Dienstag, 29. September 2009

Shopping


Auf Grund meiner für japanische Verhältnisse ungewöhnlichen Größe stellen sich die Shoppingtouren etwas schwieriger als in Deutschland da. So habe ich sowohl in Beppu, als auch in Oita eher weniger erfolgreich nach Klamotten gesucht. Die Ausflüge waren aber trotzdem ein Erlebnis wert.

Oita ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur und liegt direkt neben Beppu. Die beiden Städte sind ungefähr mit Bonn und Köln zu vergleichen (nur ein bisschen kleiner). So dauert die Fahrt von Beppu bis nach Oita mit dem Bummelzug 15 Minuten, während die Fahrt von der Uni bis zum Bahnhof mit dem Bus über eine halbe Stunde dauert. Am Bahnhof angekommen, musste ich mich allerdings erst mal durch das japanische System der Fahrkartenbeschaffung kämpfen. Zunächst muss man hier auf einer großen Tafel schauen, wo man hinfahren muss. Leider sind die Orte alle in Kanji geschrieben und man muss sich also gut vorbereiten, indem man den gewünschten Zielort vorher im Lexikon nachschlägt. Hat man den Ort gefunden, steht daneben der Preis. Zu beachten ist jedoch, dass es oft zwei Eisenbahnanbieter gibt. JR, die staatliche Eisenbahn, und meist noch private regionale Anbieter. Sobald man also herausgefunden hat, welcher Anbieter der günstigere ist, kann man an ein Fahrkartenautomaten gehen. Dort stehen allerdings nicht die Fahrstrecken wie bei uns in Deutschland zur Verfügung, sondern nur der Preis. Für die Fahrt mit dem Bummelzug nach Oita musste ich ein 270 Yen Ticket ziehen. Danach geht man durch eine Absperrung, an der ein Schaffner die Fahrkarte kontrolliert. Da man sich allerdings erst nach der Absperrung für ein Gleis entscheidet, verstehe ich noch nicht ganz den Sinn und Zweck der Fahrkartenkontrolle zu diesem seltsamen Zeitpunkt. Auch auf dem Gleis muss man aufpassen, dass man in den Zug des richtigen Anbieters einsteigt. Ansonsten müsste man auf das Ticket einen Aufpreis zahlen (wo genau, war mir allerdings nicht klar).

In Oita angekommen, muss man erneut durch eine technische Absperrung vergleichbar mit manchen Absperrungen der Berliner U-Bahn. Jedoch sind diese nicht zu und gehen erst auf, wenn man sein Ticket eingeführt hat. Nein, das wäre wohl zu unhöflich und würde einem den Eindruck der Kontrolle vermitteln. Diese Absperrungen stehen offen, so dass der unerfahrene Fremde denkt, man könnte sie einfach passieren. Versucht man dies jedoch, ohne seine Fahrkarte vorher eingeführt zu haben, schließen sich die Schranken (offenbar durch eine Lichtschranke ausgelöst) und man zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Also suchte ich notgedrungen nach meinem Ticket, dass ich irgendwo in meinem Rucksack gut verstaut hatte, da ich dachte eine Kontrolle wäre genug. Aber da hatte ich mich wohl geirrt. Zum Glück habe ich es dann doch gefunden und ich konnte unbehelligt passieren. Das System habe ich allerdings immer noch nicht verstanden. Da es im Zug offensichtlich keine Schaffner gibt, könnte man sich doch einfach ein günstigeres Ticket kaufen und damit die Kontrollen passieren, oder? Woher wollen sie denn bitte wissen, welchen Zug ich dann tatsächlich genommen habe? Aber entweder sind die Japaner dazu zu ehrlich oder es gibt noch ein geheimes System der Kontrolle, dass ich nicht mitbekommen habe. Geheime Kontrolle ist hier in Japan nämlich sehr beliebt. Sie geben einem das Gefühl der totalen Unabhängigkeit und dann stellt man durch Zufall fest, dass sie einen die ganze Zeit beobachtet haben. So hat mich zum Beispiel ein Freund aus dem AP House gewarnt, niemals nur mit einem Messer bewaffnet den Flur zu betreten. Als er sich nämlich ein edles Messer gekauft hat und es nachdem er es ausgepackt hatte, einem Freund am anderen Ende des Flurs zeigen wollte, standen 5 Minuten später mehrere Security-Leute vor der Tür seines Freundes. Es stellte sich heraus, dass das gesamte Haus Kamera überwacht ist (abgesehen von Toiletten und Duschen... behaupten sie zumindest...) und sie Angst hatten, dass es nachdem die beiden für längere Zeit das Zimmer nicht verlassen hatten, zu einer Messerstecherei gekommen ist. Es ist ja sehr rührend, dass sie sich so viel Sorgen um uns Hausbewohner machen, aber dass wir rund um die Uhr überwacht werden, hätten sie uns ruhig vorher sagen können.

