Juchuh, Besuch im Anmarsch! Vom 25.-27. September hatten wir die Ehre Nico beherbergen zu dürfen. Nico ist ein Freund von Timo, den er während seines Studiums in Berlin kennengelernt hat. Allerdings hat er sein theoretisches Japanisch-Studium mehr oder weniger an den Nagel gehängt und bereist nun seit längerer Zeit Japan. Auf seinem Weg von dem südlichen Urlaubsparadies der Okinawa-Inseln in die Kulturhauptstadt Kyoto schaute er ein Wochenende lang bei uns in Beppu vorbei.
Da ich am Freitag keine Zeit hatte, verbrachten wir den Samstag zusammen. Hauptsächlich sind wir Essen einkaufen gegangen und haben gekocht: Rindersteak, Frikadellen, Salat und Reis. Mann, war das schön mal wieder was bekanntes zu essen. Wir haben bei mir im Flur in der Küche gekocht und der Duft von gesundem (halbwegs) deutschen Essen lockte einige Neugierige hervor, die natürlich auch alle mit zugeschlagen haben. Ein Glück, dass wir extrem großzügig eingekauft haben :D
Nach dem Essen wollten Timo und Nico unbedingt nach Beppu fahren und Karaoke singen. Da wir dann jedoch die ganze Nacht durchsingen müssten und ich am Sonntag mit ein paar Leuten von meinem Flur nach Fukuoka fahren wollte, lehnte ich die Einladung jedoch dankend ab. Denkste dir! Natürlich kamen die beiden sofort mit einer Menge sinnvollen Argumenten, warum ich unbedingt mit kommen müsste. Als sie dann auch noch auf die Tränendrüse drückten und sich beschwerten, dass ich ja bereits den Freitag nichts mit ihnen gemacht hätte, konnte mein weiches Herz natürlich nicht nein sagen :D Also überredete ich schnell noch Rina und Sabina mitzukommen, damit wir uns ein Taxi nach Hause teilen konnten. Durchmachen war nun echt nicht drin.
Nach einer ereignisreichen Karaokenacht schleppte ich mich um 4 Uhr in mein (nicht ganz so kuscheliges) Bett. 3 Stunden Schlaf. Wenn das mal nichts ist ;)
Am nächsten Morgen wachte ich erfrischend erholt auf, nahm eine eiskalte Dusche und hüpfte hinunter zum Parkplatz, wo Yuki und Taiki bereits mit einem Mietwagen warten wollten. Verwundert rieb ich mir die Augen. Wo war das Auto? Nach einer ersten kurzen Panikattacke, sie könnten ohne mich gefahren sein, kam Hong mir entgegen und berichtete, dass Taiki verschlafen hat. Wir mussten also noch eine halbe Stunde warten. Na toll! Dabei war Taiki extra früh ins Bett gegangen...
Langsam trudelten auch die anderen Mitfahrer ein und wir waren mit einstündiger Verspätung vollständig: Yuki, Kento und Taiki aus Japan, Hong und Andrew aus Singapur, Abebe aus Kanada und ich!
Die Fahrt nach Fukuoka verlief relativ problemlos. Abgesehen davon, dass Taiki gefahren ist und er erst ziemlich frisch seinen Führerschein hatte. Die Bremsungen und Kurven fielen dadurch sehr ruppig aus und es war kein Gedanke an Schlaf zu verschwenden.
