Endlich war es soweit! Die kleine Eva erkundet die große Stadt! Der DAAD hatte alle Stipendiaten zu einem Einführungsseminar in Tokyo geladen. Dort teilt sich der DAAD zusammen mit dem Goethe-Institut, dem deutschen Tourismusbüro und einem deutschen Arzt das Gebäude, weswegen wir sobald wir das Haus betraten von einer uns doch recht bekannten Sprache begrüßt wurden. Auch mal wieder ganz angenehm.
Am Freitag, den 30.10., wurde uns dort also Grundsätzliches beigebracht. Wir haben uns alle gegenseitig vorgestellt, haben ein bisschen was über den DAAD und seine Arbeit gelernt, haben noch mal die Regeln erklärt bekommen und uns bei der Deutschen Botschaft in die Deutschenliste eingetragen. Das beste war jedoch, dass es am Abend einen Empfang namens „Butterbrot und Bier“ gab. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wir uns alle auf das Brot gestürzt haben. Ja, richtiges Brot. Nicht dieses wabbelige Zeugs, was sie uns hier als Brot verkaufen wollen. Und Käse. Richtigen Käse. Und Wurst. Und kleine Gürkchen. Alles drum und dran also ein Schnittchenbuffet, welches ich in Deutschland als sehr spießig und ein bisschen geizig abgetan hätte. In Japan ist das allerdings alles andere als geizig, denn ein winziges Laib Brot kostet hier umgerechnet 7-8 Euro. Und glaubt mir, wir haben eine Menge verputzt. Wie die Mähdrescher sind wir darüber hergefallen und haben uns gegenseitig immer wieder erzählt, wie sehr wir das vermissen. Eigentlich kann ich froh sein, dass ich in Beppu gar nicht erst die Möglichkeit habe richtiges Brot zu kaufen. Würde ich in Tokyo wohne, hätte ich ein halbes Vermögen dafür ausgegeben. Nach einer gewissen Zeit ist es einem nämlich sch...egal wie teuer es ist. Genauso ging es mir nämlich mit Nutella, welches ich in der exotischen Abteilung des exquisitesten Supermarktes gefunden habe. Nachdem ich mehrere japanische Sorten ausprobiert habe, die man aber allesamt in die Tonne kloppen kann (und bei Nutella bin ich echt nicht pingelig), habe ich gar nicht erst auf den Preis geguckt. Ich musste es haben!
Gut, soviel zum Essen. Ich könnte euch jetzt noch mehrere Seite beschreiben, wie lecker eigentlich Brot ist und wie sehr ich mich darüber gefreut habe, aber dann würdet ihr mich wohl allesamt für verrückt erklären :D Also, wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, wenn ich wiederkomme. Schönes frisches Roggenbrot direkt vom Bäcker. Vollkornbrot bekomme ich ja glücklicherweise schon regelmäßig mit der Post (Danke Mama, Peke und Oma!), aber Roggenbrot... Hm... Da läuft mir glatt das Wasser im Mund zusammen.
Oh, mir ist gerade aufgefallen, dass ich schon wieder übers Essen schreibe. Wollte doch damit aufhören :D A
Also gut, Timo und ich nutzen die Gelegenheit des kostenlosen Tokyotrips und machten aus dem Freitag ein verlängertes Wochenende in Japans Hauptstadt. Akiko, eine Freundin von Timo, die ebenfalls ein Stipendium beim DAAD bekommen hat, hat sich netterweise den Samstag frei genommen und uns in Tokyo herumgeführt.
Wir begannen
unsere kleine Tour in Shibuya, dem In-Viertel Tokyos. Shibuya wird auf sakariba (Partystadt) genannt und dementsprechend bunt ist dieses Stadtviertel auch. Besonders in Sachen Mode, Essen und Musik ist man hier genau richtig. Wir trafen uns mit Akiko vor der Statue von Hachinko. Hachinko ist ein Hund, der nach dem Tod seines Herrn zehn Jahre jeden Abend an der Haltestelle auf ihn wartete. Bekannt ist auch die große Kreuzung in Shibuya, die in mehreren Filmen über Tokyo vorkommt. Sie ist wirklich sehr interessant. Es gehen nicht nur Zebrastreifen von einer Straßenseite zur anderen, sondern auch quer über Straße. Aus diesem Grund werden alle Ampeln auf einmal rot und kein Auto kann die Kreuzung mehr befahren, wenn die Massen an Fußgängern erst mal loslegen. Es ist wirklich sehr beeindruckend und ich wäre am liebsten den ganzen Vormittag über diese Kreuzung gelaufen :D Jetzt verstehe ich auch, warum in Murakamis Büchern sich die Hauptdarsteller oft tagelang an die großen Kreuzungen in Shibuya, Shinjuku oder
Ginza setzen, nur um dort Menschen zu beobachten. Es hat wirklich etwas sehr beruhigendes in einer Stadt, wo sich alles ständig bewegt und nichts still steht.
