Sonntag, 20. Dezember 2009

Tenkusai und Welcome BBQ

Am 24. Oktober hatten wir endlich nach über einem Monat in Japan unser vom Academic Office organisiertes Welcome BBQ am Beppu Spa Beach. Allerdings frage ich mich wirklich, wer die Planung übernommen hat, denn genau an diesem Wochenende hatte unsere Uni auch ihr Tenkusai. Das Tenkusai ist ein Fest, oder besser gesagt ein Tag der offenen Tür, an dem sich jede Universität den Oberschul-Absolventen vorstellt. Dieses Fest geht das ganze Wochenende lang, es gibt sehr viele internationale Essensstände, lustige Events und Auftritte. Zum Abschluss gibt es dann noch ein sehr schönes Feuerwerk. Allerdings lässt es nicht jede Uni so knallen, wie unsere. Aber dafür müssen wir ja auch ordentlich Studiengebühren berappen.

Doch trotz der ganzen Mühen hat mich das Tenkusai nicht so sehr in den Bann gezogen und ich bin mit ein paar anderen Austauschstudenten zum Welcome BBQ gegangen. Das hat sich auch sehr gelohnt, denn gegrillt wurde auf Blechtonnen mit großen Gittern drüber gestülpt. Und auf diesem Grill landete eigentlich so alles Essbares (je nachdem wie man das definiert): Bananen, Mangos, Kartoffeln, Eier, Fleischstreifen (nicht so wie wir das kennen) und irgendwelche ekligen Meerestiere... Tintenfische und so. Na ja, ich habe mich auf jeden Fall an das Obst und Gemüse gehalten und wurde daraufhin von allen entsetzt gefragt, ob ich Vegetarierin sei. Ich glaube, dass ist hier noch eine richtige Sünde :D

Neben dem Gegrillten gab es aber auch Sushi, das super lecker war. Aber auch hier hielt ich mich wieder von denen mit Fisch fern. Roh ist einfach doch ein bisschen zu krass für mich. Dabei fällt mir auch gerade ein, dass meine liebe Zimmernachbarin Yoko mir einen Gefallen tun wollte und aus ihrer Heimatstadt Yokohama rohes Pferdefleisch mitgebracht hat, welches wohl ziemlich teuer ist und in ganz Japan berühmt. Hm... Dankeschön. Habe mich natürlich RIESIG darüber gefreut und weil ich eine so gute Gastgeberin bin, den ganzen neidischen Japanern großzügig was abgegeben. Hong hat es sogar probiert und sie war ganz begeistert davon, aber ich konnte es beim besten Willen nicht in den Mund nehmen.

Zurück zum Welcome BBQ. Natürlich haben wir ganz lustige Kennenlernspiele gespielt, bei denen man sich nach dem Motto „I pack my bag“ die Namen merken musste. Leider stand ich relativ weit hinten und wir hatten viele Koreanische und Chinesische Austauschstudenten, weswegen ich dauernd Namen aufzählen musste, die sich irgendwie alle sehr ähnlich anhörten. Aber ich habe es geschafft und mittlerweile kann ich sie sogar auch alle voneinander unterscheiden ;)

Meine Japanischlehrerin (auf dem Foto zusammen mit Peter, Timos Zimmernachbarn, der natürlich nicht Peter heißt, aber dessen richtigen Namen keiner Aussprechen kann. Er hat ihn mir mal gesagt, aber bitte fragt mich nicht danach) war übrigens auch da und ich musste die ganze Zeit mit ihr Japanisch sprechen, weswegen einer der japanischen Helfer dachte, ich bin perfekt. Sobald man hier nämlich nur „moshimoshi“ oder „sumimasen“ sagen kann, glauben die verehrten Japaner, man beherrsche ihre Sprache. Also textete mich der Japaner munter auf Japanisch zu, ich nickte brav und meine Japanischlehrerin hat sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Er hat einfach viel zu schnell gesprochen und derbste Umgangssprache benutzt, weswegen ich tatsächlich kein einziges Wort verstanden habe.

Zum Abschluss gab es noch ein schönes Foto auf dem wir alle bitte sehr viel Spaß haben sollten. Auf japanischen Fotos muss man immer sehr viel Spaß haben...

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Mt. Aso und Kumamoto Castle






Am 18. Oktober war es endlich soweit! Mein erster richtiger Ausflug außerhalb Beppus. Dieser Ausflug wurde vom AP-House organisiert und war somit nur an Studenten gerichtet, die auch hier wohnten. Zusammen mit Hong und Timo habe ich mich sofort dafür angemeldet, denn es gab nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, die frei nach dem Motto „Wer zu erst kommt mahlt zu erst“ vergeben wurden. Hastig füllten wir also die Anmeldeformulare aus (Was ist meine Motivation für diesen Trip?, Welche Sprachen kann ich sprechen?) und gaben sie sofort im Security Office ab. Eine Woche später erhielten wir alle drei eine Zusage und den Hinweis in den nächsten Tagen ein Certificate über 3.000 Yen abzugeben. Wie Certificate? Können wir das nicht einfach bar direkt vor Ort bezahlen? Was meinen die überhaupt mit Certificate? Sollen wir das Geld etwa überweisen? Aber sie haben keine Kontonummer angegeben. Fragen über Fragen stürzten auf uns ein und wir wussten keinen Rat. Zum Glück trafen wir Taiki auf dem Campus, der uns (selber ein bisschen überfordert) das Sytem mit dem Certificate erklärte.

Zunächst muss man in den Coop-Laden gehen und seine Coop-Karte mit dem gewünschten Betrag auffüllen. Dann muss man quer über den Campus zum Student Office. Dort steht ein Automat, in den man die Coop-Karte einführt und den gewünschten Betrag abbuchen kann. Daraufhin druckt der liebe Automat einem das Certificate aus, welches man dann wieder bei der gewünschten Stelle einreichen kann. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Mit Freuden habe ich übrigens festgestellt, dass dieses System der Bezahlung fest in den Unialltag integriert ist, weswegen ich es schon dreimal nutzen durfte. Es hat mich jedes Mal von Neuem aufgeregt :P

Naja, nach dem wir den Trip jedenfalls bezahlt hatten, durften wir am Sonntag, den 18. Oktober den Reisebus besteigen. Obwohl es eine relativ kurze Strecke von gerade mal zwei Stunden zu bewältigen galt, wurde natürlich ein Film während der Fahrt gezeigt. Und so hatten wir das Vergnügen (oder auch nicht, denn eigentlich wollte ich die Zeit nutzen und ein Buch lesen) uns Brad Pitt und John Malkovic in dem wunderschönen Streifen „Burn after Reading“ angucken. Ja, kannte ich schon und hat mich bereits beim ersten Mal nicht vom Hocker gehauen.

Beim Mt. Aso wurde wir jedoch für all unser Leiden entlohnt. Der Mt. Aso, oder eigentlich Aso-san, ist ein immer noch aktiver uns beeindruckender Vulkan auf Kyushu. Allerdings wären wir nicht in Japan, wenn wir nicht mehrmals darauf hingewiesen wurden wären, dass die Gase, die der Vulkan ausströmt giftig sind und dass für Menschen mit Asthma und Schwangere Lebensgefahr besteht. Ein bisschen hat es mich dann doch schon gegruselt, als wir in die Seilbahn zum Gipfel gestiegen sind. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es wie die meisten Warnungen in Japan, reine Panikmache war. Klar, die Gase haben ein wenig unangenehm gerochen, aber ehrlich gesagt war der Krater soweit abgesperrt, dass man eh nicht nah genug rankam, um irgendeine lebensbedrohliche oder auch gesundheitlich unangenehme Menge einzuatmen. Also haben wir die schöne Landschaft genutzt und sehr viele Fotos gemacht. Für den Abstieg haben wir uns auch eine Menge Zeit gelassen und haben die Kusasenri (im Grunde eine vulkanische Graslandschaft) bestaunt. Es war wirklich sehr schön und gemütlich. Abgesehen von dem eiskalten Wind, der allerdings immer weniger wurde, je mehr wir uns dem Fuß des Berges näherten.


Glücklich und erschöpft stiegen wir also wieder in unseren Reisebus ein und fuhren weiter nach Kumamoto. Zuvor machten wir jedoch einen kurzen Zwischenstop bei Aso Farm Land, um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Außerdem bot das Gelände eine zahlreiche Auswahl an seltsamen Attraktionen (zum Beispiel konnte man sich von kleinen Fischen tote Hautzellen abfressen lassen) und Geschäften bereit, die wir so gut wie möglich erkundigten. Uns blieb jedoch nicht viel Zeit, da unser Busfahrer uns nun doch endlich nach Kumamoto fahren wollte.


