Mittwoch, 23. September 2009

Ritsumeikan Asia Pacific University - Der internationale Campus



In Fukuoka angekommen wurden wir erneut über die Schweinegrippe aufgeklärt, mussten einen Wisch ausfüllen und es wurden sogar unsere Fingerabdrücke eingescannt und ein Foto von uns gemacht (wir sahen bestimmt wunderschön aus :D). Nachdem wir unser Gepäck abgeholt hatten, wurden wir bereits freudig von mehreren Japanern abgeholt. Zu unserer Überraschung war in unserem Flug auch ein Spanier (David), der ebenfalls an der APU für ein Semester studiert. Außerdem warteten bereits ein Deutscher (Johannes) und ein Österreicher (Thomas) auf uns. Ich fühlt mich sofort wieder heimisch, was allerdings endete sobald ich mir meinen ersten Eistee kaufte. Nachdem ich nur den grünen Eistee aus Deutschland kannte, kam mir dieser hier verdammt bitter und nahezu ungenießbar vor (obwohl er von Coca Cola war!). Unser Gepäck wurde uns kurz darauf wieder genommen, mit der Begründung es würde mit einem Truck nachkommen und wir stiegen in den Bus nach Beppu. Die Fahrt dauerte 1 ½ Stunden und obwohl wir nur auf der Autobahn fuhren, war die Landschaft wunderschön. Die Berge hier kann man einfach nicht mit den Bergen in Deutschland vergleichen. Sie sehen irgendwie aus wie riesige grüne Wellen, so geschwungen sind sie.

An der Bushaltestelle der Uni wurde wir bereits von zwei Japanerinnen erwartet. Diese zeigten uns kurz den Campus, wobei sie allerdings ständig kicherten, weil ihnen die englischen Wörter nicht eingefallen sind. Die beiden begleiteten uns allerdings nur zu unseren Häusern, wo wir in die vertrauenswürdigen Hände der Resident Assistents (RA) übergeben wurden. Die RA sind ebenfalls Studenten, die für die Ordnung und Sauberkeit der jeweiligen Flure verantwortlich sind. Meine RAs heißen Barbie und Mie und zeigten mir voller Begeisterung mein Zimmer, bezogen mein Bett und ließen mich dann allein, um mich einzurichten. Womit, fragte ich mich allerdings, denn mein Gepäck war noch nicht angekommen. Ich fühlte mich schrecklich, denn ich war total durchgeschwitzt und hundemüde. Trotzdem wollte ich mich nicht schlafen legen, denn ich wollte dem Jetlag keine allzu große Chance geben. Also ging ich auf dem Flur und machte Bekanntschaft mit Hon aus Singapur, Sabina aus Litauen und Rina von den Phillipien. Dabei erfuhr ich auch, dass meine Mitbewohnerin (unsere Zimmer sind durch eine Schiebetür getrennt) noch bei ihrer Familie ist, da wir noch zwei Wochen Semesterferien haben. Sie ist Japanerin und ihr Name ist Yoko. Soviel weiß ich immerhin schon. Außerdem erfuhr ich, dass es den Abend ein Kennenlerndinner gab. Leider kam mein Gepäck nicht rechtzeitig an, so dass ich mich vorher nicht umziehen oder auch duschen konnte. Dort lernte ich weitere Mitbewohner aus China, Korea und Bangladesh kennen. Nach den üblichen Kennenlernspielen wurden wir über das verrückte System der japanischen Mülltrennung aufgeklärt, welches ich ehrlich gesagt immer noch nicht ganz verstanden habe. So gibt es zum Beispiel eine Trennung zwischen dem brennbaren und dem nichtbrennbaren Müll. Plastikflaschen und Papier kommen also zusammen in den Müll. Weil beides brennbar ist. Manche Plastikflaschen mit einem besonderen Zeichen werden allerdings in eine andere Mülltonne zusammen mit Dosen geschmissen, weil diese eben nicht brennbar sind?! Außerdem muss man die Deckel und diese Dosenhenkel getrennt sammeln. Damit wird irgendwie Ländern in der Dritten Welt geholfen. Fragt mich bloß nicht wie.

Nach dem Essen wollte ich duschen und ins Bett gehen. Die Duschen sind erstaunlicherweise nicht zu klein für mich und sehr sauber. Es gibt drei Duschkabinen für 18 Leute, was vollkommen ausreichend ist, da die meisten hier mitten in der Nacht duschen. Beim Zähneputzen hatte ich allerdings mehr Probleme, denn das Waschbecken ging mir nur bis knapp über die Knie. Ich glaube, selbst für Kinder wäre das zu niedrig. In meinem Bett erwartete mich der nächste Kulturschock, denn die Matratze ist höchsten 3 cm dick und das Kopfkissen ist winzig und sehr hart. Es fühlt sich an, als wäre es bis zum Rand mit Reis gefüllt. Dies waren sicherlich auch Gründe, warum ich nicht schlafen konnte. Irgendwann war es mir zu doof einfach nur im Bett zu liegen und auf den Schlaf zu warten und so wanderte ich die Nacht durch mein Wohnheim und erkundigte die Gänge. Ich habe mich tatsächlich wie Bob Harris in „Lost in Translation“ gefühlt.


Die nächsten Tage verbrachte ich hauptsächlich mit Einführungsveranstaltungen und Touren über den Campus und durch Beppu. Die Uni ist hier wirklich sehr schön gelegen. Mitten in den Bergen mit einer wunderschönen Sicht über Beppu und die Bucht. In diesem Semester studieren hier 6000 Studenten aus 97 verschiedenen Ländern. Es sind auch entgegen aller Erwartungen viele Europäer (Finnland, Schweden, England, Tschechien, Spanien, Frankreich, Österreich, 11 Deutsche!) und Amerikaner darunter.

Was ich bis jetzt über Japan sagen kann? Ich kann nur die bestehenden Vorurteile bestätigen.

Es gibt verdammt viele Regeln: zum Beispiel dürfen Austauschstudenten offiziell nicht trinken, damit sie keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Außerdem dürfen wir hier keine motorisierten Fahrzeuge fahren, da uns nicht zugetraut wird, dass wir uns in der kurzen Zeit die Verkehrsregeln, die ja soooooo anders sind, aneignen können ;) Abgesehen davon, dass ich eh nicht vorhatte ein Auto zu fahren, musste ich bis jetzt feststellen, dass uns eh verdammt wenig zugetraut wird und es so schwachsinnige Regeln gibt, die eigentlich selbstverständlich sind, wenn sie aber ausgesprochen werden ein bisschen bevormundend klingen. Z.B.: The People of Beppu expect you to act like rolemodels so don’t disturb them in their daily life.

Ansonsten sind hier jedoch alle sehr nett und zuvorkommend.


Ich war gestern bereits auf meiner ersten japanischen Party eingeladen (bei der übrigens trotz Verbots Alkohol getrunken wurden, denn in Japan darf man erst mit 20 trinken und die meisten Japaner hier sind erst 19 Jahre alt und somit noch Minderjährig).

Auf dem Foto seht ihr übrigens eine 4l Flasche Sake. Da soll noch jemand sagen, dass die Japaner ihr Nationalgetränk nicht mögen würden ;)

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