Achja, vielleicht noch eine kurze Backround-Information zu Fukuoka. Fukuoka ist die größte Stadt hier auf Kyushu mit ungefähr 1,4 Millionen Einwohner und ist auch die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Außerdem bin ich hier gelandet, den Flughafen kenne ich also schon :P
In Fukuoka angekommen, steuerten wir sogleich auf ein RIESIGES Einkaufszentrum zu. Es ist 8-stöckig und jedes Stockwerk ist so groß wie die Göttinger Innenstadt. Es gab also viel zu sehen ;) Was ich allerdings sehr seltsam fand, ist der Fakt, dass die oberen! Drei Stockwerke als Parkhaus dienen und nicht, wie bei uns die unteren. Wir mussten also erst einer ziemlich steilen, engen und kurvigen Straße folgen, bis wir endlich in den Parketagen angekommen waren. Dann ging es wieder mit den Fahrstühlen runter in den ersten Stock (da die Japaner kein Erdgeschoss kennen, entspricht der erste Stock also dem Erdgeschoss) und dort trennte sich dann der Spross vom Weizen, heißt Männlein und Weiblein gingen getrennte Wege. Allerdings glaube ich nicht, dass das bei den „männlichen“ Shoppinggewohnheiten hier notwendig gewesen wären. Die halten es tatsächlich länger in jedem Schuhladen aus als ich :D
Nachdem wir mehrere Stunden durch die verschiedenen Etagen getrudelt sind, trafen wir uns im 5. Stock, dem „Raumen Stadium“. Dort waren Rahmengeschäfte aus ganz Japan versammelt und Yuki erzählte mir, dass die Konkurrenz so groß ist, dass diejenigen Geschäfte, die eine bestimmte Einkommensgrenze nicht erreichten sofort rausgeschmissen wurden damit ein neuer Laden in das Stadium ziehen konnte. Nach dieser Offenbarung rechnete ich eigentlich damit, dass es sich hier ähnlich wie auf einem orientalischen Basar verhalten würde und wir von den Ladenbesitzern beschwatzt würden, in ihren Laden zu kommen. Aber nein, Eva. Vergiss niemals, dass du dich hier in Japan befindest, dem Land der untergebenen Höflichkeit! Anstatt uns mit tollen Angeboten in ihre Geschäfte zu locken, standen die Ladenbesitzer mit großen traurigen Augen vor ihrem Laden und verbeugten sich artig, wenn wir vorbei gingen. Auch das Bestellen erwies sich als typisch japanisch. Wir mussten an einen Automaten gehen, dort unser Gericht auswählen und auch gleich bezahlen. Dann erhielten wir eine Quittung mit der wir in den Laden gingen, um sie dort (nachdem wir den gewünschten Härtegrad unserer Nudeln ausgewählt hatten) der Bedienung in die Hand zu drücken. Da der Laden ziemlich voll war, mussten wir uns aufteilen und ich saß mit Yuki und Abebe an der Theke, die sich um die ganze Küche erstreckte. Wir hatten also einen wunderbaren Einblick in das dortige Treiben. In der Küche waren ungefähr zehn Japaner und Japanerinnen, die sich immer wieder zuriefen, was sie gerade taten. Dadurch können sie die unterschiedlichen Bestandteile der Rahmen besser abstimmen und somit alle Zutaten gleichzeitig fertig stellen. Außerdem stand ein Japaner am Eingang und schrie immer wieder wie viele Menschen draußen warteten. Das Küchenpersonal bestätigte diese Info und hielt Ausschau nach freien Plätzen. Ein sehr lustiges und auch sehr lautes System ;) Doch trotz des ganzen Stresses in der Küche, fand eine Japanerin die Zeit uns zu fragen, ob sie ein Foto von uns machen solle. Wie kam sie denn auf diese Idee? Aber na gut, man soll Japanern ja bekanntlich nichts abschlagen und so gab ich ihr meine Kamera und sie schoss ganz glücklich ein Foto von uns. Als sie es sich nachher anguckte, war sie außer sich vor Freude und schrie die ganze Zeit, wie süß wir doch wären. Süß heißt übrigens „kawaii“ auf Japanisch und es ist bis jetzt das meistgehörte Wort. Japaner finden nämlich alles „kawaii“ (zumindest alles was irgendwie weiblich und niedlich ist) und den Rest „sugoi“, was so viel wie „cool“ bedeutet.