Die Stadt Kumamoto haben wir jedoch nur aus dem Busfenster heraus besichtigt (ist eben auch nur eine ganz normale Stadt), schließlich war unser Ziel das Schloss von Kumamoto. Und das ist wirklich sehenswert, sage ich euch. Wunderschön und eine sehr geräumige Anlage. Eigentlich genauso, wie man sich ein Japanisches Schloss vorstellt. Oder zumindest habe ich es mir immer so vorgestellt.

Vielleicht ein kurzer geschichtlicher Überblick: Also, das alte Kumamoto Castle wurde 1469 erbaut. 1588 bezieht Lord Kato Kiyomasa das Schloss, vergrößert seine Provinz durch den siegreichen Battle of Sekigahara im Jahre 1600 und erweitert daraufhin 1601 das Schloss (denn nun hatte er 540.000 koku Reis anstatt wie zuvor 195.000 koku zur Verfügung) zu dem heutigen Kumamoto Castle.1607 waren die Bauarbeiten schließlich beendet und zur Feier wurde ein Kanji-Charakter (das sind die aus China übernommenen Schriftzeichen) in dem Namen „Kumamoto“ geändert. 1611 stirbt der gut Kiyomasa auf Grund einer Krankheit und sein Sohn baut Mist, weshalb er aus der Provinz vertrieben wird. 1632 zieht schließlich Lord Hosokawa Tadatoshi. In den nächsten Jahren werden ein paar Revolten niedergemetzelt und sehr viele Samurais geehrt bis schließlich im Jahr 1871 die Herrschaft der Feudalherren durch ein neues Regierungssystem abgelöst wird. 1876 erfolgte wieder eine Revolte und 1877 kam es zum Seinan Bürgerkrieg. Drei Tage vor dem Kampf wurde jedoch das Hauptgebäude des Schlosses durch ein ungeklärtes Feuer zerstört.

1960 wurde das Hauptgebäude wieder aufgebaut und 1998 die ganze Restauration des Schlosses begonnen. Und heute erstrahlt es in wundervollem Glanze. Einige Nebengebäude sind allerdings komplett erhalten und geben dem Schloss dadurch seinen alten Charme. Wie gesagt, ich fand es echt super und empfehle es jedem weiter.

Außerdem hatten wir das Glück, dass an diesem Wochenende ein großes Fest in dem Schloss abgehalten wurde und es viele Traditionelle Tanzvorführungen (einige auch mit modernem Touch) und Damen und Herren in Kimonos zu bewundern gab.

Erschöpft und glücklich vielen wir am Abend in den Reisebus und ließen uns nach Hause fahren. Leider war die Autobahn (wenn man das so nennen kann :D ) verstopft und wir brauchten für die Rückfahrt doppelt so lange wie für die Hinfahrt. Allerdings hatten wir Glück im Unglück, denn die Organisatoren hatte genug Filme dabei, um uns zu unterhalten. Dennoch bin ich irgendwann weggenickt. Gute Nacht!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Beppu Beach Festival




Am 11. Oktober gab es hier in Beppu am Spa Beach ein Beach Festival mit Getränken, sportlichen Aktivitäten und Musik (Ich habe mich allerdings mehr an Bier und Musik gehalten und weniger an so seltsame Sportarten wie „Gehen“). Bei diesem Event des Jahres durfte ich natürlich auch nicht fehlen. Außerdem spielte auch die Band unserer Uni. Also habe ich mich in aller Frühe so um 12 Uhr mit Hong und Timo auf den Weg gemacht, um mir unsere Superrockband anzuschauen. Die Band war so lala, aber das Wetter war wunderschön und die Bühne war auf dem Sandstrand aufgebaut, so dass man hinter der Bühne das Sonne auf dem Meer glitzern sehen konnte. Sehr romantisch :D Da es Timo allerdings schon bald nach Hause gezogen hat, waren Hong und ich nur noch zu zweit. Es war trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ein sehr schöner Tag. Die nachfolgenden Bands waren alle sehr gut und es war alles dabei – von romantischen Gitarrengeplänkel a la Jack Johnson, über total abgedrehte Rockbands, die sich die Seele aus dem Hals geschrieen haben (und garantiert Ozzy Osbourne als Idol haben) und normale Rockbands bis hin zu HipHop. Gegen Abend, als die Sonne im Hintergrund unterging war die Stimmung besonders schön.

Auf dem Foto bin ich übrigens mit einer der Rockbands zu sehen. Sie heißen Qaren und ich habe mir eine CD von ihnen gekauft, woraufhin sie sehr sehr dankbar waren und mir mehrere Widmungen ins Cover gekritzelt haben :P

Sonntag, 29. November 2009

Abenteuer Mobiltelefon


Da Japan ein anderes Mobilfunknetzwerk oder so hat (technische Details erfahrt ihr von mir nicht :D) funktioniert mein deutsches Handy hier nicht. Kein Problem dachte ich mir. Ich kann ja mir ja ein Prepaid Handy in Japan kaufen. Ist ohnehin billiger. Tja, ist leider doch ein Problem. Denn um hier ein Handy zu kaufen (egal ob Prepaid oder mit Vertrag) muss man sich zunächst als Alien registrieren und dann braucht man noch einen Inkan (einen Namensstempel, der hier in Japan die meisten Unterschriften ersetzt). Ich habe also sofort einen Inkan mit meinem Namen darauf bestellt. Allerdings passte mein Nachname nicht mehr mit drauf, weswegen auf meinem Inkan nur エヴァ steht. Wenn auf meinem Stempel nur der Vorname steht, wie soll er dann meine Unterschrift ersetzen? Außerdem befürchte ich, dass es selbst in Japan mehrere Evas gibt...

Eine Woche später bekam ich meinen Inkan und einen Zettel, der bestätigte, dass ich mich als Alien registrieren lassen habe und bin überglücklich mit Hong in die Stadt gefahren, um mir die grenzenlose Freiheit eines Mobiltelefons zu gönnen. Leider habe ich es mir auch diesmal wieder viel zu einfach vorgestellt. Erstens, es gibt nur ein einziges Handymodell, das man mit einer Prepaidkarte benutzen kann. Zweitens, von diesem Modell hatten die netten Damen und Herren nur ein Gerät vorrätig. Aber das war noch nicht der Höhepunkt, denn leider gelten wir noch nicht als vollständige Menschen, solange unsere Alien Registration noch nicht im System erfasst ist. Leider sind die japanischen Behörden nicht die schnellsten und so hatten wir zwar die Bestätigung, dass wir registriert sind, aber im System waren wir leider noch nicht. Tja, kein Handykauf möglich. Ich war den Tränen nahe, ehrlich. Vier Wochen ohne Handy haben mir wirklich gezeigt, wie abhängig wir (also gerade die Jugend, zu der ich mich noch zähle) von diesem kleinen Gerät sind. So habe ich zum Beispiel des öfteren stundenlang an einem Treffpunkt gewartet ohne zu wissen, ob ich an der falschen Stelle warte, ob es ein Missverständnis mit der Zeit gab oder ob derjenige überhaupt kommt. Kurzfristige, spontane Verabredungen waren auch nicht möglich. Ich habe mich wirklich total abgeschirmt gefühlt. Traurig, aber wahr. Hong war auf jeden Fall auch sehr enttäuscht, dass sie kein Handy kaufen konnte und bat ihren japanischen Freund, das Handy für sie zu kaufen. Das war wiederum kein Problem, denn er war ja wie gesagt Japaner. Hong verließ die Stadt also überglücklich mit einem Mobiltelefon und ich kaufte mir eine Menge Eiscreme. Drei weitere Wochen bis meine Alien Registration durch sein wird. Drei weitere Wochen ohne Handy. Das werde ich nicht überleben, dachte ich mir.