Die Shoppingtouren hielten auch einige Überraschungen für mich bereit. So gibt es weder in Beppu noch in Oita normale Einkaufsstraßen mit kleinen Läden (höchstens in den unheimlichen Vierteln :P), sondern ähnlich wie in Amerika riesige Einkaufszentren mit allem was man braucht unter einem Dach. Trotz der großen Auswahl an Läden lässt die Auswahl an Klamotten jedoch zu wünschen übrig. Durchstreift man die japanischen Klamottenläden, bekommt man schnell den Eindruck alle Japaner seien gleich groß. Überall kann man Größe M bewundern. Größe M? Super, das ist ja genau meine Größe, dachte ich mir, und betrat mit einem Haufen Klamotten die Umkleidekabine. Aufgeregt lief eine Verkäuferin hinter mir her und hielt mir den Vorhang der Umkleidekabine auf. Offensichtlich darf man hier nicht einfach so eine Kabine betreten, sondern muss gefälligst den übertrieben Service in Anspruch nehmen. Na gut, da ich voll beladen war, nahm ich das Angebot an und nickte freundlich als mich die Bedienung auf japanisch zutextete. Als sie allerdings immer aufgeregter wurde und hastig auf meine Füße zeigte begriff ich, dass das nicht nur bloße Freundlichkeit war. Ich hatte doch tatsächlich gewagt, die Umkleidekabine mit meinen Schuhen zu betreten. Offensichtlich muss man in Japan nicht nur vor Betreten einer Wohnung die Schuhe ausziehen, sondern ebenfalls vor Betreten einer Umkleidekabine. Macht ja auch irgendwie Sinn, oder? An diesem Tag war ich froh über das warme Wetter, das mich dazu gebracht hatte am morgen zu meinen Flip Flops zu greifen. Hätte ich meine Chucks angehabt und jedes Mal die Schuhe aufschnüren und wieder zuschnüren müssen, wäre ich wohl nicht in so viele Umkleidekabinen gegangen. Als mich die Verkäuferin endlich alleine gelassen hatte, viel mein Blick auf eine Box in der Ecke der Umkleide. Kurzentschlossen, zog ich einen Plastikplane heraus. Ah, der ist bestimmt dazu da, dass man ihn auf den Fußboden legt. Aus hygienischen Gründen, da hier so viele Leute mit nackten Füßen ein und aus gehen. Aber nein, auch da hatte ich mich wieder geirrt. Über Hygiene macht man sich hier im Alltagsleben nicht so viel Sorgen. Nur bei Ausbruch eines Hustens :D Natürlich war die vermeindliche Plastikplane nicht für den Fußboden gedacht. Nach genauerer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass es keine Plane war, sondern ein Sack. Ein durchsichtiger Plastiksack. Was sollte ich denn damit anstellen? Verwirrt musterte ich die Box genauer und fand auch prompt eine Zeichnung. Man sollte sich den Plastiksack über den Kopf ziehen! Wie bitte? Lernt man hier etwa nicht schon als kleines Kind, dass man sich niemals einen Plastiksack über den Kopf ziehen sollte? Ich wusste ja, dass die Selbstmordraten in Japan sehr hoch sind, aber so ein Angebot in der Umkleide? Nach längerem hin und her, beschloss ich, dass dieser Plastiksack nur eine Bedeutung haben konnte: Schaut man sich auf Japans Straßen um, sieht man nämlich verdammt viele durchgestylte und extrem stark geschminkte Japanerinnen. Dieser Sack konnte nur den Zweck erfüllen, die Klamotten vor Make-Up Spuren zu schützen. Das kam bei mir zum Glück nicht in Frage, da ich kein Make-Up trage. Ich stopfte also den Plastiksack verängstigt zurück in die Box und tat so, als habe ich ihn nie gesehen. Scheiß auf Hygiene oder auf einen möglichen Erstickungstod, Hauptsache die Allgemeinheit ist vor dem Anblick Make-up verschmierter Klamotten geschützt!