Nachdem ich meinen Rahmen (mit Stäbchen!) gegessen habe, sind wir in die riesige Spielhölle aufgebrochen (die darf natürlich in keinem guten Einkaufszentrum fehlen) und haben ein paar Spielchen gespielt. Anschließend gingen wir einen Stock tiefer, an einem riesigen Kino vorbei, in eine weitere Spielhalle für kleine Kinder. Da waren wir allerdings falsch und ich folgte dem Trupp immer weiter durch das Chaos der Spielhallen. Wo wollten die nur alle unbedingt hin? Schließlich, nachdem wir noch eine Spielhalle für ältere Semester durchquert hatten, waren wir endlich an unserem Ziel. Oh mein Gott, bitte nicht! Wir waren in einer weiteren Halle voller Automaten. Fotoautomaten! Erinnert ihr euch noch an die Fotoautomaten, die vor ungefähr zehn Jahren total in in Deutschland waren? An denen konnte man so kleine Winzbilder ausdrucken, um die man einen Rahmen basteln konnte usw. Als ich vierzehn war, hatte ich mein ganzes Portemonnaie voll mit diesen Dingern. War ja irgendwie klar, dass diese Fotoautomaten aus Japan kamen. Doch wo bei uns der Trend langsam im Nichts verschwand, wurde die Idee in Japan perfektioniert. Hier konnte man sich Kostüme ausliehen (Schuluniformen, Gruftioutfits, usw) und dann quetschte man sich mit der ganzen Gruppe in so einen Automaten. Zum Glück bestand keiner darauf, sich Kostüme auszuleihen, denn ich wäre nur ungern in einer ultra kurze Schuluniform geschlüpft. Nachdem wir 15 Fotos geschossen hatten, mussten wir um den Automaten herum gehen und dort in einer kleinen Kammer unsere Bilder bearbeiten. Wir fügten also ganz viele Herzen, dumme Sprüche und extrem viel Kitsch hinzu und druckten sie dann aus. Das Ergebnis zeige ich euch, wenn ich wieder zurück bin ;)
Nachdem wir uns also im Einkaufszentrum ausgetobt hatten, beschlossen wir auch die altmodische japanische Kultur zu besichtigen und fuhren zum „Shofuku-ji“. Dieser gilt als ältester zen-buddhistischer Tempel Japans. Ende des 12. Jahrhunderts gründete ihn der Priester Eisai, der Zen und Tee in Japan einführte. Zunächst reinigten wir uns mit den zur Verfügung stehende Kellen, die in einem Wasserbassin vor dem Tempel ruhen. Dabei muss man zuerst das Wasser über die linke Hand laufen lassen, dann über die rechte Hand und schließlich spült man sich mit dem Wasser den Mund aus. Ganz zum Schluss lässt man das Wasser noch über den Stiel der Kelle laufen, damit diese für den nächsten Benutzer gereinigt ist. Auf dem Tempelgelände konnten wir uns Schicksal anhand von Zetteln bestimmen, die man für ein paar Yen aus einer großen Truhe ziehen musste. Wenn man ein schlechtes Schicksal zog, konnte man dieses an eine Leine hängen und es somit abwenden. Ein gutes Schicksal nahm man mit nach Hause. Außerdem gab es auch die Möglichkeit, auf eine Holztafel seine Wünsche und Träume einzuritzen. Diese hängt man dann an eine große Wand. An dieser Wand entdeckten wir auch einige Holztafeln von Studenten unserer Uni, die sich ein gutes Examen wünschten. Nachdem Yuki noch kurz für unsere aller Gesundheit gebetet hat, verließen wir
den Tempel und fuhren zu dem berühmten „Ohori-Park“. Dieser Park ist sehr beliebt bei den Bewohnern Fukuokas, da er wunderschön gestaltet ist, mit kleinen Wegen, riesigen Seen, altmodischen Pavillons und idyllischen Inseln. Dort ließen wir ein wenig unsere Seele baumeln und begaben uns schließlich, frisch ausgeruht, auf den Rückweg Richtung Beppu. Doch bevor wir nach Hause fuhren, hielten wir noch auf einem Berggipfel oberhalb der Uni an. Es war bereits dunkeln und wir hatten einen wunderschönen Blick auf die Lichter Beppus und Oitas, die Bucht und das dunkle Meer und unsere Uni in den einsamen Bergen Beppus. Ein gelungener Abschluss eines sehr schönen Tages!
Danke, Eva, endlich hat das Warten ein Ende und Du erzählst uns wieder eine aus dem Leben gegriffene Story aus Fernost
AntwortenLöschenDoris und KLaus