Dienstag, 29. September 2009

Shopping


Auf Grund meiner für japanische Verhältnisse ungewöhnlichen Größe stellen sich die Shoppingtouren etwas schwieriger als in Deutschland da. So habe ich sowohl in Beppu, als auch in Oita eher weniger erfolgreich nach Klamotten gesucht. Die Ausflüge waren aber trotzdem ein Erlebnis wert.

Oita ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur und liegt direkt neben Beppu. Die beiden Städte sind ungefähr mit Bonn und Köln zu vergleichen (nur ein bisschen kleiner). So dauert die Fahrt von Beppu bis nach Oita mit dem Bummelzug 15 Minuten, während die Fahrt von der Uni bis zum Bahnhof mit dem Bus über eine halbe Stunde dauert. Am Bahnhof angekommen, musste ich mich allerdings erst mal durch das japanische System der Fahrkartenbeschaffung kämpfen. Zunächst muss man hier auf einer großen Tafel schauen, wo man hinfahren muss. Leider sind die Orte alle in Kanji geschrieben und man muss sich also gut vorbereiten, indem man den gewünschten Zielort vorher im Lexikon nachschlägt. Hat man den Ort gefunden, steht daneben der Preis. Zu beachten ist jedoch, dass es oft zwei Eisenbahnanbieter gibt. JR, die staatliche Eisenbahn, und meist noch private regionale Anbieter. Sobald man also herausgefunden hat, welcher Anbieter der günstigere ist, kann man an ein Fahrkartenautomaten gehen. Dort stehen allerdings nicht die Fahrstrecken wie bei uns in Deutschland zur Verfügung, sondern nur der Preis. Für die Fahrt mit dem Bummelzug nach Oita musste ich ein 270 Yen Ticket ziehen. Danach geht man durch eine Absperrung, an der ein Schaffner die Fahrkarte kontrolliert. Da man sich allerdings erst nach der Absperrung für ein Gleis entscheidet, verstehe ich noch nicht ganz den Sinn und Zweck der Fahrkartenkontrolle zu diesem seltsamen Zeitpunkt. Auch auf dem Gleis muss man aufpassen, dass man in den Zug des richtigen Anbieters einsteigt. Ansonsten müsste man auf das Ticket einen Aufpreis zahlen (wo genau, war mir allerdings nicht klar).

In Oita angekommen, muss man erneut durch eine technische Absperrung vergleichbar mit manchen Absperrungen der Berliner U-Bahn. Jedoch sind diese nicht zu und gehen erst auf, wenn man sein Ticket eingeführt hat. Nein, das wäre wohl zu unhöflich und würde einem den Eindruck der Kontrolle vermitteln. Diese Absperrungen stehen offen, so dass der unerfahrene Fremde denkt, man könnte sie einfach passieren. Versucht man dies jedoch, ohne seine Fahrkarte vorher eingeführt zu haben, schließen sich die Schranken (offenbar durch eine Lichtschranke ausgelöst) und man zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Also suchte ich notgedrungen nach meinem Ticket, dass ich irgendwo in meinem Rucksack gut verstaut hatte, da ich dachte eine Kontrolle wäre genug. Aber da hatte ich mich wohl geirrt. Zum Glück habe ich es dann doch gefunden und ich konnte unbehelligt passieren. Das System habe ich allerdings immer noch nicht verstanden. Da es im Zug offensichtlich keine Schaffner gibt, könnte man sich doch einfach ein günstigeres Ticket kaufen und damit die Kontrollen passieren, oder? Woher wollen sie denn bitte wissen, welchen Zug ich dann tatsächlich genommen habe? Aber entweder sind die Japaner dazu zu ehrlich oder es gibt noch ein geheimes System der Kontrolle, dass ich nicht mitbekommen habe. Geheime Kontrolle ist hier in Japan nämlich sehr beliebt. Sie geben einem das Gefühl der totalen Unabhängigkeit und dann stellt man durch Zufall fest, dass sie einen die ganze Zeit beobachtet haben. So hat mich zum Beispiel ein Freund aus dem AP House gewarnt, niemals nur mit einem Messer bewaffnet den Flur zu betreten. Als er sich nämlich ein edles Messer gekauft hat und es nachdem er es ausgepackt hatte, einem Freund am anderen Ende des Flurs zeigen wollte, standen 5 Minuten später mehrere Security-Leute vor der Tür seines Freundes. Es stellte sich heraus, dass das gesamte Haus Kamera überwacht ist (abgesehen von Toiletten und Duschen... behaupten sie zumindest...) und sie Angst hatten, dass es nachdem die beiden für längere Zeit das Zimmer nicht verlassen hatten, zu einer Messerstecherei gekommen ist. Es ist ja sehr rührend, dass sie sich so viel Sorgen um uns Hausbewohner machen, aber dass wir rund um die Uhr überwacht werden, hätten sie uns ruhig vorher sagen können.