Und wer kennt mich nicht am besten, wenn nicht ich selbst? Natürlich habe ich diese drei Wochen nicht ausgehalten. Voller Verzweiflung habe ich Remi, eine Japanerin, die mit mir International Management studiert, angefleht das Handy für mich zu kaufen. Und da Japaner ja bekanntlich keine Bitte abschlagen können, verabredeten wir uns für den nächsten Tag. Erneut stand ich in dem Laden mit erwartungsvoll glitzernden Augen. Doch es schien Probleme zu geben. Remi redete nervös (oder hörte sich das nur für mich so an) auf die Verkäuferin ein und diese verschwand im Lager. Ah, doch keine Probleme, denn kurze Zeit später kam sie mit einem Handy – mit MEINEM Handy – wieder zurück. „Du hast Glück gehabt“, erklärt mir Remi. „Das ist das letzte Handy.“ Ich fing an zu lachen. War das so eine Art Geschäftspolitik, dass sie immer nur ein Gerät vorrätig hatten oder war dieses Handy so beliebt? Kurze Zeit später (ungefähr 2 Stunden, denn es musste eine Menge Papierkram erledigt werden) hielt ich mein japanisches Handy in den Händen. Ich kann euch sagen, dass war bisher der glücklichste Tag in Japan.

Übrigens kann ich jetzt für lächerliche 300 Yen im Monat (so ca. 2,50 €) kostenlos Emails verschicken. Ihr müsst nämlich wissen, dass in Japan jedes Handy eine separate Email-Adresse hat und somit Mails senden und empfangen kann. Wie geil ist das denn?! Handys in Japan sind sowieso nicht zu vergleichen mit Handys aus anderen Ländern. Japanische Handys sind so fortschrittlich, dass sie als Universalfernbedingung einsetzbar sind (man kann also zum Beispiel den Fernseher damit an- und ausschalten), dass man Fernsehsendungen auf ihnen empfangen kann (und in was für einer Qualität... WOW) und noch vieles mehr. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum das I-Phone hier in Japan ziemlich gefloppt ist. Ein andere Grund ist, dass es keine Öse hat, so dass man kein Gebimmel daran befestigen kann. Und Japaner lieben Gebimmel an ihrem Handy. Die meisten haben sogar riesige Kuscheltiere an ihrem Handy baumeln, oder besser gesagt, das Handy an ihrem Kuscheltier :D

Folglich war meine erste Mission natürlich, dieses kleine nackte Gerät möglichst schnell zu schmücken und somit zu einem richtigen japanischen Handy zu machen. Also kaufte ich Sticker (ich konnte mich gerade so zurückhalten, eine Menge Geld für grässliche Glitzersticker, die übrigens sehr beliebt sind, auszugeben) und eine Hello Kitty Geisha mit Glöckchen. Gefällt es euch?

Sonntag, 22. November 2009

Studieren in Japan

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich im Moment mein Quarterbreak genieße und euch noch gar nichts von der Uni berichtet habe. Bitte entschuldigt, ich werde es sofort nachholen.

Zunächst einige Informationen zu dem Unisystem hier. Die Studenten werden jedes Semester entsprechend ihrer Noten in A- und B-Studenten eingeteilt. Die A-Studenten dürfen sich aufgrund ihrer guten Leistungen zu erst für die Kurse registrieren. Nachdem die A-Studenten ihre Kurse gewählt haben, haben die B-Studenten die Möglichkeit sich für Kurse zu registrieren. Allerdings gibt es immer nur begrenzte Plätze und so kann es sein, dass die beliebten Kurse bereits von den A-Studenten belegt sind oder nur noch wenige Plätze über sind. Da ich und alle anderen Austauschstudenten an dieser Uni noch keine Leistungen erbracht haben, wurden wir automatisch als B-Student eingestuft und durften uns erst in der zweiten Registrierungsphase vom 25. – 28. September einschreiben. Herr Funaki, der für uns Austauschstudenten verantwortlich ist, warnte uns bereits vor, dass es am ersten Tag der Registrierung meistens zu einer Überlastung des Servers kommt, deswegen werden die Internetzugänge (man registriert sich für die Kurse über das Internet) priorisiert. Das bedeutet für uns, dass wir nicht den Internetzugang in unserem Zimmer, sondern lieber die öffentlichen Computer auf den Campus benutzen sollten. Gesagt, getan. Ich habe mich also mit Timo um halb zehn bei den öffentlichen Computern getroffen. Um zehn fing die Registrierung an und wir wollten auf jeden Fall noch einen Platz bekommen. Der Internetraum war auch schon gut gefüllt und wir setzen uns an die letzten zwei zusammenhängenden Computer und nutzten die freie Zeit zum chatten. Der Link wurde erst um punkt zehn Uhr aktiviert, also hatten wir noch ein bisschen Zeit. Plötzlich begann es lauter zu werden und alle Studenten klapperten eifrig auf ihrer Tastatur. Ein Blick auf die Uhr: zwei Minuten vor zehn. Auch ich lies mich von der allgemeinen Nervosität anstecken und rief schnell die Seite zur Kursregistrierung auf. Der Link war immer noch nicht aktiv. Es wurde immer lauter und hektischer in dem Computerraum und auf einmal: Der Link war aktiv. Schnell draufklicken, Kurse aussuchen, speichern. Yes! Ich habe alle meine Kurse bekommen. Auch neben mir schreiten immer mehr Studenten glücklich auf (und das ist keineswegs übertrieben), umarmten sich und fingen glücklich an zu brabbeln.

Am 1. Oktober fing die Uni an und ich besuchte meine ersten Kurse: Entrepreneurship, Japanisch, Development Economics und Business Management.

10:35 Uhr: Entrepreneurship. Ach du meine Güte. Welche Sprache spricht der Typ? Ich verstehe kein einziges Wort. Die erste halbe Stunde beginne ich zu verzweifeln und David, der Spanier, textet mich die ganze Zeit damit zu, dass er den Typ nicht verstehen kann, dass das ja wohl eine Zumutung wäre und dass er den Kurs auf jeden Fall abwählen würde. Danke, dass half mir auch nicht gerade weiter. Ein Glück, jedoch, dass der Mensch so anpassungsfähig ist. Irgendwann begann ich das gesprochene Janglish zu verstehen. Saaaavisu bedeutet also service und lawmatels bedeutet rawmaterials. Gar nicht mal so schwer, wenn man erst mal den Trick raus hat.

12:25 Uhr: Japanisch. Welch Überraschung, meine Japanisch-Lehrerin lebte einige Zeit in Australien und konnte besser Englisch, als der Professor zuvor. Der Nachteil war jedoch, dass sie sich absolut weigerte Englisch zu sprechen. Lediglich die Vokabeln, die wir noch nicht wissen konnten, übersetzte sie und so kam es, dass sie einen Mix aus Englisch und Japanisch sprach, den ich überraschend gut verstehen konnte. Welch eine Erleichterung!

14:15 Uhr: Development Economics. Wieder ein Japaner, der sich mit Englisch versucht. Auch hier war der Akzent eindeutig, allerdings nicht so ausgeprägt wie zuvor. Das lag wahrscheinlich daran, dass der Professor in England studiert hat. Außerdem war er um einiges jünger als der Herr zuvor und, wie ich später erfuhr, der stellvertretende Direktor der Universität. Sein Unterrichtsstil ähnelte dem in Göttingen am ehesten und es wurde später mein Lieblingsfach.

16:05 Uhr: Business Management. Oh mein Gott. Wo bin ich hier gelandet? Zwar war das Englisch hervorragend, denn das Fach wurde von einem Inder unterrichtet, aber wer saß hier mit mir in einem Raum? Verdammt viele „freshmem“, wie sie hier genannt werden. Fleißig schrieben sie alle Bemerkungen des Professors mit und ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz. Außerdem kam mir das Thema verdammt bekannt vor. Der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz? Irgendwo habe ich das doch schon mal gehört :-P

So viel zu meinem ersten Unitag. Schlafen und weiter geht’s. Freitag, 2. Oktober:

8:45 Uhr: Japanisch. Ich weiß, die erste Stunde fängt hier eine halbe Stunde später an als in Göttingen, aber es ist immer noch verdammt früh. Vor allem wenn man bedenkt, dass es in Deutschland gerade mitten in der Nacht ist. Zum Glück, konnte ich nach dem Unterricht wieder in mein Bettchen kriechen.

17:55 Uhr: International Management. Oh der Herr Professor ist etwas ganz besonderes. Erstens, er ist Australier und somit sowieso schon mal viel besser als alle anderen und zweitens, der Herr wohnt in Tokyo. Da er gerne jedes Wochenende nach Hause fliegen möchte, kann er auf keinen Fall Freitags um 18 Uhr unterrichten. Ob es uns was ausmachen würde, am Dienstag eine Doppelstunde einzulegen? Nein, natürlich nicht. Schließlich hatten wir Freitag abends auch was besseres vor und außerdem hatte ich dann nur die erste Stunde und anschließend Wochenende!