Etwas verwirrt stieg ich also in meine Klamottenauswahl und musste enttäuscht feststellen, dass das japanische M mehr einem deutschen XS entspricht. Hätte ich mir ja auch denken können. Enttäuscht verließ ich Oita mit den viel zu kleinen Klamotten und ging in Beppu in das bereits erwähnte youme. Noch wollte ich die Hoffnung nicht ganz auf geben und nachdem Timo mir erzählt hat, dass er letztes Mal hier T-Shirts gekauft hatte, besserte sich meine Laune sofort. Er zeigte mir einen Laden namens UniQlo (offensichtlich das japanische H&M), in dem ich tatsächlich Klamotten in L und XL gefunden habe. Und ratet mal: L ist natürlich auch zu klein. Ich bin also eine japanische XL. Mann, ist das deprimierend. Aber damit nicht genug. Während L noch ziemlich normal geschnitten ist und eigentlich auch passt, nur dass eben alle Oberteile zu kurz sind, ist der Unterschied zwischen L und XL enorm. XL hat zwar den Vorteil lang genug zu sein, allerdings passen dann auch zwei von mir rein. Was sind das denn bitte für Japaner, die diese Größe haben? Sumo-Ringer?

Nach längerem Suchen entdeckte ich zum Glück noch ein Top in XL, dass nicht einem Sack ähnelte. Allerdings hätte ich meine BHs in Deutschland lassen können, denn offensichtlich haben die Japanerinnen solche Komplexe ihre Oberweite betreffend, dass in den Tops bereits wunderbare Push-Up-BHs eingenäht sind. Dankeschön!

Auch bei Schuhen hatte ich leider nicht so viel Glück. Nachdem ich meine japanische Schuhgröße (26-27 cm) herausgefunden habe, musste ich leider feststellen, dass es bei den Frauen nur bis 25 cm ging. Enttäuscht fragte ich einen Verkäufer, der beschämt zu Boden schaute und nickte. „Women, 25. Go to Men!“, murmelte er. Nein danke, dann lieber nicht. Herrenschuhe sind hier nämlich keine Schönheit :P

Freitag, 25. September 2009

Beppu





Heute war ich das erste Mal mit Timo in Beppu auf einer Besichtigungstour. Da der Campus auf einem Berg liegt und man hier alles kaufen kann, was man braucht (abgesehen von Alkohol) und die Busfahrt nach Beppu nicht nur 20 Minuten dauert, sondern auch noch unverschämt teuer ist (ca. 5 Euro), gehen die meisten Studenten nicht sehr oft nach Beppu.

Beppu ist für japanische Verhältnisse eine ziemlich kleine Stadt und ungefähr so groß wie Göttingen. Allerdings sprießen die Häuser hier aus Platzmangel unglaublich in die Höhe. Während wir in Göttingen vielleicht zwei bis drei Hochhäuser haben, die den Namen auch wirklich verdienen, steht hier eins neben dem anderen. Aus diesem Grund hat Beppu zwar mehr Einwohner als Göttingen, geht man aber von der Fläche aus, ist es eine ziemlich kleine Stadt, die man auch zu Fuß bewältigen kann. Sie besteht hauptsächlich aus Hotels, einigen Pachinko-Centern (Pachinko ist der Nationalsport Japans :D), einem Vergnügungsviertel und natürlichen einer unglaublichen Anzahl an Onsen (heiße Quellen).

Timo und ich steuerten heute direkt auf das große Einkaufszentrum youme (gesprochen jüümee) zu. Jedoch nicht, ohne zuvor einige Straßen überqueren zu müssen. Dabei stießen wir auf die nächsten Eigenheiten der Japaner: singende Ampeln. Unglaublich, aber wahr. Ist die Ampel noch rot, sieht sie wie eine ganz normale Ampel aus. Wird sie jedoch grün, ertönt eine Melodie, die mich an meine frühen Kindheitslieder erinnert, und neben der Ampel erscheint eine Anzeige, auf der zu erkennen ist, wie lange diese Ampel noch grün ist. Dies dient wohl dem Zweck, dass man einschätzen kann, ob man noch die Zeit hat, die Straße zu überqueren, bevor die Ampel rot wird. Wenn ihr aber denkt, jede Ampel spielt die gleiche Melodie, dann habt ihr euch geirrt. Während einige richtige Lieder vor sich hin trällern, tuten andere nur monoton vor sich hin oder geben einen nervigen andauernden Ton von sich. Meine Lieblingsampeln sind jedoch die kleinen, nicht so wichtigen Ampeln der Nebenstraßen. Denn diese Ampeln haben das Privileg schweigen zu dürfen. Während die Hauptstraßen also von einem Dauertuten und –tröten erfüllt sind, herrscht in den Nebenstraßen eine angenehme Ruhe.

