Freitag, 25. September 2009

Beppu





Heute war ich das erste Mal mit Timo in Beppu auf einer Besichtigungstour. Da der Campus auf einem Berg liegt und man hier alles kaufen kann, was man braucht (abgesehen von Alkohol) und die Busfahrt nach Beppu nicht nur 20 Minuten dauert, sondern auch noch unverschämt teuer ist (ca. 5 Euro), gehen die meisten Studenten nicht sehr oft nach Beppu.

Beppu ist für japanische Verhältnisse eine ziemlich kleine Stadt und ungefähr so groß wie Göttingen. Allerdings sprießen die Häuser hier aus Platzmangel unglaublich in die Höhe. Während wir in Göttingen vielleicht zwei bis drei Hochhäuser haben, die den Namen auch wirklich verdienen, steht hier eins neben dem anderen. Aus diesem Grund hat Beppu zwar mehr Einwohner als Göttingen, geht man aber von der Fläche aus, ist es eine ziemlich kleine Stadt, die man auch zu Fuß bewältigen kann. Sie besteht hauptsächlich aus Hotels, einigen Pachinko-Centern (Pachinko ist der Nationalsport Japans :D), einem Vergnügungsviertel und natürlichen einer unglaublichen Anzahl an Onsen (heiße Quellen).

Timo und ich steuerten heute direkt auf das große Einkaufszentrum youme (gesprochen jüümee) zu. Jedoch nicht, ohne zuvor einige Straßen überqueren zu müssen. Dabei stießen wir auf die nächsten Eigenheiten der Japaner: singende Ampeln. Unglaublich, aber wahr. Ist die Ampel noch rot, sieht sie wie eine ganz normale Ampel aus. Wird sie jedoch grün, ertönt eine Melodie, die mich an meine frühen Kindheitslieder erinnert, und neben der Ampel erscheint eine Anzeige, auf der zu erkennen ist, wie lange diese Ampel noch grün ist. Dies dient wohl dem Zweck, dass man einschätzen kann, ob man noch die Zeit hat, die Straße zu überqueren, bevor die Ampel rot wird. Wenn ihr aber denkt, jede Ampel spielt die gleiche Melodie, dann habt ihr euch geirrt. Während einige richtige Lieder vor sich hin trällern, tuten andere nur monoton vor sich hin oder geben einen nervigen andauernden Ton von sich. Meine Lieblingsampeln sind jedoch die kleinen, nicht so wichtigen Ampeln der Nebenstraßen. Denn diese Ampeln haben das Privileg schweigen zu dürfen. Während die Hauptstraßen also von einem Dauertuten und –tröten erfüllt sind, herrscht in den Nebenstraßen eine angenehme Ruhe.

Im youme-Zentrum angekommen, begaben wir uns auf die Suche, nach etwas Essbaren. Dies gestaltete sich sehr einfach, denn die ganze untere Etage war überfüllt mit Restaurants. Auch meine Angst, dass ich meine Essensbestellung erraten müsste, war total unbegründet. Die Japaner sind netterweise so freundlich, ihre gesamte Speisekarte mit Bildern auszustatten. Und als ob das nicht genug wäre, stellen sie diese Speisen auch noch in Form von Wachskunstwerken in einem Schaufenster vor dem Eingang aus. Nachdem wir uns ein Restaurant mit einigermaßen westlich ausschauenden Speisen ausgesucht hatten, wurden wir an einen Tisch geführt und sofort mit Tee bedient. In japanischen Restaurants muss man offensichtlich nie Geld für Getränke ausgeben, da man entweder (wie in diesem Fall) eine Kanne Tee, oder einfach eine Menge Wasser an den Platz gebracht bekommt, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Nachdem wir unsere Mägen (mit keine Ahnung was das war) gefüllt hatten, durchstreiften wir das Einkaufszentrum auf der Suche nach einem 100 Yen Shop, wo wir uns günstig mit Geschirr ausstatten wollten. Zunächst stießen wir jedoch auf einen Laden, der bis zum Rand mit Kitsch gefüllt war. Dort konnte man zum Beispiel „Glücksbärchen“-Kuscheltiere, „Elmo“-Hausschuhe, seltsame Kostüme (u.a. auch eine Michael Jackson Maske) und noch vieles mehr kaufen. Von den komischen Süßigkeiten und den seltsamen Comics fang ich lieber gar nicht erst an zu berichten ;)

Trotz des berauschenden Angebots konnten wir uns gerade noch zurückhalten und gingen in den nächsten Laden. Ein Buchladen. Super, endlich konnte ich mir meinen ersten japanischen Manga kaufen. Doch zunächst machte ich wieder Bekanntschaft mit der japanischen Freundlichkeit. Denn kaum betraten wir den Laden, ertönte ein lautes „irasshaimase“. Das bedeutet ungefähr: „kommen sie!“. In Japan wird man ständig so begrüßt, wenn man einen Laden betritt, doch darf man auf keinen Fall zurückgrüßen. Höchstens ein kleines „konnichiwa“ wäre möglich, aber auch das ist unüblich. So standen Timo und ich zum Beispiel vor einem Manga-Regal und versuchten uns durch das japanische System der Sortierung zu kämpfen, da kam auch schon ein Mitarbeiter vorbei, blieb kurz irritiert stehen, schreite ein fröhliches „irasshaimase“ und verschwand im Lager. Kurz darauf kam er wieder raus, sah uns erneut und es ertönte auch prompt das erwartete „irasshaimase“. Fast hätte ich etwas erwiedert, doch ich zwang mich nur zu einem kurzen Kopfnicken und vergrub mich wieder in die Mangas. Mensch, kam ich mir unhöflich vor.

Nachdem sowohl Timo, als auch ich, uns mit den berühmten japanischen Comics eingedeckt hatten, stießen wir auf eine Spielhalle. Mitten im Einkaufszentrum. Spielhallen haben hier in Japan nicht den verruchten Beigeschmack wie in Deutschland und so kam es, dass wir einen Vater dabei beobachtet haben, wie er seinen Sohn bei Mario-Kart abgezogen hat, ein älteres Ehepaar hat in trauter Zweisamkeit ihre Rente verspielt und die coolen Jugendlichen hingen vor künstlichen Schlagzeugen und Gitarren und spielten, was das Zeug hielt. Schon einmal etwas von richtigen Instrumenten gehört?

Total erschöpft von diesen zahlreichen Erfahrungen und etwas peinlich berührt, weil wir ständig angestarrt wurden, starteten wir unseren Heimweg zurück in die Sicherheit des Campus.

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