Es geht weiter mit Montag, 5. Oktober.

12:25 Uhr: Japanisch. Was soll ich dazu noch sagen? Verdammt viele Hausaufgaben...

14:15 Uhr: Development Economics. Auch hierzu habe ich mich bereits geäußert. Und das war dann auch schon mein Montag. Angenehm, oder?

Dienstag, 6. Oktober:

8:45 Uhr: Japanisch. Ja, ich habe hier jeden Tag Japanisch-Unterricht ;)

10:35 Uhr: International Trade. Oh ja, International Trade. Ein sehr interessantes Fach. Na ja, geht so. Aber der Professor ist verdammt lustig. Auch er spricht ein wunderschönen Janglish, an das ich mich zum Glück bereits sehr gewöhnt habe. Allerdings hat er noch einen kleinen Bonus. Er ist witzig. Zumindest denkt er das. Aber weil er seine ultra flachen Witze („25 years ago, when I was born.“), die sich übrigens ständig wiederholen, mit einem so niedliche Akzent und einem noch niedlicheren verschmitzten Lächeln vorträgt, nimmt ihm das keiner Übel. Übrigens: der Herr ist auf jeden Fall über sechzig, wenn nicht noch älter. Außerdem wechselt er manchmal versehentlich ins Japanisch, woraufhin nur noch die eine Hälfte der Klasse lacht und die andere verstört an die Decke schaut. Doch dank Japanisch-Unterricht kann ich sogar einiges verstehen.

12:30 Uhr: Ich sitze zu Hause vor meinem Laptop und nutze die Correction Period. Denn bis abends um sechs Uhr können wir unsere Kurse noch mal wechseln. Danach ist allerdings nichts mehr möglich. Ich wähle also Business Management ab. Kenne ich schon und ist eh ein bisschen überfüllt.

17:55 Uhr: International Management. Meine erste Doppelstunde. Moment, lasst mich euch das vorrechnen: Normalerweise geht die sechste Stunde bis 19:30. Das bedeutet, eine Doppelstunde geht bis 21:05 Uhr. Ok, kein Problem. Vielleicht sollte ich mir nur vorsichtshalber ein Brötchen oder so einpacken. Fällt schließlich genau in meine Abendbrotzeit. Ein Glück, dass ich was zu Essen mitgebracht habe. Denn da der Herr ja etwas so besonderes ist, haben wir ein wenig überzogen. Erst als die ersten Studenten mit ihren Füßchen gescharrt haben, weil der letzte Bus nach Beppu runter um 22:30 geht, bemerkte er, dass er vielleicht mal Schluss machen könnte. Entschuldigung, aber mehr als eine Stunde zu überziehen ist echt schon ne Frechheit. In Göttingen hätten die Studenten einfach den Hörsaal verlassen. Aber nicht in Japan. Den lieben Professor (oder auf japanisch: Sensei) darf man hier auf keinen Fall kritisieren und erst recht nicht den besagten Professor, denn er ist ja so toll. Tut mir Leid, aber der Herr geht mir verdammt auf den ... . Er denkt doch tatsächlich, dass er der Held der Uni ist und die komischen Studenten hier kriechen ihm auch noch alle in den Allerwertesten. Ich weiß echt nicht, wie ich das überleben soll. Warum ist diese verdammt Correction Period schon vorbei?

Mittwoch, 7. Oktober: Keine Uni! Mittwoch gibt es keine reguläre Uni, denn an diesem Tag gibt es nur Workshops für die Studenten im ersten und im zweiten Semester. In diesen Workshops lernen sie, wie man einen Aufsatz schreibt oder sich auf eine Klausur vorbereitet. Ich frage mich manchmal wirklich, was die Japaner in der Schule gelernt haben...

So, dass war meine erste Uni-Woche. Es sieht vielleicht nicht nach sehr viel Unterricht aus, allerdings wir hier in Japan die Uni ein wenig anders interpretiert als in Deutschland. Ich muss hier in jedem Fach mindestens eine Präsentation halten und mehrere Reporte, Analysen, Hausarbeiten, und Fallstudien bearbeiten. Dementsprechend war ich das Semester über verdammt gut beschäftigt. Das lag allerdings hauptsächlich auch an meinem International Management Professor, der uns jede Woche mehrere hundert Seiten zu lesen, die dazugehörigen Chapter Quizzes und dann auch noch die bereits aufgezählten übrigen Hausaufgaben auf gab. Ja, es gibt sie überall auf der Welt: die Professoren, die denken ihr Fach ist das wichtigste der Welt.

Health Check

Am Montag, den 28. September, war es endlich soweit. Es ging zum lang ersehnten Health Check. Denn hier in Japan, kann ja nicht einfach davon ausgegangen werden, dass man gesund einreist oder zumindest in seinem Heimatland bereits einen Health Check Up gemacht hat, nein hier wird ein Health Check Up für alle „Aliens“ vorgeschrieben, egal ob man sich in der öffentlichen Krankenversicherung versichern möchte oder nicht. Frohen Mutes, stand ich also auf und ging zum Bus. Wir wurden nach unseren Studentennummern eingeteilt und mussten somit zu einer bestimmten Zeit mit einem bestimmten Bus hinunterfahren. Leider haben die Organisatoren der „Bustouren“ nicht darauf geachtet, dass dementsprechend genug Busse zur Verfügung stehen. Aber keine Angst, auch dafür gab es eine Lösung. Die Busse in Japan entsprechen größtenteils unseren Reisebussen mit einer Ausnahme: man kann zusätzliche Sitze ausklappen, so dass weitere Leute im Mittelgang sitzen können. Der Nachteil: wenn jemand von ganz hinten aussteigen möchte, müssen erst mal alle anderen, die im Mittelgang sitzen mühsam ihre Sitze hoch klappen und demjenigen Platz machen. Das kann schon mal ne Weile dauern. Das Problem hatten wir am Montag jedoch nicht, denn wir wollten ja alle zum Krankenhaus.

Am Krankenhaus angekommen, wurden wir bereits von netten Krankenschwestern und freiwilligen APU-Studenten erwartet, die bereitwillig alles für uns übersetzt haben. Uns wurde ein kleiner Vortrag gehalten über den Ablauf des Health Checks. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, war alles bis ins kleinste Detail geplant. Zunächst mussten wir unseren bereits vorher ausgefüllten Fragebogen abgeben (haben Sie vor hier schwanger zu werden? – NEIN, und was geht Sie das überhaupt an?) und unsere Daten vergleichen. Dann durften sich die Damen (wohlgemerkt die Herren nicht) umziehen. Wir haben wunderbare Krankenhausschlappen bekommen und noch hübschere Hemdchen. Denn es sollte unser Oberkörper geröntgt werden und deshalb durften wir keine BHs tragen. Aber warum? Warum liebe Japaner, müssen wir dann so hässliche Hemdchen tragen, die man nur so komisch zuwickeln konnte, dass sie bei der kleinsten Bewegung sofort wieder aufgingen? Wäre es nicht auch möglich gewesen, einfach den BH unter dem T-Shirt auszuziehen? Die Herren der Schöpfung durften ihre Hemdchen schließlich auch anbehalten. Zu den Schlappen sage ich ja schon gar nichts mehr. Nachdem es hier zu jeder Gelegenheit andere Schlappen gibt und man ständig diese wechseln muss (zum Beispiel, wenn man auf die Toilette gehen möchte), wundert es mich kein bisschen, dass es auch extra Krankenhausschlappen gibt. Wäre ja auch ne Frechheit, wenn man hier mit seinen eigenen Schuhen durchlaufen würde. Das ist wohl deren Verständnis von Hygiene. Ich frage mich nur, ob sie die Schlappen auch gut desinfizieren. Die sahen nämlich nicht danach aus. Na ja, nachdem ich mich in mein Hemdchen (welches natürlich trotz größter Größe ein bisschen zu kurz war) und meine winzigen und etwas zwielichtig aussehenden Schläppchen gezwängt hatte, ging es auch schon zur Pinkelprobe. Hm... wie ich das liebe :D

Nach der Klosession wurde wir dann von Ärzten kurz zu unserem Gesundheitsstatus befragt (Waren Sie in letzter Zeit krank? – Nein) und schließlich wurden uns noch drei Kanülen Blut abgenommen. Peter, Timos Roommate, ist dabei allerdings zusammengeklappt, wurde jedoch sofort umsorgt und auf eine Liege zum Ausruhen gelegt. Nach der spektakulären Blutabnahme ging es weiter zum Oberkörperröntgen und danach in den nächsten Stock. Dort wurden wir gemessen, gewogen und unsere Sehstärke erprobt. Außerdem hatten wir noch genug Zeit und ein paar Informationen durchzulesen: empfohlene Tagesmenge an Kalorien? 1500 (sowohl für Jungen als auch für Mädchen)! Kein Wunder, dass das hier alles so Fliegengewichte sind. Schließlich ging es weiter zur letzten Station: dort haben wir Tuberculin oder so gespritzt bekommen und wurden nach Hause geschickt. Tag überstanden!