Im youme-Zentrum angekommen, begaben wir uns auf die Suche, nach etwas Essbaren. Dies gestaltete sich sehr einfach, denn die ganze untere Etage war überfüllt mit Restaurants. Auch meine Angst, dass ich meine Essensbestellung erraten müsste, war total unbegründet. Die Japaner sind netterweise so freundlich, ihre gesamte Speisekarte mit Bildern auszustatten. Und als ob das nicht genug wäre, stellen sie diese Speisen auch noch in Form von Wachskunstwerken in einem Schaufenster vor dem Eingang aus. Nachdem wir uns ein Restaurant mit einigermaßen westlich ausschauenden Speisen ausgesucht hatten, wurden wir an einen Tisch geführt und sofort mit Tee bedient. In japanischen Restaurants muss man offensichtlich nie Geld für Getränke ausgeben, da man entweder (wie in diesem Fall) eine Kanne Tee, oder einfach eine Menge Wasser an den Platz gebracht bekommt, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Nachdem wir unsere Mägen (mit keine Ahnung was das war) gefüllt hatten, durchstreiften wir das Einkaufszentrum auf der Suche nach einem 100 Yen Shop, wo wir uns günstig mit Geschirr ausstatten wollten. Zunächst stießen wir jedoch auf einen Laden, der bis zum Rand mit Kitsch gefüllt war. Dort konnte man zum Beispiel „Glücksbärchen“-Kuscheltiere, „Elmo“-Hausschuhe, seltsame Kostüme (u.a. auch eine Michael Jackson Maske) und noch vieles mehr kaufen. Von den komischen Süßigkeiten und den seltsamen Comics fang ich lieber gar nicht erst an zu berichten ;)

Trotz des berauschenden Angebots konnten wir uns gerade noch zurückhalten und gingen in den nächsten Laden. Ein Buchladen. Super, endlich konnte ich mir meinen ersten japanischen Manga kaufen. Doch zunächst machte ich wieder Bekanntschaft mit der japanischen Freundlichkeit. Denn kaum betraten wir den Laden, ertönte ein lautes „irasshaimase“. Das bedeutet ungefähr: „kommen sie!“. In Japan wird man ständig so begrüßt, wenn man einen Laden betritt, doch darf man auf keinen Fall zurückgrüßen. Höchstens ein kleines „konnichiwa“ wäre möglich, aber auch das ist unüblich. So standen Timo und ich zum Beispiel vor einem Manga-Regal und versuchten uns durch das japanische System der Sortierung zu kämpfen, da kam auch schon ein Mitarbeiter vorbei, blieb kurz irritiert stehen, schreite ein fröhliches „irasshaimase“ und verschwand im Lager. Kurz darauf kam er wieder raus, sah uns erneut und es ertönte auch prompt das erwartete „irasshaimase“. Fast hätte ich etwas erwiedert, doch ich zwang mich nur zu einem kurzen Kopfnicken und vergrub mich wieder in die Mangas. Mensch, kam ich mir unhöflich vor.

Nachdem sowohl Timo, als auch ich, uns mit den berühmten japanischen Comics eingedeckt hatten, stießen wir auf eine Spielhalle. Mitten im Einkaufszentrum. Spielhallen haben hier in Japan nicht den verruchten Beigeschmack wie in Deutschland und so kam es, dass wir einen Vater dabei beobachtet haben, wie er seinen Sohn bei Mario-Kart abgezogen hat, ein älteres Ehepaar hat in trauter Zweisamkeit ihre Rente verspielt und die coolen Jugendlichen hingen vor künstlichen Schlagzeugen und Gitarren und spielten, was das Zeug hielt. Schon einmal etwas von richtigen Instrumenten gehört?

Total erschöpft von diesen zahlreichen Erfahrungen und etwas peinlich berührt, weil wir ständig angestarrt wurden, starteten wir unseren Heimweg zurück in die Sicherheit des Campus.

