Freitag, 25. September 2009

Karaoke



Mein erstes Wochenende in Japan hat begonnen, und womit könnte man es besser feiern, als mit einer Karaoke-Session? Freudig erregt begannen die Japaner unsere gemeinsame Karaoke Nacht zu planen, denn sie wollten uns Ausländern unbedingt DIE japanische Abendbeschäftigung schlechthin nahe bringen. „Nacht“ ist in diesem Kontext übrigens das richtige Wort. Denn wie ihr sicherlich schon wisst, ist die Uni nicht direkt in Beppu, sondern etwas weiter außerhalb auf einem Berg mitten in der Wildnis gelegen. Aus diesem Grund muss man immer mit dem Bus nach Beppu fahren (es sei denn man nimmt einen zweistündigen Fußmarsch durch die Wildnis auf sich). Leider lässt die Studentenfreundlichkeit der Japaner gerade in diesem Punkt zu wünschen übrig. Denn der letzte Bus von oder auch nach Beppu fährt um 22 Uhr. Also beschlossen wir, diesen letzten Bus in die Stadt zu nehmen und dann die ganze Nacht Karaoke durchzusingen.


Nachdem wir die günstigste Karaokebar gefunden hatten (und glaubt mir, wir hatten wirklich die Qual der Wahl), zahlte jeder 1000 Yen (ca. 7,50 €) für 6 Stunden Karaoke-Abenteuer. Da wir allerdings 10 Leute waren und die Karaoke-Boxen eher kleine Kabinchen sind, in denen viele Japaner wohl nicht nur Karaoke singen, mussten wir uns auf zwei Boxen aufteilen. Ich teilte mir meine Box mit Yuki und Taiki aus Japan, Abebe aus Kanada und Andrew aus Singapur. Der Raum ist mit zwei Flachbildfernsehern und einer Karaokebox ausgestattet. Zu der Karaokebox gehören zwei „Fernbedienungen“ auf denen man sich im elektronischen Archiv das gewünschte Lied aussuchen und dieses dann per Bluetooth an die Karaokebox senden konnte. Sofort begannen die Japaner mit der Auswahl der Lieder und schmetterten bereits die ersten japanischen Schnulzen. Auch ich wollte mir ein Lied aussuchen, musste aber entsetzt feststellen, dass die Fernbedienungen auf japanisch waren. Zum Glück gab es jedoch auch noch ein dickes Buch, in dem ich blättern konnte und dann nur noch die Liednummern in das System eingeben musste. Das würde ich gerade noch so schaffen ;)

Nachdem ich ein paar englische Lieder gesungen hatte, entdeckte ich einen Abschnitt mit deutschen Liedern. Die Auswahl war hier leider nicht sehr groß, aber ich wurde ausgiebigst gefeiert, als ich Rammstein (Feuer, Sonne), Dschingis Khan(Moskau, Dschingis Khan) und Nena (99 Luftballons) trällerte. Mehr gabs dann auch nicht, denn an den Erlkönig traute ich mich dann doch nicht ran :P


Gegen halb fünf mussten wir dann die Karaokeboxen räumen und einige teilten sich schließlich doch ein Taxi nach Hause. Taxis sind hier in Japan übrigens (wie fast alles) unverschämt teuer, weswegen sich der Rest von uns lieber an den Strand begab, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Ich glaube, ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die Sonnenaufgänge in Japan die schönsten sind ;) Außerdem war ich sehr froh, als schließlich die Sonne aufging, denn obwohl es hier tagsüber um die 30 Grad ist, wird es sobald die Sonne untergeht sehr sehr kalt. Die Temperaturunterschiede sind echt unglaublich. Also lagen wir um halb sechs Uhr morgens auf ein paar Steinen am Strand und ließen uns von den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen. Das war ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Abend.

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