Eine Woche später hatten wir erneut eine Health Clinic Guidance, um das Ergebnis der Infusion zu ertesten. Zunächst durften wir uns allerdings eine wunderschöne Powerpointpräsentation zum Thema Sex anhören. Dies führte zu peinlich berührtem Gelächter unter den meist erst 18jährigen Studenten. Außerdem haben wir einen sehr informativen Infozettel zu diesem Thema erhalten. Beste Methode nicht Schwanger zu werden oder sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken? – Kein Sex! Danke für diese Information :D

Donnerstag, 19. November 2009

P.S. Wetter ;)


Hier nur nochmal ein kurzer Blick aus meinem Fenster, wenn die Wolken gerade besonders tief hängen ;)
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie gemütlich es dann auf einmal in meinem Zimmer ist und wie ungern ich dieses verlassen möchte :D

Donnerstag, 5. November 2009

Wetter


Hallo ihr Lieben! Ich weiß, dass ich mit meinem Blog ganz schön hinterher hänge, aber ich versuche trotzdem alles chronologisch zu erzählen, auch wenn die Ereignisse schon über einen Monat zurückliegen ;)

Es tut mir wirklich Leid, dass ich es nicht schaffe, regelmäßiger zu schreiben, aber die Japaner sind wirklich ein bisschen krank. Hier werden so viele Hausaufgaben, Reporte, Hausarbeiten, Präsentationen usw. aufgegeben, dass man einfach nicht dazu kommt, irgendetwas anderes zu tun. Nicht dass die Aufgaben sehr anspruchsvoll oder anstrengend wären, sie nehmen einfach nur verdammt viel Zeit in Anspruch. So viel Zeit, dass die meisten Japaner bis 4 Uhr morgens an ihren Hausaufgaben sitzen, sich total verschlafen am nächsten Morgen in die Vorlesungen schleppen (denn es gibt ja schließlich Noten auf die Anwesenheit!), in den Vorlesungen dann aber Reihenweise einpennen (sich aber trotzdem in die erste Reihe setzen und gemütlich vor sich hin schnurcheln), so dass sie zu Hause noch mehr Stoff nachholen müssen. Es ist ein Teufelskreis, echt unglaublich :D Ich versuche, mich diesem Kreislauf zu entziehen, muss aber eingestehen, dass ich hier auch jeden Tag bis 2 Uhr Nachts wach bin, was in Deutschland unmöglich wäre, nicht Peke? Ein Glück, dass ich jeden Mittwoch frei habe und Montags und Donnerstags erst spät in die Uni muss. So kann ich wenigstens dann genug Schlaf nachholen.

So, genug über meine Schlafgewohnheiten, ich habe dieses Mal ein viel interessanteres Thema parat. Das Wetter! Ja, das Wetter ist übrigens eines der Lieblingsthemen der Japaner, neben dem Essen und in welchen Ländern man schon war und wie viele Sprachen man sprechen kann. Das Wetter hier in Beppu ist sehr gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz zu Deutschland ist es noch angenehm warm und die kleinen Japanerinnen laufen immer noch fleißig in ihren sehr sehr kurzen Röckchen rum (wobei ich bezweifele, dass sich das ändern wird, wenn es kälter wird). Da unsere Uni aber in der Einöde, ganz oben auf dem Berg ist, haben wir meistens das Pech, dass zwar die Sonne scheint, aber es so windig ist, dass sich die eigentlich 25 Grad wie –2 Grad anfühlen :D Nein, nicht ganz so schlimm, aber schon ein krasser Unterschied. Außerdem muss man bei der Klamottenauswahl berücksichtigen, was man den Tag über noch vor hat, wenn man sich nicht tausendmal umziehen möchte. Denn beschließt man etwa nach Beppu zu fahren, um Lebensmittel einzukaufen, sollte man sich nicht zu warm anziehen. Da die Stadt durch die sie umgebenden Berge geschützt vor Wind ist, ist es in Beppu im Vergleich zu meiner Uni verdammt warm und man schwitzt wie verrückt, sollte man trotzdem in warmen Klamotten runter fahren. Einmal und nie wieder, sage ich euch!

Ein weiteres Element des japanischen Wetters ist Regen. Es regnet nicht häufig, aber wenn es regnet, dann gleich mehrere Tage durch und verdammt viel. Ich frage mich, ob das auch daran liegt, dass wir auf einem Berg wohnen, oder ob das in ganz Japan so ist. Außerdem kommen wir hier ebenfalls sehr oft in den Genuss von Nebel. Dieser Nebel ist dann allerdings so dicht, dass man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Echt beeindruckend. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit dann so hoch, dass ich regelmäßig mit einer Lockenfrisur nach Hause komme :D

Kommen wir zu dem nächsten Wetterelement: Gewitter. Gewitter hatten wir hier auch schon einige und sie unterscheiden sich nicht sehr von den deutschen Gewittern. Das amüsante hier ist jedoch, dass man von den fürsorglichen Security-Beamten mehrfach durch die Lautsprecher darauf hingewiesen wird, dass ein „gefährliches“ Gewitter draußen herrscht und wir doch bitte nicht das Hause verlassen sollten. Das ist sehr höfliches Japanisch für: Es ist verboten, dass Haus zu verlassen, bis wir anderes von uns hören lassen. Das passiert dann meistens auch in Form von der nächsten Lautsprecheransage, die uns mitteilt, dass das Gewitter vorbei ist (ach nee) und wir wieder draußen herumtollen dürfen. Wir werden hier also rund um die Uhr behütet ;) Besonders interessant war es, den Taifun hier mitzubekommen, da die Security-Beamten besonders aufgeregt waren. Außerdem wurde uns alle zehn Minuten durchgesagt, dass wir doch bitte im Internet checken sollen, ob unser Unterricht am nächsten Morgen ausfällt. Als der Taifun dann Abends über uns hinweg wehte, hatte ich doch ein wenig Respekt. Es war verdammt stürmisch und ich konnte in meinem Zimmer die Wellen an den Klippen brechen hören (zu mindestens bildete ich mir das ein). Die Nacht über konnte ich also nicht besonders gut schlafen, aber ich tröstete mich mit ein paar Filmen und dem Gedanken, dass ich am nächsten Tag nicht zur Uni gehen müsste. Da hatte ich mich jedoch getäuscht, denn diesen Gefallen tat mir der Taifun nicht. Es war zwar immer noch stürmisch, aber offensichtlich nicht genug, denn die sonst so führsorglichen Security-Beamten ließen uns erbarmungslos in der Uni antanzen. Ja, Fürsorge ist gut, aber Unterricht verpassen? Nicht in Japan!