Achja, vielleicht sollte ich euch erst etwas über die Struktur Tokyos erzählen, bevor ich hier mit den Namen der Stadtvierteln um mich herum schmeiße :D
Man kann Tokyo grundsätzlich in drei Gebiete einteilen: Norden, Zentrum und Westen. Das Zentrum Tokyos ist Ginza, das Geschäftsviertel. Da es jedoch so groß ist, wird es in mehrere kleine Bezirke eingeteilt, wie zum Beispiel den Akihabara-Elektronik-Bezirk oder den Jinbocho-Buchhändler-Bezirk. In Ginza gibt es sehr viele Kaufhäuser (eher der edleren Sorte), Theater und Museen. Aus vielen Filmen sollte auch die Ginza-Yon-chome-Kreuzung mit dem San’ai-Gebäude (das mit der riesigen Cola-Werbung) bekannt sein.
Der Norden Tokyos wird hauptsächlich durch den riesigen Ueno-Park geprägt (das Stadtviertel wird auch Ueno genannt). Wie Ginza ist auch Ueno in mehrere Bezirke eingeteilt. In diesem Stadtviertel kann man sehr schöne Tempel und Schreine besichtigen und es beherbergt auch das Nationalmuseum Tokyos (sehr schön im Park gelegen).
Der Westen Tokyos besteht aus den beiden Vierteln Shinjuku und Shibuya. Von diesen Viertel wird oft behauptet, dass sie nur miteinander existieren können, was tatsächlich auch stimmt. Shinjuku ist tagsüber sehr belebt, da es viele Büros und Regierungsgebäude beherbergt. Nach Feierabend jedoch, ist es wie leer gefegt und die ganzen Geschäftsleute drängen nach Shibuya, um den Tag zu begießen ^^.
Im Westen liegen übrigens auch Roppongi, das Ausländerviertel, und Asakusa, wo wir unsere Nachstätte aufgeschlagen hatten ;).
So, zurück zu unserer Tour. Akiko hat uns in Shinjuku also die ganzen hippen Kaufhäuser gezeigt, einen sehr sehr großen Plattenladen und den Disney-Store :D
Von Shibuya aus sind wir nach Shinjuku gependelt, wo wir uns einige beeindruckende Shoppingstraßen angeschaut haben. Der eigentlich Grund, der uns jedoch in dieses Stadtviertel getrieben hat war der Meiji-Schrein (Meiji Jingu). Dies ist Tokyos wichtigster Shin
to-Schrein und stammt aus dem Jahr 1920. Hier sind Kaiser Meiji und seine Frau bestattet. Der Schrein wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1958 mit Hilfe von Privatspenden wieder aufgebaut. An Neujahr pilgern über 3 Millionen Personen zum Meiji-Schrein, um dort zu beten und Glücksbringer für das neue Jahr zu kaufen. Der Schrein liegt in einem großen Park (oder besser gesagt, ein ri
esiges Waldgebiet). Es ist wirklich lustig, wie man von einer Sekunde zur nächsten auf einmal vom Trubel der Großstadt in die Stille des Waldes kommt. Wirklich sehr angenehm. In diesem Moment, habe ich übrigens beschlossen, dass wenn ich mal in einer Millionenmetropole leben muss, dann in Tokyo. In keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Waldflächen und Parkanlagen gesehen. Münchens „Englischer Garten“ oder Berlins „Zoologischer Garten“ sind
nichts dagegen ;)
Nachdem wir die Stille am Schrein genossen haben, sind wir weiter in Richtung des Rathauses gegangen. Das Rathaus Tokyos ist sehr berühmt, da es aus zwei riesigen Zwillingstürmen besteht. Die obersten Stockwerke sind für Besucher geöffnet und ich habe versucht von hier aus den Stadtrand Tokyos auszumachen. Ein unmögliches Unternehmen. Außerdem heißt es, dass man bei schönem Wetter den Fuji-san von hier aus sehen kann, a
ber das ist nur sehr selten der Fall und wie die meisten Besucher, hatten auch wir Pech und konnten den Berg nirgendwo entdecken...
Am Abend sind wir durch Ginza zur Tokyo-Bay gefahren. Dort haben wir gegessen und den Tag ausklingen lassen. Die Tokyo-Bay ist wirklich einzigartig und sehr schwer zu beschreiben. Hier gibt es alles. Von
der Freiheitsstatue, über einen künstlichen Strand bis hin zur Regenbogenbrücke, die aufgrund der bunten Beleuchtung so genannt wird.
Zum Abschluss möchte ich euch nur noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg geben: Auf Grund der vielen bunten Lichter in Tokyo, kann man hier übrigens nie die Sterne am Himmel sehen.