künstlichen Strand bis hin zur Regenbogenbrücke, die aufgrund der bunten Beleuchtung so genannt wird.

Zum Abschluss möchte ich euch nur noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg geben: Auf Grund der vielen bunten Lichter in Tokyo, kann man hier übrigens nie die Sterne am Himmel sehen.

Mittwoch, 13. Januar 2010

akemashiteomedetougozaimasu

あけましておめでとうございます。
Frohes Neues!

Ich weiß, es ist ein bisschen spät, aber besser spät als gar nicht :D