Ein weiteres wunderbares Beispiel für die zweifelhafte Fürsorge der netten Beamten hier ist die Heizungsstrategie. Denn, wie ihr bereits von der Mülltrennung her wisst, sind die Japaner verdammt umweltfreundlich. Und zu dieser Umweltfreundlichkeit gehört natürlich auch Energiesparen. An und für sich eine gute Idee, aber bitte nicht auf meine Kosten. Wie ihr vielleicht wisst, tendiere ich sehr schnell dazu zu frieren und hier auf dem Berg ist das keine Seltenheit. Allerdings bin ich damit nicht alleine, denn sowohl die Japaner als auch die anderen „Aliens“ (wie wir hier liebevoll genannt werden), sitzen in letzter Zeit immer in Decken eingewickelt vor ihrem Laptop, aber nicht etwa, um ihre Hausaufgaben zu tun, nein, der Laptop ist eine wunderbare Wärmequelle, besonders wenn man die Hände flach auf die Tastatur legt. Oh wie schön! Ich kann mehrere Stunden so verbringen und habe bereits eine Tipptechnik entwickelt, bei der ich die Hände so wenig wie möglich von der Tastatur entfernen muss. Zur Erklärung: Hier in Kyushu, auf Grund der sehr südlichen Lage, gibt es keine Heizungen, sondern nur Klimaanlagen. Allerdings haben diese Klimaanlagen den Vorteil, dass sie auch die Fähigkeit besitzen das Zimmer zu heizen. Der Nachteil ist nur, dass diese Fähigkeit von den Security-Beamten ein und ausgeschaltet werden kann. Manchmal, wenn es wirklich sehr sehr kalt ist, dann wird die Heizungsmöglichkeit für einige Stunden aktiviert (was wiederum ebenfalls durch die Lautsprecher bekannt gegeben wird. Mann, werde ich die regelmäßigen Durchsagen in Deutschland vermissen). Allerdings, ist es wirklich nicht angenehm mit den Klimaanlagen zu heizen. Während es im Sommer sehr angenehm ist, einen kalten Luftzug im Raum zu verspüren, ist es auf keinen Fall empfehlenswert eine Klimaanlage zu aktivieren, die statt kühler Luft sehr warme und verdammt trockene Luft im Zimmer verteilt. Zwar ist der Raum nach wenigen Sekunden auf Wüstenhitze hochgeheizt, aber leider kommt damit auch die Wüstenluft einher. Sehr sehr trocken. Nach einer Weile hält man es einfach nicht mehr aus und öffnet das Fenster, woraufhin man kurze Zeit später jedoch wieder die Klimaanlage aktivieren muss. Sehr energiesparend kann ich dazu nur sagen. Ein weiterer Nachteil dieser Klimaanlage ist, dass sie leider nur japanisch versteht, weswegen es des Häufigeren zu Missverständnissen zwischen uns beiden kommt. Manchmal besitzt sie die Frechheit einfach mitten in der Nacht anzugehen und meinen Schlaf zu stören oder sie sieht nicht ein, dass sie warme Luft „spucken“ soll und versorgt mich stattdessen mit kalter Luft. Kurzgesagt: Wir sind definitiv keine Freunde! Aber wahrscheinlich müssen wir uns miteinander arrangieren, denn ich habe gehört, dass die Winter hier sehr kalt sind. Auf den oberen Bergspitzen liegt bei uns übrigens auch schon Schnee. So haben wir oft eine sehr schöne Aussicht. Die Sonne scheint, unter uns glänzt das Meer und über uns der Schnee.

Dienstag, 3. November 2009

Nico und Fukuoka









Juchuh, Besuch im Anmarsch! Vom 25.-27. September hatten wir die Ehre Nico beherbergen zu dürfen. Nico ist ein Freund von Timo, den er während seines Studiums in Berlin kennengelernt hat. Allerdings hat er sein theoretisches Japanisch-Studium mehr oder weniger an den Nagel gehängt und bereist nun seit längerer Zeit Japan. Auf seinem Weg von dem südlichen Urlaubsparadies der Okinawa-Inseln in die Kulturhauptstadt Kyoto schaute er ein Wochenende lang bei uns in Beppu vorbei.

Da ich am Freitag keine Zeit hatte, verbrachten wir den Samstag zusammen. Hauptsächlich sind wir Essen einkaufen gegangen und haben gekocht: Rindersteak, Frikadellen, Salat und Reis. Mann, war das schön mal wieder was bekanntes zu essen. Wir haben bei mir im Flur in der Küche gekocht und der Duft von gesundem (halbwegs) deutschen Essen lockte einige Neugierige hervor, die natürlich auch alle mit zugeschlagen haben. Ein Glück, dass wir extrem großzügig eingekauft haben :D

Nach dem Essen wollten Timo und Nico unbedingt nach Beppu fahren und Karaoke singen. Da wir dann jedoch die ganze Nacht durchsingen müssten und ich am Sonntag mit ein paar Leuten von meinem Flur nach Fukuoka fahren wollte, lehnte ich die Einladung jedoch dankend ab. Denkste dir! Natürlich kamen die beiden sofort mit einer Menge sinnvollen Argumenten, warum ich unbedingt mit kommen müsste. Als sie dann auch noch auf die Tränendrüse drückten und sich beschwerten, dass ich ja bereits den Freitag nichts mit ihnen gemacht hätte, konnte mein weiches Herz natürlich nicht nein sagen :D Also überredete ich schnell noch Rina und Sabina mitzukommen, damit wir uns ein Taxi nach Hause teilen konnten. Durchmachen war nun echt nicht drin.

Nach einer ereignisreichen Karaokenacht schleppte ich mich um 4 Uhr in mein (nicht ganz so kuscheliges) Bett. 3 Stunden Schlaf. Wenn das mal nichts ist ;)


Am nächsten Morgen wachte ich erfrischend erholt auf, nahm eine eiskalte Dusche und hüpfte hinunter zum Parkplatz, wo Yuki und Taiki bereits mit einem Mietwagen warten wollten. Verwundert rieb ich mir die Augen. Wo war das Auto? Nach einer ersten kurzen Panikattacke, sie könnten ohne mich gefahren sein, kam Hong mir entgegen und berichtete, dass Taiki verschlafen hat. Wir mussten also noch eine halbe Stunde warten. Na toll! Dabei war Taiki extra früh ins Bett gegangen...

Langsam trudelten auch die anderen Mitfahrer ein und wir waren mit einstündiger Verspätung vollständig: Yuki, Kento und Taiki aus Japan, Hong und Andrew aus Singapur, Abebe aus Kanada und ich!

Die Fahrt nach Fukuoka verlief relativ problemlos. Abgesehen davon, dass Taiki gefahren ist und er erst ziemlich frisch seinen Führerschein hatte. Die Bremsungen und Kurven fielen dadurch sehr ruppig aus und es war kein Gedanke an Schlaf zu verschwenden.

Achja, vielleicht noch eine kurze Backround-Information zu Fukuoka. Fukuoka ist die größte Stadt hier auf Kyushu mit ungefähr 1,4 Millionen Einwohner und ist auch die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Außerdem bin ich hier gelandet, den Flughafen kenne ich also schon :P

In Fukuoka angekommen, steuerten wir sogleich auf ein RIESIGES Einkaufszentrum zu. Es ist 8-stöckig und jedes Stockwerk ist so groß wie die Göttinger Innenstadt. Es gab also viel zu sehen ;) Was ich allerdings sehr seltsam fand, ist der Fakt, dass die oberen! Drei Stockwerke als Parkhaus dienen und nicht, wie bei uns die unteren. Wir mussten also erst einer ziemlich steilen, engen und kurvigen Straße folgen, bis wir endlich in den Parketagen angekommen waren. Dann ging es wieder mit den Fahrstühlen runter in den ersten Stock (da die Japaner kein Erdgeschoss kennen, entspricht der erste Stock also dem Erdgeschoss) und dort trennte sich dann der Spross vom Weizen, heißt Männlein und Weiblein gingen getrennte Wege. Allerdings glaube ich nicht, dass das bei den „männlichen“ Shoppinggewohnheiten hier notwendig gewesen wären. Die halten es tatsächlich länger in jedem Schuhladen aus als ich :D