Karaoke



Mein erstes Wochenende in Japan hat begonnen, und womit könnte man es besser feiern, als mit einer Karaoke-Session? Freudig erregt begannen die Japaner unsere gemeinsame Karaoke Nacht zu planen, denn sie wollten uns Ausländern unbedingt DIE japanische Abendbeschäftigung schlechthin nahe bringen. „Nacht“ ist in diesem Kontext übrigens das richtige Wort. Denn wie ihr sicherlich schon wisst, ist die Uni nicht direkt in Beppu, sondern etwas weiter außerhalb auf einem Berg mitten in der Wildnis gelegen. Aus diesem Grund muss man immer mit dem Bus nach Beppu fahren (es sei denn man nimmt einen zweistündigen Fußmarsch durch die Wildnis auf sich). Leider lässt die Studentenfreundlichkeit der Japaner gerade in diesem Punkt zu wünschen übrig. Denn der letzte Bus von oder auch nach Beppu fährt um 22 Uhr. Also beschlossen wir, diesen letzten Bus in die Stadt zu nehmen und dann die ganze Nacht Karaoke durchzusingen.


Nachdem wir die günstigste Karaokebar gefunden hatten (und glaubt mir, wir hatten wirklich die Qual der Wahl), zahlte jeder 1000 Yen (ca. 7,50 €) für 6 Stunden Karaoke-Abenteuer. Da wir allerdings 10 Leute waren und die Karaoke-Boxen eher kleine Kabinchen sind, in denen viele Japaner wohl nicht nur Karaoke singen, mussten wir uns auf zwei Boxen aufteilen. Ich teilte mir meine Box mit Yuki und Taiki aus Japan, Abebe aus Kanada und Andrew aus Singapur. Der Raum ist mit zwei Flachbildfernsehern und einer Karaokebox ausgestattet. Zu der Karaokebox gehören zwei „Fernbedienungen“ auf denen man sich im elektronischen Archiv das gewünschte Lied aussuchen und dieses dann per Bluetooth an die Karaokebox senden konnte. Sofort begannen die Japaner mit der Auswahl der Lieder und schmetterten bereits die ersten japanischen Schnulzen. Auch ich wollte mir ein Lied aussuchen, musste aber entsetzt feststellen, dass die Fernbedienungen auf japanisch waren. Zum Glück gab es jedoch auch noch ein dickes Buch, in dem ich blättern konnte und dann nur noch die Liednummern in das System eingeben musste. Das würde ich gerade noch so schaffen ;)

Nachdem ich ein paar englische Lieder gesungen hatte, entdeckte ich einen Abschnitt mit deutschen Liedern. Die Auswahl war hier leider nicht sehr groß, aber ich wurde ausgiebigst gefeiert, als ich Rammstein (Feuer, Sonne), Dschingis Khan(Moskau, Dschingis Khan) und Nena (99 Luftballons) trällerte. Mehr gabs dann auch nicht, denn an den Erlkönig traute ich mich dann doch nicht ran :P


Gegen halb fünf mussten wir dann die Karaokeboxen räumen und einige teilten sich schließlich doch ein Taxi nach Hause. Taxis sind hier in Japan übrigens (wie fast alles) unverschämt teuer, weswegen sich der Rest von uns lieber an den Strand begab, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Ich glaube, ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die Sonnenaufgänge in Japan die schönsten sind ;) Außerdem war ich sehr froh, als schließlich die Sonne aufging, denn obwohl es hier tagsüber um die 30 Grad ist, wird es sobald die Sonne untergeht sehr sehr kalt. Die Temperaturunterschiede sind echt unglaublich. Also lagen wir um halb sechs Uhr morgens auf ein paar Steinen am Strand und ließen uns von den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen. Das war ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Abend.

Mittwoch, 23. September 2009

Schweinegrippe


Trotz der ausreichenden Informationen und allen aufwendigen bürokratischen Hürden, ist es passiert. Ab heute müssen wir alle eine Woche mit Mundschutz rumlaufen, denn es wurde ein Fall von Schweinegrippe an der Uni bekannt. Aber keine Panik, ich habe mich noch nie in meinem Leben so sicher vor der Grippe gefühlt wie hier. Abgesehen davon, dass wir alle rumlaufen wie Chirurgen benehmen wir uns auch so: Die Toilette muss vor jeder Benutzung desinfiziert werden, wenn man ein Gebäude verlässt und ein anderes betritt, muss man sich zunächst bei Verlassen die Hände desinfizieren und dann erneut beim Betreten. Wir haben ebenfalls eine Jodlösung bekommen, mit der wir uns dreimal täglich den Mund ausspülen müssen. Außerdem erschien bereits mehrmals am Tag eine Durchsage mit den üblichen Hygienehinweisen. Ihr seht also, ich bin hier bestens aufgehoben.