Die Shoppingtouren hielten auch einige Überraschungen für mich bereit. So gibt es weder in Beppu noch in Oita normale Einkaufsstraßen mit kleinen Läden (höchstens in den unheimlichen Vierteln :P), sondern ähnlich wie in Amerika riesige Einkaufszentren mit allem was man braucht unter einem Dach. Trotz der großen Auswahl an Läden lässt die Auswahl an Klamotten jedoch zu wünschen übrig. Durchstreift man die japanischen Klamottenläden, bekommt man schnell den Eindruck alle Japaner seien gleich groß. Überall kann man Größe M bewundern. Größe M? Super, das ist ja genau meine Größe, dachte ich mir, und betrat mit einem Haufen Klamotten die Umkleidekabine. Aufgeregt lief eine Verkäuferin hinter mir her und hielt mir den Vorhang der Umkleidekabine auf. Offensichtlich darf man hier nicht einfach so eine Kabine betreten, sondern muss gefälligst den übertrieben Service in Anspruch nehmen. Na gut, da ich voll beladen war, nahm ich das Angebot an und nickte freundlich als mich die Bedienung auf japanisch zutextete. Als sie allerdings immer aufgeregter wurde und hastig auf meine Füße zeigte begriff ich, dass das nicht nur bloße Freundlichkeit war. Ich hatte doch tatsächlich gewagt, die Umkleidekabine mit meinen Schuhen zu betreten. Offensichtlich muss man in Japan nicht nur vor Betreten einer Wohnung die Schuhe ausziehen, sondern ebenfalls vor Betreten einer Umkleidekabine. Macht ja auch irgendwie Sinn, oder? An diesem Tag war ich froh über das warme Wetter, das mich dazu gebracht hatte am morgen zu meinen Flip Flops zu greifen. Hätte ich meine Chucks angehabt und jedes Mal die Schuhe aufschnüren und wieder zuschnüren müssen, wäre ich wohl nicht in so viele Umkleidekabinen gegangen. Als mich die Verkäuferin endlich alleine gelassen hatte, viel mein Blick auf eine Box in der Ecke der Umkleide. Kurzentschlossen, zog ich einen Plastikplane heraus. Ah, der ist bestimmt dazu da, dass man ihn auf den Fußboden legt. Aus hygienischen Gründen, da hier so viele Leute mit nackten Füßen ein und aus gehen. Aber nein, auch da hatte ich mich wieder geirrt. Über Hygiene macht man sich hier im Alltagsleben nicht so viel Sorgen. Nur bei Ausbruch eines Hustens :D Natürlich war die vermeindliche Plastikplane nicht für den Fußboden gedacht. Nach genauerer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass es keine Plane war, sondern ein Sack. Ein durchsichtiger Plastiksack. Was sollte ich denn damit anstellen? Verwirrt musterte ich die Box genauer und fand auch prompt eine Zeichnung. Man sollte sich den Plastiksack über den Kopf ziehen! Wie bitte? Lernt man hier etwa nicht schon als kleines Kind, dass man sich niemals einen Plastiksack über den Kopf ziehen sollte? Ich wusste ja, dass die Selbstmordraten in Japan sehr hoch sind, aber so ein Angebot in der Umkleide? Nach längerem hin und her, beschloss ich, dass dieser Plastiksack nur eine Bedeutung haben konnte: Schaut man sich auf Japans Straßen um, sieht man nämlich verdammt viele durchgestylte und extrem stark geschminkte Japanerinnen. Dieser Sack konnte nur den Zweck erfüllen, die Klamotten vor Make-Up Spuren zu schützen. Das kam bei mir zum Glück nicht in Frage, da ich kein Make-Up trage. Ich stopfte also den Plastiksack verängstigt zurück in die Box und tat so, als habe ich ihn nie gesehen. Scheiß auf Hygiene oder auf einen möglichen Erstickungstod, Hauptsache die Allgemeinheit ist vor dem Anblick Make-up verschmierter Klamotten geschützt!

Etwas verwirrt stieg ich also in meine Klamottenauswahl und musste enttäuscht feststellen, dass das japanische M mehr einem deutschen XS entspricht. Hätte ich mir ja auch denken können. Enttäuscht verließ ich Oita mit den viel zu kleinen Klamotten und ging in Beppu in das bereits erwähnte youme. Noch wollte ich die Hoffnung nicht ganz auf geben und nachdem Timo mir erzählt hat, dass er letztes Mal hier T-Shirts gekauft hatte, besserte sich meine Laune sofort. Er zeigte mir einen Laden namens UniQlo (offensichtlich das japanische H&M), in dem ich tatsächlich Klamotten in L und XL gefunden habe. Und ratet mal: L ist natürlich auch zu klein. Ich bin also eine japanische XL. Mann, ist das deprimierend. Aber damit nicht genug. Während L noch ziemlich normal geschnitten ist und eigentlich auch passt, nur dass eben alle Oberteile zu kurz sind, ist der Unterschied zwischen L und XL enorm. XL hat zwar den Vorteil lang genug zu sein, allerdings passen dann auch zwei von mir rein. Was sind das denn bitte für Japaner, die diese Größe haben? Sumo-Ringer?

Nach längerem Suchen entdeckte ich zum Glück noch ein Top in XL, dass nicht einem Sack ähnelte. Allerdings hätte ich meine BHs in Deutschland lassen können, denn offensichtlich haben die Japanerinnen solche Komplexe ihre Oberweite betreffend, dass in den Tops bereits wunderbare Push-Up-BHs eingenäht sind. Dankeschön!

Auch bei Schuhen hatte ich leider nicht so viel Glück. Nachdem ich meine japanische Schuhgröße (26-27 cm) herausgefunden habe, musste ich leider feststellen, dass es bei den Frauen nur bis 25 cm ging. Enttäuscht fragte ich einen Verkäufer, der beschämt zu Boden schaute und nickte. „Women, 25. Go to Men!“, murmelte er. Nein danke, dann lieber nicht. Herrenschuhe sind hier nämlich keine Schönheit :P

1 Kommentar:

  1. One good thing about Japan shopping is that it is already available over the internet. Therefore, you don't experience some hard times and will enjoy your shopping spree.

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