Nachdem wir mehrere Stunden durch die verschiedenen Etagen getrudelt sind, trafen wir uns im 5. Stock, dem „Raumen Stadium“. Dort waren Rahmengeschäfte aus ganz Japan versammelt und Yuki erzählte mir, dass die Konkurrenz so groß ist, dass diejenigen Geschäfte, die eine bestimmte Einkommensgrenze nicht erreichten sofort rausgeschmissen wurden damit ein neuer Laden in das Stadium ziehen konnte. Nach dieser Offenbarung rechnete ich eigentlich damit, dass es sich hier ähnlich wie auf einem orientalischen Basar verhalten würde und wir von den Ladenbesitzern beschwatzt würden, in ihren Laden zu kommen. Aber nein, Eva. Vergiss niemals, dass du dich hier in Japan befindest, dem Land der untergebenen Höflichkeit! Anstatt uns mit tollen Angeboten in ihre Geschäfte zu locken, standen die Ladenbesitzer mit großen traurigen Augen vor ihrem Laden und verbeugten sich artig, wenn wir vorbei gingen. Auch das Bestellen erwies sich als typisch japanisch. Wir mussten an einen Automaten gehen, dort unser Gericht auswählen und auch gleich bezahlen. Dann erhielten wir eine Quittung mit der wir in den Laden gingen, um sie dort (nachdem wir den gewünschten Härtegrad unserer Nudeln ausgewählt hatten) der Bedienung in die Hand zu drücken. Da der Laden ziemlich voll war, mussten wir uns aufteilen und ich saß mit Yuki und Abebe an der Theke, die sich um die ganze Küche erstreckte. Wir hatten also einen wunderbaren Einblick in das dortige Treiben. In der Küche waren ungefähr zehn Japaner und Japanerinnen, die sich immer wieder zuriefen, was sie gerade taten. Dadurch können sie die unterschiedlichen Bestandteile der Rahmen besser abstimmen und somit alle Zutaten gleichzeitig fertig stellen. Außerdem stand ein Japaner am Eingang und schrie immer wieder wie viele Menschen draußen warteten. Das Küchenpersonal bestätigte diese Info und hielt Ausschau nach freien Plätzen. Ein sehr lustiges und auch sehr lautes System ;) Doch trotz des ganzen Stresses in der Küche, fand eine Japanerin die Zeit uns zu fragen, ob sie ein Foto von uns machen solle. Wie kam sie denn auf diese Idee? Aber na gut, man soll Japanern ja bekanntlich nichts abschlagen und so gab ich ihr meine Kamera und sie schoss ganz glücklich ein Foto von uns. Als sie es sich nachher anguckte, war sie außer sich vor Freude und schrie die ganze Zeit, wie süß wir doch wären. Süß heißt übrigens „kawaii“ auf Japanisch und es ist bis jetzt das meistgehörte Wort. Japaner finden nämlich alles „kawaii“ (zumindest alles was irgendwie weiblich und niedlich ist) und den Rest „sugoi“, was so viel wie „cool“ bedeutet.

Nachdem ich meinen Rahmen (mit Stäbchen!) gegessen habe, sind wir in die riesige Spielhölle aufgebrochen (die darf natürlich in keinem guten Einkaufszentrum fehlen) und haben ein paar Spielchen gespielt. Anschließend gingen wir einen Stock tiefer, an einem riesigen Kino vorbei, in eine weitere Spielhalle für kleine Kinder. Da waren wir allerdings falsch und ich folgte dem Trupp immer weiter durch das Chaos der Spielhallen. Wo wollten die nur alle unbedingt hin? Schließlich, nachdem wir noch eine Spielhalle für ältere Semester durchquert hatten, waren wir endlich an unserem Ziel. Oh mein Gott, bitte nicht! Wir waren in einer weiteren Halle voller Automaten. Fotoautomaten! Erinnert ihr euch noch an die Fotoautomaten, die vor ungefähr zehn Jahren total in in Deutschland waren? An denen konnte man so kleine Winzbilder ausdrucken, um die man einen Rahmen basteln konnte usw. Als ich vierzehn war, hatte ich mein ganzes Portemonnaie voll mit diesen Dingern. War ja irgendwie klar, dass diese Fotoautomaten aus Japan kamen. Doch wo bei uns der Trend langsam im Nichts verschwand, wurde die Idee in Japan perfektioniert. Hier konnte man sich Kostüme ausliehen (Schuluniformen, Gruftioutfits, usw) und dann quetschte man sich mit der ganzen Gruppe in so einen Automaten. Zum Glück bestand keiner darauf, sich Kostüme auszuleihen, denn ich wäre nur ungern in einer ultra kurze Schuluniform geschlüpft. Nachdem wir 15 Fotos geschossen hatten, mussten wir um den Automaten herum gehen und dort in einer kleinen Kammer unsere Bilder bearbeiten. Wir fügten also ganz viele Herzen, dumme Sprüche und extrem viel Kitsch hinzu und druckten sie dann aus. Das Ergebnis zeige ich euch, wenn ich wieder zurück bin ;)

Nachdem wir uns also im Einkaufszentrum ausgetobt hatten, beschlossen wir auch die altmodische japanische Kultur zu besichtigen und fuhren zum „Shofuku-ji“. Dieser gilt als ältester zen-buddhistischer Tempel Japans. Ende des 12. Jahrhunderts gründete ihn der Priester Eisai, der Zen und Tee in Japan einführte. Zunächst reinigten wir uns mit den zur Verfügung stehende Kellen, die in einem Wasserbassin vor dem Tempel ruhen. Dabei muss man zuerst das Wasser über die linke Hand laufen lassen, dann über die rechte Hand und schließlich spült man sich mit dem Wasser den Mund aus. Ganz zum Schluss lässt man das Wasser noch über den Stiel der Kelle laufen, damit diese für den nächsten Benutzer gereinigt ist. Auf dem Tempelgelände konnten wir uns Schicksal anhand von Zetteln bestimmen, die man für ein paar Yen aus einer großen Truhe ziehen musste. Wenn man ein schlechtes Schicksal zog, konnte man dieses an eine Leine hängen und es somit abwenden. Ein gutes Schicksal nahm man mit nach Hause. Außerdem gab es auch die Möglichkeit, auf eine Holztafel seine Wünsche und Träume einzuritzen. Diese hängt man dann an eine große Wand. An dieser Wand entdeckten wir auch einige Holztafeln von Studenten unserer Uni, die sich ein gutes Examen wünschten. Nachdem Yuki noch kurz für unsere aller Gesundheit gebetet hat, verließen wir den Tempel und fuhren zu dem berühmten „Ohori-Park“. Dieser Park ist sehr beliebt bei den Bewohnern Fukuokas, da er wunderschön gestaltet ist, mit kleinen Wegen, riesigen Seen, altmodischen Pavillons und idyllischen Inseln. Dort ließen wir ein wenig unsere Seele baumeln und begaben uns schließlich, frisch ausgeruht, auf den Rückweg Richtung Beppu. Doch bevor wir nach Hause fuhren, hielten wir noch auf einem Berggipfel oberhalb der Uni an. Es war bereits dunkeln und wir hatten einen wunderschönen Blick auf die Lichter Beppus und Oitas, die Bucht und das dunkle Meer und unsere Uni in den einsamen Bergen Beppus. Ein gelungener Abschluss eines sehr schönen Tages!

Dienstag, 29. September 2009

Shopping


Auf Grund meiner für japanische Verhältnisse ungewöhnlichen Größe stellen sich die Shoppingtouren etwas schwieriger als in Deutschland da. So habe ich sowohl in Beppu, als auch in Oita eher weniger erfolgreich nach Klamotten gesucht. Die Ausflüge waren aber trotzdem ein Erlebnis wert.

Oita ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur und liegt direkt neben Beppu. Die beiden Städte sind ungefähr mit Bonn und Köln zu vergleichen (nur ein bisschen kleiner). So dauert die Fahrt von Beppu bis nach Oita mit dem Bummelzug 15 Minuten, während die Fahrt von der Uni bis zum Bahnhof mit dem Bus über eine halbe Stunde dauert. Am Bahnhof angekommen, musste ich mich allerdings erst mal durch das japanische System der Fahrkartenbeschaffung kämpfen. Zunächst muss man hier auf einer großen Tafel schauen, wo man hinfahren muss. Leider sind die Orte alle in Kanji geschrieben und man muss sich also gut vorbereiten, indem man den gewünschten Zielort vorher im Lexikon nachschlägt. Hat man den Ort gefunden, steht daneben der Preis. Zu beachten ist jedoch, dass es oft zwei Eisenbahnanbieter gibt. JR, die staatliche Eisenbahn, und meist noch private regionale Anbieter. Sobald man also herausgefunden hat, welcher Anbieter der günstigere ist, kann man an ein Fahrkartenautomaten gehen. Dort stehen allerdings nicht die Fahrstrecken wie bei uns in Deutschland zur Verfügung, sondern nur der Preis. Für die Fahrt mit dem Bummelzug nach Oita musste ich ein 270 Yen Ticket ziehen. Danach geht man durch eine Absperrung, an der ein Schaffner die Fahrkarte kontrolliert. Da man sich allerdings erst nach der Absperrung für ein Gleis entscheidet, verstehe ich noch nicht ganz den Sinn und Zweck der Fahrkartenkontrolle zu diesem seltsamen Zeitpunkt. Auch auf dem Gleis muss man aufpassen, dass man in den Zug des richtigen Anbieters einsteigt. Ansonsten müsste man auf das Ticket einen Aufpreis zahlen (wo genau, war mir allerdings nicht klar).