Heute Nacht habe ich auch das erste Mal richtig geschlafen und ich habe in einem Supermarkt Cornflakes und Bananen gefunden! Ich denke, ich brauche noch einige Zeit, bis ich mir hier richtig eingewöhnt habe, aber ich bin mittlerweile zuversichtlich, dass ich es schaffen werde (wovon ich am Anfang nicht so überzeugt war).

Morgen ist die letzte Einführungsveranstaltung bis es dann nächste Woche zum (längst überfälligen) Health Check geht. Wir haben also das Wochenende bis Mittwoch frei (übrigens sind das auch offizielle Ferien, die Silver Week genannt werden) und Timo und ich überlegen, ob wir einen kleinen Ausflug in die Umgebung machen.

Ritsumeikan Asia Pacific University - Der internationale Campus



In Fukuoka angekommen wurden wir erneut über die Schweinegrippe aufgeklärt, mussten einen Wisch ausfüllen und es wurden sogar unsere Fingerabdrücke eingescannt und ein Foto von uns gemacht (wir sahen bestimmt wunderschön aus :D). Nachdem wir unser Gepäck abgeholt hatten, wurden wir bereits freudig von mehreren Japanern abgeholt. Zu unserer Überraschung war in unserem Flug auch ein Spanier (David), der ebenfalls an der APU für ein Semester studiert. Außerdem warteten bereits ein Deutscher (Johannes) und ein Österreicher (Thomas) auf uns. Ich fühlt mich sofort wieder heimisch, was allerdings endete sobald ich mir meinen ersten Eistee kaufte. Nachdem ich nur den grünen Eistee aus Deutschland kannte, kam mir dieser hier verdammt bitter und nahezu ungenießbar vor (obwohl er von Coca Cola war!). Unser Gepäck wurde uns kurz darauf wieder genommen, mit der Begründung es würde mit einem Truck nachkommen und wir stiegen in den Bus nach Beppu. Die Fahrt dauerte 1 ½ Stunden und obwohl wir nur auf der Autobahn fuhren, war die Landschaft wunderschön. Die Berge hier kann man einfach nicht mit den Bergen in Deutschland vergleichen. Sie sehen irgendwie aus wie riesige grüne Wellen, so geschwungen sind sie.

An der Bushaltestelle der Uni wurde wir bereits von zwei Japanerinnen erwartet. Diese zeigten uns kurz den Campus, wobei sie allerdings ständig kicherten, weil ihnen die englischen Wörter nicht eingefallen sind. Die beiden begleiteten uns allerdings nur zu unseren Häusern, wo wir in die vertrauenswürdigen Hände der Resident Assistents (RA) übergeben wurden. Die RA sind ebenfalls Studenten, die für die Ordnung und Sauberkeit der jeweiligen Flure verantwortlich sind. Meine RAs heißen Barbie und Mie und zeigten mir voller Begeisterung mein Zimmer, bezogen mein Bett und ließen mich dann allein, um mich einzurichten. Womit, fragte ich mich allerdings, denn mein Gepäck war noch nicht angekommen. Ich fühlte mich schrecklich, denn ich war total durchgeschwitzt und hundemüde. Trotzdem wollte ich mich nicht schlafen legen, denn ich wollte dem Jetlag keine allzu große Chance geben. Also ging ich auf dem Flur und machte Bekanntschaft mit Hon aus Singapur, Sabina aus Litauen und Rina von den Phillipien. Dabei erfuhr ich auch, dass meine Mitbewohnerin (unsere Zimmer sind durch eine Schiebetür getrennt) noch bei ihrer Familie ist, da wir noch zwei Wochen Semesterferien haben. Sie ist Japanerin und ihr Name ist Yoko. Soviel weiß ich immerhin schon. Außerdem erfuhr ich, dass es den Abend ein Kennenlerndinner gab. Leider kam mein Gepäck nicht rechtzeitig an, so dass ich mich vorher nicht umziehen oder auch duschen konnte. Dort lernte ich weitere Mitbewohner aus China, Korea und Bangladesh kennen. Nach den üblichen Kennenlernspielen wurden wir über das verrückte System der japanischen Mülltrennung aufgeklärt, welches ich ehrlich gesagt immer noch nicht ganz verstanden habe. So gibt es zum Beispiel eine Trennung zwischen dem brennbaren und dem nichtbrennbaren Müll. Plastikflaschen und Papier kommen also zusammen in den Müll. Weil beides brennbar ist. Manche Plastikflaschen mit einem besonderen Zeichen werden allerdings in eine andere Mülltonne zusammen mit Dosen geschmissen, weil diese eben nicht brennbar sind?! Außerdem muss man die Deckel und diese Dosenhenkel getrennt sammeln. Damit wird irgendwie Ländern in der Dritten Welt geholfen. Fragt mich bloß nicht wie.

