Bereits vor meiner Abfahrt nach Japan habe ich beschlossen, auf jeden Fall auf ein Konzert einer Japanischen Band zu gehen. Doch dieses Vorhaben hat sich als eines der schwersten Überhaupt herausgestellt. In Japan werden die Eintrittskarten für ein Konzert nämlich bereits ein halbes Jahr im Voraus verkauft. Und dann auch nur zwei Wochen lang. Wenn man diese Frist verpasst (was bei mir aus offensichtlichen Gründen der Fall war) ist es schwierig überhaupt noch an Karten heranzukommen. Außerdem findet der durchschnittliche Europäer mit eher mäßigen Japanischkenntnissen im Internet keine Informationen zu Tourdaten (die Band war mir ja sogar weitestgehend egal :P). Zum Glück hatte ich jedoch Hong, die ebenfalls auf ein Konzert gehen wollte. Sie hat von Hiroya, ihrem japanischen Musikfanatischem Freund, erfahren, dass am 27.11.2009 ein Rockkonzert der Band UVERworld (sucht es einfach mal bei YouTube) in unserer Nachbarstadt Oita stattfand. Schnell durchforsteten wir also das Internet auf der Suche nach Karten. Durch das oben bereits erwähnte Ticket-Verkaufssystem, verbrachten wir jedoch Stunden vor dem PC. Vor allem, da wir gerne zwei zusammenhängende Plätze haben wollten. Schließlich haben wir Tickets gefunden. Recht weit vorne sogar. Allerdings kosteten sie statt dem regulärem Preis von 5.500 Yen bereits 7.500 Yen und der Preis stieg weiter an. Doch wann haben wir schon mal wieder die Chance eine japanische Rockband live zu sehen? Also haben wir schnell zugeschlagen. Können ja bestimmt mit Kreditkarte bezahlen und die schicken uns die Tickets dann per Mail zu, so dass wir sie nur noch ausdrucken müssen, dachten wir uns. Ist schließlich über all auf der Welt so. Zu mindestens in Singapur und Deutschland, da waren wir uns sicher :D Aber natürlich nicht in Japan. Hier mussten wir in einen kombini (convenience store, wie z.B. Seven Eleven) gehen, dort an der Kasse bezahlen und dann würden wir die Tickets erhalten. Was soll das denn? Das Konzert war schon am nächsten Wochenende und wir konnten unmöglich so schnell in einen kombini gehen (ehrlich gesagt habe ich die Gründe bereits vergessen, aber ich bin sicher, dass es uns unmöglich war, auch wenn das jetzt ein bisschen seltsam klingt :D). Zum Glück hatten wir bereits Yoko, meine Zimmernachbarin, um Hilfe gebeten, da die Homepage, wo wir die Tickets kaufen konnten nur auf Japanisch zur Verfügung stand. Yoko hat also kurzerhand ihre Mutter angerufen, die schnell (achja, jetzt fällt es mir wieder ein. Wir mussten noch am selben Abend die Tickets bezahlen, da das Konzert bereits am Wochenende war und es fuhr kein Bus mehr) in Kumamoto zum Seven Eleven gelaufen ist und unsere Tickets abgeholt und bezahlt hat. Yoko würde am nächsten Tag nach Kumamoto fahren (hatte sie eh vor. Ich hoffe, dass das auch der Fall war und sie das nicht nur aus der übertriebenen japanischen Höflichkeit heraus getan hat :D) und die Tickets bei ihrer Mutter abholen. Hat auch alles super geklappt und Hong und ich waren stolze UVERworld-Konzerttickets-Inhaber.
Den Freitag in Oita haben wir voll ausgenutzt und sind bereits etwas früher mit dem Zug gefahren, um dort shoppen zu können. Außerdem musste Hong unbedingt noch zum Friseur (ich habe mich tapfer zurück gehalten). Hiroya und eine Freundin von ihm sind erst später nach Oita gekommen und haben uns beim Friseur eingesammelt (Sie haben ihre Tickets natürlich bereits seit einem halbem Jahr und dementsprechend weniger bezahlt). Dann sind wir gemeinsam zur Konzerthalle gefahren, haben uns in eine ellenlange Schlange gestellt und darauf gewartet, dass die Tore geöffnet werden. In der Halle haben wir uns zunächst mit Fanartikeln (ich habe mir ein T-Shirt gekauft, obwohl ich die Band noch nie zuvor gehört habe und gar nicht wusste, ob sie mir gefallen würde). Aber was sein muss, muss sein. Und wer ein richtiger Japaner ist, kauft massenweise Souvenirs :D
Die Band war überraschend gut und die Musik hat mir sehr gut gefallen. Allerdings waren Hong und ich ein wenig von dem japanischem Verständnis eines Rockkonzerts verwirrt. Es gab nummerierte Sitzplätze und viele Fans sind direkt nach der Schule in ihrer Schuluniform gekommen oder haben sich diese Hawaiiplastikblumenketten um den Hals gehängt. Manche sind sogar im Häschenkostüm gekommen. Richtig abgerockt wurde dann auch nicht. Zwar wurde aus vollem Hals so schrill geschrieen, dass mir fast das Trommelfell geplatzt wäre, allerdings hat sich das mehr wie auf ner Achterbahn angehört. Die Fans sind auch von ihren Sitzplätzen aufgestanden, aber sie haben sich alle im Einheitstakt bewegt und eine sehr langsame monotone Handbewegung vollzogen, die sich auch bei wechselndem Rhythmus der Lieder nicht geändert hat.
Alles in allem bin ich echt froh, dass ich das überteuerte Ticket gekauft habe und dass Hong mich begleitet hat. Ansonsten wäre ich mir vielleicht etwas einsam vorgekommen (auch gerade weil Hong und ich die einzigen Nicht-Japaner waren). Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und ich empfehle jedem, der auch mal das Japan neben den Touristenwegen kennen lernen möchte und nicht allzu empfindlich in Sachen Musikgeschmack ist, das gleiche zu tun!
haha .. ich wusste gar nicht, dass man auf japanisch auch rocken kann. erinnern mich stark an hoobastank! :)
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