Donnerstag, 5. November 2009

Wetter


Hallo ihr Lieben! Ich weiß, dass ich mit meinem Blog ganz schön hinterher hänge, aber ich versuche trotzdem alles chronologisch zu erzählen, auch wenn die Ereignisse schon über einen Monat zurückliegen ;)

Es tut mir wirklich Leid, dass ich es nicht schaffe, regelmäßiger zu schreiben, aber die Japaner sind wirklich ein bisschen krank. Hier werden so viele Hausaufgaben, Reporte, Hausarbeiten, Präsentationen usw. aufgegeben, dass man einfach nicht dazu kommt, irgendetwas anderes zu tun. Nicht dass die Aufgaben sehr anspruchsvoll oder anstrengend wären, sie nehmen einfach nur verdammt viel Zeit in Anspruch. So viel Zeit, dass die meisten Japaner bis 4 Uhr morgens an ihren Hausaufgaben sitzen, sich total verschlafen am nächsten Morgen in die Vorlesungen schleppen (denn es gibt ja schließlich Noten auf die Anwesenheit!), in den Vorlesungen dann aber Reihenweise einpennen (sich aber trotzdem in die erste Reihe setzen und gemütlich vor sich hin schnurcheln), so dass sie zu Hause noch mehr Stoff nachholen müssen. Es ist ein Teufelskreis, echt unglaublich :D Ich versuche, mich diesem Kreislauf zu entziehen, muss aber eingestehen, dass ich hier auch jeden Tag bis 2 Uhr Nachts wach bin, was in Deutschland unmöglich wäre, nicht Peke? Ein Glück, dass ich jeden Mittwoch frei habe und Montags und Donnerstags erst spät in die Uni muss. So kann ich wenigstens dann genug Schlaf nachholen.

So, genug über meine Schlafgewohnheiten, ich habe dieses Mal ein viel interessanteres Thema parat. Das Wetter! Ja, das Wetter ist übrigens eines der Lieblingsthemen der Japaner, neben dem Essen und in welchen Ländern man schon war und wie viele Sprachen man sprechen kann. Das Wetter hier in Beppu ist sehr gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz zu Deutschland ist es noch angenehm warm und die kleinen Japanerinnen laufen immer noch fleißig in ihren sehr sehr kurzen Röckchen rum (wobei ich bezweifele, dass sich das ändern wird, wenn es kälter wird). Da unsere Uni aber in der Einöde, ganz oben auf dem Berg ist, haben wir meistens das Pech, dass zwar die Sonne scheint, aber es so windig ist, dass sich die eigentlich 25 Grad wie –2 Grad anfühlen :D Nein, nicht ganz so schlimm, aber schon ein krasser Unterschied. Außerdem muss man bei der Klamottenauswahl berücksichtigen, was man den Tag über noch vor hat, wenn man sich nicht tausendmal umziehen möchte. Denn beschließt man etwa nach Beppu zu fahren, um Lebensmittel einzukaufen, sollte man sich nicht zu warm anziehen. Da die Stadt durch die sie umgebenden Berge geschützt vor Wind ist, ist es in Beppu im Vergleich zu meiner Uni verdammt warm und man schwitzt wie verrückt, sollte man trotzdem in warmen Klamotten runter fahren. Einmal und nie wieder, sage ich euch!

Ein weiteres Element des japanischen Wetters ist Regen. Es regnet nicht häufig, aber wenn es regnet, dann gleich mehrere Tage durch und verdammt viel. Ich frage mich, ob das auch daran liegt, dass wir auf einem Berg wohnen, oder ob das in ganz Japan so ist. Außerdem kommen wir hier ebenfalls sehr oft in den Genuss von Nebel. Dieser Nebel ist dann allerdings so dicht, dass man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Echt beeindruckend. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit dann so hoch, dass ich regelmäßig mit einer Lockenfrisur nach Hause komme :D