Nach dem Essen wollte ich duschen und ins Bett gehen. Die Duschen sind erstaunlicherweise nicht zu klein für mich und sehr sauber. Es gibt drei Duschkabinen für 18 Leute, was vollkommen ausreichend ist, da die meisten hier mitten in der Nacht duschen. Beim Zähneputzen hatte ich allerdings mehr Probleme, denn das Waschbecken ging mir nur bis knapp über die Knie. Ich glaube, selbst für Kinder wäre das zu niedrig. In meinem Bett erwartete mich der nächste Kulturschock, denn die Matratze ist höchsten 3 cm dick und das Kopfkissen ist winzig und sehr hart. Es fühlt sich an, als wäre es bis zum Rand mit Reis gefüllt. Dies waren sicherlich auch Gründe, warum ich nicht schlafen konnte. Irgendwann war es mir zu doof einfach nur im Bett zu liegen und auf den Schlaf zu warten und so wanderte ich die Nacht durch mein Wohnheim und erkundigte die Gänge. Ich habe mich tatsächlich wie Bob Harris in „Lost in Translation“ gefühlt.


Die nächsten Tage verbrachte ich hauptsächlich mit Einführungsveranstaltungen und Touren über den Campus und durch Beppu. Die Uni ist hier wirklich sehr schön gelegen. Mitten in den Bergen mit einer wunderschönen Sicht über Beppu und die Bucht. In diesem Semester studieren hier 6000 Studenten aus 97 verschiedenen Ländern. Es sind auch entgegen aller Erwartungen viele Europäer (Finnland, Schweden, England, Tschechien, Spanien, Frankreich, Österreich, 11 Deutsche!) und Amerikaner darunter.

Was ich bis jetzt über Japan sagen kann? Ich kann nur die bestehenden Vorurteile bestätigen.

Es gibt verdammt viele Regeln: zum Beispiel dürfen Austauschstudenten offiziell nicht trinken, damit sie keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Außerdem dürfen wir hier keine motorisierten Fahrzeuge fahren, da uns nicht zugetraut wird, dass wir uns in der kurzen Zeit die Verkehrsregeln, die ja soooooo anders sind, aneignen können ;) Abgesehen davon, dass ich eh nicht vorhatte ein Auto zu fahren, musste ich bis jetzt feststellen, dass uns eh verdammt wenig zugetraut wird und es so schwachsinnige Regeln gibt, die eigentlich selbstverständlich sind, wenn sie aber ausgesprochen werden ein bisschen bevormundend klingen. Z.B.: The People of Beppu expect you to act like rolemodels so don’t disturb them in their daily life.

Ansonsten sind hier jedoch alle sehr nett und zuvorkommend.


Ich war gestern bereits auf meiner ersten japanischen Party eingeladen (bei der übrigens trotz Verbots Alkohol getrunken wurden, denn in Japan darf man erst mit 20 trinken und die meisten Japaner hier sind erst 19 Jahre alt und somit noch Minderjährig).

Auf dem Foto seht ihr übrigens eine 4l Flasche Sake. Da soll noch jemand sagen, dass die Japaner ihr Nationalgetränk nicht mögen würden ;)

Peking - Der Flughafen des Grauens

Mein erster langer Flug startete unproblematisch. Leider konnte ich in der langen Zeit nicht schlafen und so habe ich mir so wunderschöne Filme wie Drillboy, Bee Movie, Lost in Translation oder auch Transformers (der war allerdings so schlecht, dass ich irgendwann abgebrochen habe) angeguckt.