In Oita angekommen, muss man erneut durch eine technische Absperrung vergleichbar mit manchen Absperrungen der Berliner U-Bahn. Jedoch sind diese nicht zu und gehen erst auf, wenn man sein Ticket eingeführt hat. Nein, das wäre wohl zu unhöflich und würde einem den Eindruck der Kontrolle vermitteln. Diese Absperrungen stehen offen, so dass der unerfahrene Fremde denkt, man könnte sie einfach passieren. Versucht man dies jedoch, ohne seine Fahrkarte vorher eingeführt zu haben, schließen sich die Schranken (offenbar durch eine Lichtschranke ausgelöst) und man zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Also suchte ich notgedrungen nach meinem Ticket, dass ich irgendwo in meinem Rucksack gut verstaut hatte, da ich dachte eine Kontrolle wäre genug. Aber da hatte ich mich wohl geirrt. Zum Glück habe ich es dann doch gefunden und ich konnte unbehelligt passieren. Das System habe ich allerdings immer noch nicht verstanden. Da es im Zug offensichtlich keine Schaffner gibt, könnte man sich doch einfach ein günstigeres Ticket kaufen und damit die Kontrollen passieren, oder? Woher wollen sie denn bitte wissen, welchen Zug ich dann tatsächlich genommen habe? Aber entweder sind die Japaner dazu zu ehrlich oder es gibt noch ein geheimes System der Kontrolle, dass ich nicht mitbekommen habe. Geheime Kontrolle ist hier in Japan nämlich sehr beliebt. Sie geben einem das Gefühl der totalen Unabhängigkeit und dann stellt man durch Zufall fest, dass sie einen die ganze Zeit beobachtet haben. So hat mich zum Beispiel ein Freund aus dem AP House gewarnt, niemals nur mit einem Messer bewaffnet den Flur zu betreten. Als er sich nämlich ein edles Messer gekauft hat und es nachdem er es ausgepackt hatte, einem Freund am anderen Ende des Flurs zeigen wollte, standen 5 Minuten später mehrere Security-Leute vor der Tür seines Freundes. Es stellte sich heraus, dass das gesamte Haus Kamera überwacht ist (abgesehen von Toiletten und Duschen... behaupten sie zumindest...) und sie Angst hatten, dass es nachdem die beiden für längere Zeit das Zimmer nicht verlassen hatten, zu einer Messerstecherei gekommen ist. Es ist ja sehr rührend, dass sie sich so viel Sorgen um uns Hausbewohner machen, aber dass wir rund um die Uhr überwacht werden, hätten sie uns ruhig vorher sagen können.

Die Shoppingtouren hielten auch einige Überraschungen für mich bereit. So gibt es weder in Beppu noch in Oita normale Einkaufsstraßen mit kleinen Läden (höchstens in den unheimlichen Vierteln :P), sondern ähnlich wie in Amerika riesige Einkaufszentren mit allem was man braucht unter einem Dach. Trotz der großen Auswahl an Läden lässt die Auswahl an Klamotten jedoch zu wünschen übrig. Durchstreift man die japanischen Klamottenläden, bekommt man schnell den Eindruck alle Japaner seien gleich groß. Überall kann man Größe M bewundern. Größe M? Super, das ist ja genau meine Größe, dachte ich mir, und betrat mit einem Haufen Klamotten die Umkleidekabine. Aufgeregt lief eine Verkäuferin hinter mir her und hielt mir den Vorhang der Umkleidekabine auf. Offensichtlich darf man hier nicht einfach so eine Kabine betreten, sondern muss gefälligst den übertrieben Service in Anspruch nehmen. Na gut, da ich voll beladen war, nahm ich das Angebot an und nickte freundlich als mich die Bedienung auf japanisch zutextete. Als sie allerdings immer aufgeregter wurde und hastig auf meine Füße zeigte begriff ich, dass das nicht nur bloße Freundlichkeit war. Ich hatte doch tatsächlich gewagt, die Umkleidekabine mit meinen Schuhen zu betreten. Offensichtlich muss man in Japan nicht nur vor Betreten einer Wohnung die Schuhe ausziehen, sondern ebenfalls vor Betreten einer Umkleidekabine. Macht ja auch irgendwie Sinn, oder? An diesem Tag war ich froh über das warme Wetter, das mich dazu gebracht hatte am morgen zu meinen Flip Flops zu greifen. Hätte ich meine Chucks angehabt und jedes Mal die Schuhe aufschnüren und wieder zuschnüren müssen, wäre ich wohl nicht in so viele Umkleidekabinen gegangen. Als mich die Verkäuferin endlich alleine gelassen hatte, viel mein Blick auf eine Box in der Ecke der Umkleide. Kurzentschlossen, zog ich einen Plastikplane heraus. Ah, der ist bestimmt dazu da, dass man ihn auf den Fußboden legt. Aus hygienischen Gründen, da hier so viele Leute mit nackten Füßen ein und aus gehen. Aber nein, auch da hatte ich mich wieder geirrt. Über Hygiene macht man sich hier im Alltagsleben nicht so viel Sorgen. Nur bei Ausbruch eines Hustens :D Natürlich war die vermeindliche Plastikplane nicht für den Fußboden gedacht. Nach genauerer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass es keine Plane war, sondern ein Sack. Ein durchsichtiger Plastiksack. Was sollte ich denn damit anstellen? Verwirrt musterte ich die Box genauer und fand auch prompt eine Zeichnung. Man sollte sich den Plastiksack über den Kopf ziehen! Wie bitte? Lernt man hier etwa nicht schon als kleines Kind, dass man sich niemals einen Plastiksack über den Kopf ziehen sollte? Ich wusste ja, dass die Selbstmordraten in Japan sehr hoch sind, aber so ein Angebot in der Umkleide? Nach längerem hin und her, beschloss ich, dass dieser Plastiksack nur eine Bedeutung haben konnte: Schaut man sich auf Japans Straßen um, sieht man nämlich verdammt viele durchgestylte und extrem stark geschminkte Japanerinnen. Dieser Sack konnte nur den Zweck erfüllen, die Klamotten vor Make-Up Spuren zu schützen. Das kam bei mir zum Glück nicht in Frage, da ich kein Make-Up trage. Ich stopfte also den Plastiksack verängstigt zurück in die Box und tat so, als habe ich ihn nie gesehen. Scheiß auf Hygiene oder auf einen möglichen Erstickungstod, Hauptsache die Allgemeinheit ist vor dem Anblick Make-up verschmierter Klamotten geschützt!

Etwas verwirrt stieg ich also in meine Klamottenauswahl und musste enttäuscht feststellen, dass das japanische M mehr einem deutschen XS entspricht. Hätte ich mir ja auch denken können. Enttäuscht verließ ich Oita mit den viel zu kleinen Klamotten und ging in Beppu in das bereits erwähnte youme. Noch wollte ich die Hoffnung nicht ganz auf geben und nachdem Timo mir erzählt hat, dass er letztes Mal hier T-Shirts gekauft hatte, besserte sich meine Laune sofort. Er zeigte mir einen Laden namens UniQlo (offensichtlich das japanische H&M), in dem ich tatsächlich Klamotten in L und XL gefunden habe. Und ratet mal: L ist natürlich auch zu klein. Ich bin also eine japanische XL. Mann, ist das deprimierend. Aber damit nicht genug. Während L noch ziemlich normal geschnitten ist und eigentlich auch passt, nur dass eben alle Oberteile zu kurz sind, ist der Unterschied zwischen L und XL enorm. XL hat zwar den Vorteil lang genug zu sein, allerdings passen dann auch zwei von mir rein. Was sind das denn bitte für Japaner, die diese Größe haben? Sumo-Ringer?

Nach längerem Suchen entdeckte ich zum Glück noch ein Top in XL, dass nicht einem Sack ähnelte. Allerdings hätte ich meine BHs in Deutschland lassen können, denn offensichtlich haben die Japanerinnen solche Komplexe ihre Oberweite betreffend, dass in den Tops bereits wunderbare Push-Up-BHs eingenäht sind. Dankeschön!

Auch bei Schuhen hatte ich leider nicht so viel Glück. Nachdem ich meine japanische Schuhgröße (26-27 cm) herausgefunden habe, musste ich leider feststellen, dass es bei den Frauen nur bis 25 cm ging. Enttäuscht fragte ich einen Verkäufer, der beschämt zu Boden schaute und nickte. „Women, 25. Go to Men!“, murmelte er. Nein danke, dann lieber nicht. Herrenschuhe sind hier nämlich keine Schönheit :P