Kommen wir zu dem nächsten Wetterelement: Gewitter. Gewitter hatten wir hier auch schon einige und sie unterscheiden sich nicht sehr von den deutschen Gewittern. Das amüsante hier ist jedoch, dass man von den fürsorglichen Security-Beamten mehrfach durch die Lautsprecher darauf hingewiesen wird, dass ein „gefährliches“ Gewitter draußen herrscht und wir doch bitte nicht das Hause verlassen sollten. Das ist sehr höfliches Japanisch für: Es ist verboten, dass Haus zu verlassen, bis wir anderes von uns hören lassen. Das passiert dann meistens auch in Form von der nächsten Lautsprecheransage, die uns mitteilt, dass das Gewitter vorbei ist (ach nee) und wir wieder draußen herumtollen dürfen. Wir werden hier also rund um die Uhr behütet ;) Besonders interessant war es, den Taifun hier mitzubekommen, da die Security-Beamten besonders aufgeregt waren. Außerdem wurde uns alle zehn Minuten durchgesagt, dass wir doch bitte im Internet checken sollen, ob unser Unterricht am nächsten Morgen ausfällt. Als der Taifun dann Abends über uns hinweg wehte, hatte ich doch ein wenig Respekt. Es war verdammt stürmisch und ich konnte in meinem Zimmer die Wellen an den Klippen brechen hören (zu mindestens bildete ich mir das ein). Die Nacht über konnte ich also nicht besonders gut schlafen, aber ich tröstete mich mit ein paar Filmen und dem Gedanken, dass ich am nächsten Tag nicht zur Uni gehen müsste. Da hatte ich mich jedoch getäuscht, denn diesen Gefallen tat mir der Taifun nicht. Es war zwar immer noch stürmisch, aber offensichtlich nicht genug, denn die sonst so führsorglichen Security-Beamten ließen uns erbarmungslos in der Uni antanzen. Ja, Fürsorge ist gut, aber Unterricht verpassen? Nicht in Japan!

Ein weiteres wunderbares Beispiel für die zweifelhafte Fürsorge der netten Beamten hier ist die Heizungsstrategie. Denn, wie ihr bereits von der Mülltrennung her wisst, sind die Japaner verdammt umweltfreundlich. Und zu dieser Umweltfreundlichkeit gehört natürlich auch Energiesparen. An und für sich eine gute Idee, aber bitte nicht auf meine Kosten. Wie ihr vielleicht wisst, tendiere ich sehr schnell dazu zu frieren und hier auf dem Berg ist das keine Seltenheit. Allerdings bin ich damit nicht alleine, denn sowohl die Japaner als auch die anderen „Aliens“ (wie wir hier liebevoll genannt werden), sitzen in letzter Zeit immer in Decken eingewickelt vor ihrem Laptop, aber nicht etwa, um ihre Hausaufgaben zu tun, nein, der Laptop ist eine wunderbare Wärmequelle, besonders wenn man die Hände flach auf die Tastatur legt. Oh wie schön! Ich kann mehrere Stunden so verbringen und habe bereits eine Tipptechnik entwickelt, bei der ich die Hände so wenig wie möglich von der Tastatur entfernen muss. Zur Erklärung: Hier in Kyushu, auf Grund der sehr südlichen Lage, gibt es keine Heizungen, sondern nur Klimaanlagen. Allerdings haben diese Klimaanlagen den Vorteil, dass sie auch die Fähigkeit besitzen das Zimmer zu heizen. Der Nachteil ist nur, dass diese Fähigkeit von den Security-Beamten ein und ausgeschaltet werden kann. Manchmal, wenn es wirklich sehr sehr kalt ist, dann wird die Heizungsmöglichkeit für einige Stunden aktiviert (was wiederum ebenfalls durch die Lautsprecher bekannt gegeben wird. Mann, werde ich die regelmäßigen Durchsagen in Deutschland vermissen). Allerdings, ist es wirklich nicht angenehm mit den Klimaanlagen zu heizen. Während es im Sommer sehr angenehm ist, einen kalten Luftzug im Raum zu verspüren, ist es auf keinen Fall empfehlenswert eine Klimaanlage zu aktivieren, die statt kühler Luft sehr warme und verdammt trockene Luft im Zimmer verteilt. Zwar ist der Raum nach wenigen Sekunden auf Wüstenhitze hochgeheizt, aber leider kommt damit auch die Wüstenluft einher. Sehr sehr trocken. Nach einer Weile hält man es einfach nicht mehr aus und öffnet das Fenster, woraufhin man kurze Zeit später jedoch wieder die Klimaanlage aktivieren muss. Sehr energiesparend kann ich dazu nur sagen. Ein weiterer Nachteil dieser Klimaanlage ist, dass sie leider nur japanisch versteht, weswegen es des Häufigeren zu Missverständnissen zwischen uns beiden kommt. Manchmal besitzt sie die Frechheit einfach mitten in der Nacht anzugehen und meinen Schlaf zu stören oder sie sieht nicht ein, dass sie warme Luft „spucken“ soll und versorgt mich stattdessen mit kalter Luft. Kurzgesagt: Wir sind definitiv keine Freunde! Aber wahrscheinlich müssen wir uns miteinander arrangieren, denn ich habe gehört, dass die Winter hier sehr kalt sind. Auf den oberen Bergspitzen liegt bei uns übrigens auch schon Schnee. So haben wir oft eine sehr schöne Aussicht. Die Sonne scheint, unter uns glänzt das Meer und über uns der Schnee.

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