Da Japan ein anderes Mobilfunknetzwerk oder so hat (technische Details erfahrt ihr von mir nicht :D) funktioniert mein deutsches Handy hier nicht. Kein Problem dachte ich mir. Ich kann ja mir ja ein Prepaid Handy in Japan kaufen. Ist ohnehin billiger. Tja, ist leider doch ein Problem. Denn um hier ein Handy zu kaufen (egal ob Prepaid oder mit Vertrag) muss man sich zunächst als Alien registrieren und dann braucht man noch einen Inkan (einen Namensstempel, der hier in Japan die meisten Unterschriften ersetzt). Ich habe also sofort einen Inkan mit meinem Namen darauf bestellt. Allerdings passte mein Nachname nicht mehr mit drauf, weswegen auf meinem Inkan nur エヴァ steht. Wenn auf meinem Stempel nur der Vorname steht, wie soll er dann meine Unterschrift ersetzen? Außerdem befürchte ich, dass es selbst in Japan mehrere Evas gibt...
Eine Woche später bekam ich meinen Inkan und einen Zettel, der bestätigte, dass ich mich als Alien registrieren lassen habe und bin überglücklich mit Hong in die Stadt gefahren, um mir die grenzenlose Freiheit eines Mobiltelefons zu gönnen. Leider habe ich es mir auch diesmal wieder viel zu einfach vorgestellt. Erstens, es gibt nur ein einziges Handymodell, das man mit einer Prepaidkarte benutzen kann. Zweitens, von diesem Modell hatten die netten Damen und Herren nur ein Gerät vorrätig. Aber das war noch nicht der Höhepunkt, denn leider gelten wir noch nicht als vollständige Menschen, solange unsere Alien Registration noch nicht im System erfasst ist. Leider sind die japanischen Behörden nicht die schnellsten und so hatten wir zwar die Bestätigung, dass wir registriert sind, aber im System waren wir leider noch nicht. Tja, kein Handykauf möglich. Ich war den Tränen nahe, ehrlich. Vier Wochen ohne Handy haben mir wirklich gezeigt, wie abhängig wir (also gerade die Jugend, zu der ich mich noch zähle) von diesem kleinen Gerät sind. So habe ich zum Beispiel des öfteren stundenlang an einem Treffpunkt gewartet ohne zu wissen, ob ich an der falschen Stelle warte, ob es ein Missverständnis mit der Zeit gab oder ob derjenige überhaupt kommt. Kurzfristige, spontane Verabredungen waren auch nicht möglich. Ich habe mich wirklich total abgeschirmt gefühlt. Traurig, aber wahr. Hong war auf jeden Fall auch sehr enttäuscht, dass sie kein Handy kaufen konnte und bat ihren japanischen Freund, das Handy für sie zu kaufen. Das war wiederum kein Problem, denn er war ja wie gesagt Japaner. Hong verließ die Stadt also überglücklich mit einem Mobiltelefon und ich kaufte mir eine Menge Eiscreme. Drei weitere Wochen bis meine Alien Registration durch sein wird. Drei weitere Wochen ohne Handy. Das werde ich nicht überleben, dachte ich mir.
Und wer kennt mich nicht am besten, wenn nicht ich selbst? Natürlich habe ich diese drei Wochen nicht ausgehalten. Voller Verzweiflung habe ich Remi, eine Japanerin, die mit mir International Management studiert, angefleht das Handy für mich zu kaufen. Und da Japaner ja bekanntlich keine Bitte abschlagen können, verabredeten wir uns für den nächsten Tag. Erneut stand ich in dem Laden mit erwartungsvoll glitzernden Augen. Doch es schien Probleme zu geben. Remi redete nervös (oder hörte sich das nur für mich so an) auf die Verkäuferin ein und diese verschwand im Lager. Ah, doch keine Probleme, denn kurze Zeit später kam sie mit einem Handy – mit MEINEM Handy – wieder zurück. „Du hast Glück gehabt“, erklärt mir Remi. „Das ist das letzte Handy.“ Ich fing an zu lachen. War das so eine Art Geschäftspolitik, dass sie immer nur ein Gerät vorrätig hatten oder war dieses Handy so beliebt? Kurze Zeit später (ungefähr 2 Stunden, denn es musste eine Menge Papierkram erledigt werden) hielt ich mein japanisches Handy in den Händen. Ich kann euch sagen, dass war bisher der glücklichste Tag in Japan.
Übrigens kann ich jetzt für lächerliche 300 Yen im Monat (so ca. 2,50 €) kostenlos Emails verschicken. Ihr müsst nämlich wissen, dass in Japan jedes Handy eine separate Email-Adresse hat und somit Mails senden und empfangen kann. Wie geil ist das denn?! Handys in Japan sind sowieso nicht zu vergleichen mit Handys aus anderen Ländern. Japanische Handys sind so fortschrittlich, dass sie als Universalfernbedingung einsetzbar sind (man kann also zum Beispiel den Fernseher damit an- und ausschalten), dass man Fernsehsendungen auf ihnen empfangen kann (und in was für einer Qualität... WOW) und noch vieles mehr. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum das I-Phone hier in Japan ziemlich gefloppt ist. Ein andere Grund ist, dass es keine Öse hat, so dass man kein Gebimmel daran befestigen kann. Und Japaner lieben Gebimmel an ihrem Handy. Die meisten haben sogar riesige Kuscheltiere an ihrem Handy baumeln, oder besser gesagt, das Handy an ihrem Kuscheltier :D
Folglich war meine erste Mission natürlich, dieses kleine nackte Gerät möglichst schnell zu schmücken und somit zu einem richtigen japanischen Handy zu machen. Also kaufte ich Sticker (ich konnte mich gerade so zurückhalten, eine Menge Geld für grässliche Glitzersticker, die übrigens sehr beliebt sind, auszugeben) und eine Hello Kitty Geisha mit Glöckchen. Gefällt es euch?
Wie geil ist das denn?! Evaaaaaaaaa, du musst mir aus Japan diese Sticker und so'n Anhänger unbedingt mitnehmen....;o) Riesen Knutschaaaaaaz nach Japan! :o*
AntwortenLöschenDie Kleine Merve ;o)