Als wir, also Timo und Ich, allerdings in Peking gelandet sind und dort in unseren Anschlussflug umsteigen wollten, begann die Katastrophe. Erstens mussten wir gefühlte 100 mal die Behörden über unseren Gesundheitsstatus aufklären, zweitens wurden wir von einem Schalter zum nächsten geschickt. Wenn ihr denkt, man kann in Peking einfach den Schildern folgen, dann habt ihr euch geirrt. Als Timo und ich bei den International Transfers standen, schickte man uns weg zu einem anderen Schalter. Dort wurden wir zwar „bearbeitet“, haben also einen wunderschönen Stempel in unseren Reisepass bekommen, allerdings wurde uns nicht erklärt, wo wir hin mussten. Also folgten wir einfach wieder dem nächsten Schild in Richtung Domestic Transfers. Als man dann allerdings in einen Shuttlebus einsteigen musste, um das Terminal zu wechseln, erkundigten wir uns doch lieber bei einem der vielen Beamten, wo wir denn hingehen müssten, wenn wir nach Fukuoka fliegen wollten. Nachdem wir ihm erklären mussten, dass Fukuoka nicht in China liegt, sondern in Japan, war er so verwirrt und hat uns einfach in eine Schlange zur Einreise nach China gestellt. Da uns das doch etwas seltsam vorkam, erkundigten wir uns bei einem zweiten Beamten, ob wir hier richtig seien. Der bejahte und gab uns ein Einreisefragebogen zum Ausfüllen. Nachdem wir diesen brav ausgefüllt hatten und endlich an der Reihe war, wurden wir von dem Schalterbeamten aufgeklärt, dass wir hier nicht richtig seien. Dieser war allerdings sehr hilfreich, hat sofort seinen Schalter geschlossen und hat uns (nachdem er sich selber noch mal erkundigt hatte) zurück zum Shuttlebus geführt. Wir mussten also tatsächlich in das andere Terminal fahren. Dort fragten wir eine etwas grantige Dame, ob wir in der Schlange für Domestic Transfers richtig wären. Sie bejahte dies, wollte uns allerdings nicht bedienen, bis wir nicht unser Gepäck zum einchecken geholt hätten. Auch auf unser Argument, dass wir bereits in Frankfurt eingecheckt hatten und unser Gepäck nicht hätten, antwortete sie lediglich mit einem „This is not Frankfurt. It is Beijing.” Ach nee. Danke für diese Information. Sie blieb also stur und Timo kämpfte sich tapfer bis zur nächsten Dame vor, die endlich verstanden hatte, was unser Problem war. Also schickte sie uns einfach ein Stockwerk höher, in eine weitere Schlange zum Security Check. Ich weiß nicht, ob Timo und ich so gefährlich aussehen, wir wurden auf jeden Fall sehr gründlich durchgecheckt. Wir mussten sogar unseren Laptop öffnen. Was sollen wir denn bitte dazwischen verstecken? Ein gemeines Blatt Papier? Ich vermute ja, dass das an Timos Bart lag. Ich habe bis jetzt noch keinen Asiaten mit Bart gesehen. Das muss sie so erschrocken haben, dass sie lieber auf Nummer sicher gingen ;)

Nach einem längeren Fußmarsch, bei dem wir den ganzen Weg den wir zuvor mit dem Shuttle zurückgelegt hatten, wieder zurückgingen, kamen wir endlich an unserem Gate an. Was für ein Glück. Ich war mittlerweile auch echt ins Schwitzen geraten. Einerseits aus Angst nie wieder den Flughafen verlassen zu können, andererseits war es verdammt warm (obwohl man vor lauter Smog die Sonne nicht sehen konnte. Das war vielleicht eine spannende Landung. Mitten in den Dunst hinein).

Trotz heftiger Turbulenzen, bin ich ruckzuck im Flugzeug eingeschlafen. Allerdings nicht lange, denn kurze Zeit später landeten wir in Dalian. Verdammt! Diesen Zwischenstop hatte ich ganz vergessen. Dadurch wurde unsere Tour durch den gesamten Flughafen Pekings wenigsten einigermaßen erklärt, denn Dalian liegt in China. Und so war es (teilweise zumindest) ein Inlandsflug. In Dalian mussten wir erneut das Flugzeug verlassen und anstatt einfach am Gate zu warten und wieder einzusteigen, sobald sie mit allem fertig waren, wurden wir erneut Opfer der Bürokratie Chinas. Natürlich mussten wir wieder einreisen, einen Gesundheitsbogen ausfüllen und wurden über die Schweinegrippe aufgeklärt. Nach einem kleinen Rundgang erreichten wir (welch ein Wunder) das Gate an dem wir angekommen sind und konnten erneut ins Flugzeug einsteigen. Die meisten Japaner, die mit uns geflogen sind, nutzten diesen kleinen Ausflug allerdings noch einmal für ein bisschen Duty Free Shopping. Mit 20 kg mehr Handgepäck an Board als vorher startete das Flugzeug also erneut. Und wieder fielen Timo und ich kurz nach dem Start in einen einigermaßen tiefen Schlaf, obwohl es auch diesmal so starke Turbulenzen gab, dass mein Kopf ständig hin und her geschleudert wurde.